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27.10.2017

G9 bleibt im Detail umstritten

Planung der Oberstufe wird verschoben

Über die Rückkehr zu einem neunstufigen Gymnasium (G9) in Bayern herrscht im Landtag zwischen allen Parteien zwar Einigkeit. Wichtige Detailfragen der inhaltlichen Ausgestaltung der neuen Schule sind aber nach wie vor offen oder heftig umstritten.

Erst im Frühjahr hatte sich die CSU nach jahrelangen internen Debatten zur Rückkehr zum G9 durchgerungen. Nun aber sei man bei den Vorbereitungen für die neue Schule, die im Herbst 2018 in den Klassenstufen fünf und sechs starten soll, „voll im Zeitplan“, bekräftigte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) im Landtag.

In der Tat ist die nötige Gesetzesänderung im Landtag auf dem Weg und wurde am Donnerstag vom zuständigen Bildungsausschuss einstimmig gebilligt. Auch die neue Stundentafel für die Klassen fünf bis elf wurde bereits zusammen mit den Schulverbänden erarbeitet. Der Lehrplan werde derzeit an die längere Lernzeit angepasst, wobei es weder eine „reine Stoffdehnung“ noch eine „einfache Auffüllung“ geben werde, so Spaenle. Und auch bei der Finanzierung sei man mit den für Schulgebäude und Ausstattung zuständigen Kommunen im Gespräch: Einen „mittleren dreistelligen Millionenbetrag“ werde der Freistaat aufwenden, damit am Ende für die neue Schule auch genügend Räume zur Verfügung stehen.

Wird also doch noch alles gut nach der quälend langen Debatte über die Zukunft von Bayerns Vorzeigeschule? Die Landtags-Opposition hat da so ihre Zweifel, vor allem was die inhaltliche Ausgestaltung des neuen Gymnasiums betrifft.

Zum Beispiel bei der Stundentafel: Biologie, Chemie und Geografie bekommen trotz des zusätzlichen Jahres keine Extra-Stunden – was bereits für mächtig Gegenwind sorgt. „Ein Lehrplan ist immer nur ein Kompromiss“, hält Spaenle dagegen. Kein Fach komme aber schlechter weg als bisher.

Grünen-Bildungsexperte Thomas Gehring warnt vor einem strukturellen Problem, wenn Spaenle neue Schwerpunkte in politischer Bildung, Informatik oder Naturwissenschaften setze, an der alten Fächerstruktur aber festhalte: „Wir müssen aus dem alten Kästchendenken herauskommen“, fordert Gehring – mit mehr fächerübergreifendem Lernen etwa.

Auch die SPD stößt sich an vermeintlich alten Bildungszöpfen in der neuen Schule: Vernetztes Lernen, Eigenarbeit oder Ganztagskonzepte müssten in den Schulalltag integriert werden, „sonst werden wir das Gymnasium nicht zukunftsfest machen“, glaubt der Schulpolitiker Martin Güll.

Völlig offen ist noch die Ausgestaltung der „Überholspur“ rund um die elfte Klasse sowie die Gestaltung der neuen Oberstufe. Letzteres erklärt Spaenle mit aktuellen Plänen der deutschen Kultusminister, das Abitur zwischen den Bundesländern vergleichbarer zu machen. Der Minister will deshalb erst abwarten, ob sich die „Landschildkröte“ der deutschen Bildungspolitik hier tatsächlich bewegt: „Es ist ja auch noch etwas Zeit, weil die neue Oberstufe erst 2023 einsetzt.“

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