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Österreich

22.06.2019

Fahrverbot in Tirol: Diese Strafen drohen Urlaubern

Die Brennerautobahn bei Gries in Tirol. Auch hier dürfen Fernreisende nicht mehr abfahren, wenn sie einen Stau umgehen oder sich Mautgebühren sparen wollen.
Bild: Sven Hoppe, dpa (Archiv)

Ab heute dürfen Fernreisende im Großraum Innsbruck nicht mehr die Landstraßen nutzen. Welche Kontrollen drohen und wie hoch die Strafen sind.

Für Urlauber soll es nur noch einen Hauptweg geben, der von Bayern über Österreich nach Italien und zurück führt – und zwar über die Autobahn. Reisende, die durch das österreichische Bundesland Tirol fahren, sind an Wochenenden mit einem Fahrverbot im Großraum Innsbruck konfrontiert. Das bedeutet: Sie müssen auf der Autobahn bleiben und dürfen nicht mehr auf Landstraßen ausweichen, um Staus zu umfahren oder Mautgebühren zu umgehen. So will das Land Tirol umliegende Dörfer vom massiven Reiseverkehr entlasten.

Betroffen sind Ausfahrten zwischen Hall und Zirl auf der Inntalautobahn A12 sowie bei Patsch und Gries am Brenner auf der Brennerautobahn A13, nicht jedoch die alte Brennerstraße. Bis Mitte September stehen Straßenschilder an den Abfahrten, die Durchreisende auf das Fahrverbot hinweisen. „Wer von Deutschland nach Italien fährt und andersherum, darf in diesem Bereich nicht rausfahren“, sagt Günther Salzmann, stellvertretender Leiter der Verkehrspolizei Tirol, unserer Redaktion – nicht einmal für ein schnelles Mittagessen oder zum Tanken. Ausgenommen seien Autobahnraststätten. Das Verbot gilt sowohl für Auto- als auch Motorrad- und Lastwagenfahrer an Wochenenden von samstags, 7 Uhr, bis sonntags, 19 Uhr.

Der ADAC spricht von einer unglücklichen Situation für Urlauber – erst recht, wo an diesem Wochenende mit einer Rückreisewelle von Pfingsturlaubern zu rechnen ist. „Sie müssen in Notfällen abfahren dürfen, um etwas zu essen oder zu rasten“, sagt ein Sprecher unserer Redaktion. Er sagt aber auch: „Forschungen zeigen, dass man auf der Autobahn schneller an sein Ziel kommt, als wenn man auf Landstraßen ausweicht.“ Diese seien schnell ausgelastet. „Das führt dann wieder zu Rückstaus“, sagt der Sprecher.

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Fahrverbot in Tirol: Urlauber müssen triftigen Grund vorweisen

Verkehrspolizist Salzmann weist darauf hin, dass der Verkehr mitunter so schlimm sei, dass Rettungsfahrzeuge stecken bleiben. Auch deshalb müssen Urlauber nun einen triftigen Grund vorweisen, wenn sie von der Autobahn bei Innsbruck abfahren. „Reisende müssen ernsthaftes Interesse an dem Gebiet haben, Wandern gehen oder in ein Hotel einchecken“, sagt Salzmann. Er hofft dabei auf die Vernunft der Fahrer – verlässt sich aber nicht darauf. Stichprobenartig wollen Salzmann und seine Kollegen schon an diesem Wochenende kontrollieren.

Das bedeutet: Wird ein Autofahrer an einer Abfahrt angehalten, weist die Polizei ihn wieder zurück auf die Autobahn. Erwischen die Beamten einen Durchreisenden im Gebiet, in dem das Fahrverbot gilt, kostet ihn das 35 Euro. „Zeigt er keine Einsicht, wird es teurer.“ Die Höhe der Strafe liege dann im Ermessen eines Staatsanwalts. Um „Betrüger“ zu überführen, kündigt die Polizei an, beispielsweise in Hotels nachzufragen, ob wirklich eine Übernachtung geplant sei.

Die Österreicher haben es angekündigt und nun umgesetzt. In Tirol gelten ab heute Wochenend-Fahrverbote für Landstraßen in der Nähe von Autobahnen. Damit sollen das Umfahren von Staus und verstopfte Dörfer verhindert werden.
Video: dpa

Bayerns Staatsregierung hatte mit Empörung und Unverständnis auf das Tiroler Vorgehen reagiert. „Das Verhalten ist unsäglich und reine Schikane“, sagte Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) aus Jettingen-Scheppach (Kreis Günzburg). Außerdem sei das Verhalten des Nachbarlandes rechtswidrig. „Ich erwarte, dass die EU-Kommission dieses Verhalten sehr schnell unterbindet und für freien Reiseverkehr in Europa sorgt.“ Reichhart stellte auch Gegenmaßnahmen in Aussicht: „Sollte die EU-Kommission dieses Verhalten durchgehen lassen, dann muss es auch für die stark belasteten bayerischen Autobahnen und Landstraßen in der Grenzregion gelten.“ Mit Tirol seien Gespräche vereinbart. Von deren Ausgang wolle man Bayerns Reaktion abhängig machen.

Hämische Antwort aus Tirol

Die Antwort aus Tirol lässt nicht lange auf sich warten: „Nur weil unsere Nachbarn bei der Pkw-Maut eine empfindliche Niederlage einstecken mussten, sollen sie jetzt nicht die Beleidigten spielen, sondern mit uns aktiv an der Entlastung der Bevölkerung arbeiten“, kontert Landeshauptmann Günther Platter.

Weil an diesem Wochenende neben der Rückreisewelle auch wieder Grenzkontrollen bei Kufstein drohen, empfiehlt der ADAC Autofahrern, andere Grenzübergänge zu befahren – wenn sie nicht im Stau stehen wollen. (mit dpa)

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Die Diskussion ist geschlossen.

24.06.2019

Die Rückkehr der DDR in Tirol. Ja nicht die Transitautobahn verlassen, sonst erwartet einen die Polizei.

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22.06.2019

Wenn man schon die Strassen sperrt, müssten dann zumindest die Mautpflichtigen Straßen kostenlos befahrbar sein. Dass hier die EU noch nicht reagiert hat, ist unverständlich.

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