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Festspielhaus

29.06.2017

Ganz wie der „Kini“

Matthias Stockinger wird auch künftig in Füssen in die Rolle Ludwigs II. schlüpfen.
Bild: Hildenbrand, dpa

Wie einst der Märchenkönig lassen sich die Verantwortlichen in Füssen nicht von roten Zahlen beirren

Die märchenhaften Schlösser von Ludwig II. sollen künftig bei einer 3D-Show im Festspielhaus Füssen präsentiert werden. „Von roten Zahlen ließ er sich nicht beirren“, bewerben die Verantwortlichen des Theaters die visuelle Reise zu den Prachtbauten des „Kinis“. Dies könnte auch das Motto der neuen Festspielhausmannschaft gegenüber von Schloss Neuschwanstein sein. Denn nach drei Pleiten in der Vergangenheit geht es am Samstag mit dem Start des Sommerspielplans wieder los.

Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick:

Was wird künftig im Füssener Festspielhaus gezeigt?

Die 3D-Show soll zwar fast jeden Tag präsentiert werden, sie ist aber nur ein Programmpunkt am Rande. Das Musical „Ludwig²“ wird auch künftig der Schwerpunkt in dem 1350 Plätze umfassenden Theater sein, das in den 1990er Jahren eigens als Ort für ein Ludwig-II-Stück am Ufer des Forggensees gebaut wurde. „Das Haus braucht das Ludwig-Musical, und das Ludwig-Musical braucht dieses Haus“, sagt Investor Manfred Rietzler. „Mein Plan ist, das Musical jedes Jahr als die zentrale Veranstaltung zu sehen.“ Heuer wird das Stück vom 3. bis 27. August aufgeführt. Rietzler will dies 2018 ausbauen. Dann werde „Ludwig²“ im Sommer und im Dezember gezeigt.

Was wird neben dem Ludwig-Musical noch geboten?

Die neuen Verantwortlichen setzen auf eine bunte Mischung. Im Juli werden beispielsweise mehrfach das Musical „Ein Sommernachtstraum“ und ein Varieté-Abend gezeigt, im Februar 2018 hat sich Österreichs Pop-Legende Rainhard Fendrich angekündigt. Unternehmer Rietzler räumt aber ein, dass das aktuelle Programm nicht optimal sei. „Das ist nicht so perfekt, wie wir uns das vorstellen.“ Er verweist darauf, dass er das Theater Ende 2016 kurzfristig übernehmen musste und es wegen der in der Kulturbranche üblichen langen Planungszeiten schwierig gewesen sei, Produktionen zu verpflichten. „Ab 2018 sind wir dann im regulären Spielbetrieb.“ Hintergrund ist, dass es im vergangenen November zu einem Notverkauf gekommen war. Sonst wäre im Festspielhaus „das Licht endgültig ausgegangen“, wie es Insolvenzverwalter Marco Liebler damals sagte, da er noch nicht einmal mehr genug Geld hatte, um den Strom zu bezahlen. Das stillgelegte Theatergebäude hätte im Winter ohne Heizung möglicherweise massive Schäden davongetragen. Seit der Eröffnung vor 17 Jahren musste sich der Münchner Krisenmanager Liebler bereits dreimal mit Pleiten im Zusammenhang mit dem Festspielhaus beschäftigen.

Warum soll der Betrieb des Theaters nun erfolgreicher sein?

Rietzler verweist auf die hohen Schulden im zweistelligen Millionenbereich, die nach dem Bau des Festspielhauses einst den wirtschaftlichen Betrieb erschwerten. Diese Kosten gebe es nun nach der Insolvenz nicht mehr. „Zweitens fahren wir heute mit einer wesentlich schlankeren Struktur als damals in den Anfangsjahren.“ Deswegen sei er optimistisch, dass das neue Konzept nun „nachhaltig Erfolg haben“ werde. Der 56-Jährige setzt dabei nicht nur auf das Bühnenprogramm. Das Haus soll zudem für alle möglichen Veranstaltungen „von der kleinen Geburtstagsfeier bis zum großen Firmenevent“ vermietet werden. Auch die Gastronomie soll für den Erfolg sorgen: „Die ganze Anlage beinhaltet ja vier Restaurant- und Café-Bereiche.“

Was ist aus den Mitarbeitern nach der Insolvenz geworden?

Der Investor sagt, dass der bestehende Mitarbeiterstamm weitgehend übernommen worden sei. Zu den erfahrenen Kräften seien einige neue Beschäftigte hinzugekommen, erklärt Rietzler. „Insgesamt haben wir jetzt circa 20 festangestellte Mitarbeiter.“

Ist die letzte Insolvenz bereits endgültig abgearbeitet?

Nein. Bei Insolvenzen ist der Rechtsanwalt, der vom Gericht mit der Sanierung beauftragt wurde, häufig noch lange mit der Abwicklung des Altunternehmens beschäftigt, selbst wenn der neue Investor den Betrieb längst wieder aufgenommen hat. Doch im Fall des Füssener Theaters ist es insbesondere die Kriminalpolizei, die noch viel Arbeit hat. Denn die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten wegen Verdachts auf Insolvenzverschleppung, es gab deswegen auch Durchsuchungen. „Wir müssen umfangreiches Beweismaterial auswerten“, sagt Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. Wie lange die Ermittlungen noch dauern, könne noch nicht gesagt werden. Bislang hat die Staatsanwaltschaft auch nicht mitgeteilt, gegen wen sich der Verdacht konkret richtet. (dpa)

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