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Existenzsicherung
28.07.2009

Glückliche Kühe sollen Bauern retten

Milch_Kuh_Milchkuh
Foto: dpa

Zu früh werden die deutschen Kühe dem Schlachter vorgeführt. Das soll sich jetzt ändern. Denn eine lange Lebenszeit ist für die deutschen Bauern überlebenswichtig. Von Manuela Mayr

München Der Verschleiß an Tieren ist hoch in der deutschen Milchwirtschaft. Statistisch bringt die Durchschnittskuh in Deutschland gerade mal 2,5 Kälbchen zur Welt, bis sie zum Schlachter kommt, in Bayern sind es immerhin drei. Die Fachleute sprechen von "Laktationen" - das sind die Zeiten, in denen die Kuh nach der Geburt eines Kalbes Milch gibt, bis sie wieder neu besamt werden muss. In Lebenszeit ausgedrückt entsprechen 2,5 Laktationen etwa 4,3 Jahren.

Ihre beste Leistungsphase, die biologisch eigentlich bei der dritten, vierten oder fünften Laktation liegen würde, erleben die meisten Kühe gar nicht, sagt der Tiermediziner Gerhard Reszler. Sie haben trotz hohen Medikamenteneinsatzes Probleme zum Beispiel mit dem Euter, der Fruchtbarkeit, den Klauen oder der Melkbarkeit. Die Pharmaindustrie mache sich das zunutze: "Da wird Geld verbraten ohne Ende." Trotzdem seien die Kühe schnell verbraucht und jedes Mal gingen 1700 bis 2000 Euro an Aufzuchtkosten verloren, so Reszler. Rechnerisch mache der Landwirt pro Kuh nur drei Monate Gewinn.

Das ist der Ansatz für die Aktivitäten des neu gegründeten "Europäischen Instituts für profitable Milchwirtschaft" (ineda), das sich gestern in München vorstellte. Kühe, die sich wohlfühlen, gesund bleiben und so eine hohe Lebensleistung bringen, senken die Kosten in der Milchwirtschaft und das sei angesichts des Existenzkampfs, in dem sich die Bauern befinden, überlebenswichtig.

Reszler bringt sein Konzept auf einen einfachen Nenner: "Geht's der Kuh gut, geht's auch dem Bauern gut." Damit es der Kuh gut geht, bieten die 27 Fachleute des Instituts mit Sitz in München Beratung und Seminare an, die die Haltung, Fütterung und das Management im Milchviehbetrieb verbessern sollen.

Zielgruppen seien neben den Landwirten auch deren Tierärzte und Berater sowie Industrie, Wissenschaft, Politik und Banken. Worauf es ankommt, um das genetisch vorhandene Potenzial der Kuh besser auszunutzen, erklärte der Steingadener Tierarzt Siegfried Moder: zum Beispiel auf das richtige Futter in der richtigen Menge und auf die Qualität des Stalls, in dem die Kühe ihr ganzes Leben verbringen.

"Der Kuhkomfort ist viel zu lange vernachlässigt worden", sagt Moder. Wichtig sei, dass die Boxen weich sind, dass alle Kühe gleichzeitig die Möglichkeit zum Fressen hätten und dass sie ihren hohen Wasserbedarf decken könnten.

Die tierschutzgerechte Haltung führe zu einer Reduzierung des Medikamenteneinsatzes und das liege auch im Interesse des Verbraucherschutzes und der Lebensmittelsicherheit. Auch dem Image der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit komme es zugute. "Nicht den Massenprodukten, sondern den Qualitätsprodukten gehört die Zukunft", meint der Tiermediziner Andreas Striezel aus Erlangen.

Das Konzept gefällt auch dem Europaabgeordneten Markus Ferber (CSU), der als "Ehrengast" dabei war. Die Beschlüsse der EU-Kommission brächten auch langfristig keine Marktentlastung. "Deshalb muss die Landwirtschaft effizienter produzieren", so Ferber.

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