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Interview

19.07.2010

"Es gibt kaum noch Hitzefrei"

Schüler freuen sich über Hitzefrei
Bild: AZ

Thomas Lillig ist Vorsitzender der Landeselternvereinigung der Gymnasien in Bayern. Er erklärt, wann und ob Lehrer hitzefrei geben dürfen.

Aus vielen Schulen ist zu hören, dass es trotz tropischer Temperaturen kaum noch "Hitzefrei" gibt. Machen Sie die gleiche Erfahrung?

Lillig: Ja, das ist so. Als ich noch zur Schule gegangen bin, da gab es die Regelung, dass man bei 27 Grad Hitze mittags nach Hause gehen konnte. Heute gibt es keine Vorgaben mehr, auch keine Empfehlung des Kultusministeriums.

Das heißt, heute liegt alles im Ermessen des Schulleiters?

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Lillig: Genau. Er entscheidet, ob und welche Maßnahmen getroffen werden. Das ist eine schwierige Entscheidung. Es ist nachvollziehbar, dass das Lernen bei solchen Temperaturen schwerfällt und es die Kinder zum Baden zieht. Gleichzeitig ist die Schulzeit heute enorm verdichtet. Es gibt Schüler, die haben bis zu 37 Wochenstunden. Wir haben einen verbindlichen Nachmittagsunterricht, auch mit Kernfächern. Geben Sie da häufiger "Hitzefrei", dann kann schon mal der gesamte Physik-Unterricht einer Woche wegfallen.

Stehen Schulleiter wegen der Fülle des Unterrichtsstoffes unter Druck?

Lillig: Ich glaube schon. Am Ende der Gymnasialzeit geht es darum, das Zentralabitur zu schaffen. Zu oft "Hitzefrei" zu geben, kann da ein Nachteil sein.

Aber es gibt auch eine Fürsorgepflicht?

Lillig: Natürlich. Aber auch wir Eltern sehen ein, dass es beim Thema "Hitzefrei" viele Aspekte gibt. Nehmen Sie das Thema Bustransport. In ländlichen Gebieten ist es oft schwierig, den Busverkehr für mehrere Schulen zu koordinieren. Was tun Sie, wenn eine Schule "Hitzefrei" gibt und die andere nicht? Wie kommen die Kinder dann nach Hause? Und was tun Eltern, die berufstätig sind und dann keine Betreuung garantieren können. Also: Schulleiter müssen gut abwägen, wenn sie so eine Entscheidung treffen.

Manche Schulen verkürzen die Unterrichtsstunden. Ist das eine Alternative?

Lillig: Das kann durchaus eine sein. Statt 45 Minuten wird dann nur 35 Minuten unterrichtet, dafür fällt aber kein Fach aus. Außerdem gibt es Schulleiter, die großzügiger mit "Hitzefrei" umgehen, wenn am Ende des Schuljahres die Noten feststehen, also zwei, drei Wochen vor Ferienbeginn. Diese Zeit haben wir jetzt. Dieses Interview führte Andreas Frei.

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