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Allgäu

14.05.2020

Hund in Füssen von Polizei erschossen: Das sagt die Besitzerin

Der Malinois ist die kurzhaarige Variante des Belgischen Schäferhundes.
Bild: Ronald Wittek, dpa (Symbol)

Plus In Füssen gab ein Polizist zwei Schüsse auf einen Hund ab, nachdem dieser ihn angefallen hat. Jetzt meldet sich die Besitzerin zu Wort.

Ein Hund fällt in einem Füssener Park einen Polizisten an, dieser erschießt das Tier. Diese Meldung hat in den vergangen Tagen für viel Aufregung im Allgäu und für zahlreiche Diskussionen in den sozialen Netzwerken gesorgt. Jetzt hat die Besitzerin des Tieres unserer Redaktion eine Stellungnahme geschickt.

Klar ist: Eine junge Frau saß mit ihrem neugeborenen Baby auf einer Bank, mit dabei war der Malinois der Familie. Zwei Polizisten in zivil waren ebenfalls in dem Park unterwegs. Dann rannte der Hund auf einen der Beamten zu, sprang diesen an. Kurze Zeit später war das Tier tot, es wurde von zwei Schüssen getroffen.

Besitzerin bezweifelt die Verhältnismäßigkeit des Polizeiverhaltens

„Ich gehe davon aus, dass unsere Hündin uns beschützen wollte“, schreibt die Besitzerin jetzt. Laut Polizei hatte der Beamte zunächst versucht, das Tier wegzutreten. Die Besitzerin sagt: „Der Polizist ging dann ein paar Schritte zurück, daraufhin ging die Hündin mit und sprang erneut bellend auf seine Oberschenkel. Bellen ist ein Warnsignal bei Hunden. Sie hat jedoch zu keinem Zeitpunkt gebissen oder versucht zu beißen.“ Es habe sich um eine Drohgebärde gehandelt. Das Verhalten des Hundes sei zwar nicht korrekt gewesen, er habe aber Gefahr gewittert. Dass der Polizist daraufhin schoss, sei nicht verhältnismäßig gewesen. Es habe keine vorherige Warnung oder gar einen Warnschuss gegeben.

Zudem fragt sie, warum der zweite Polizist nicht eingegriffen hat. „Mir wurde nicht die Möglichkeit gegeben, den Hund von dem Mann wegzuziehen“, sagt die Besitzerin. Sie sei sofort hinzugeeilt und nur noch wenige Meter entfernt gewesen. Außerdem ist sie der Meinung: „Die Tötung eines Tieres ist die allerletzte Möglichkeit. Es hätten andere mildere Mittel eingesetzt werden können, die nicht ein so großes Leid verursacht hätten.“

Füssener Polizeichef verteidigt seinen Mitarbeiter

Der Füssener Polizeichef Edmund Martin verteidigt das Vorgehen seines Mitarbeiters. Die Schüsse „waren das einzige probate Mittel, um die Gefahr abzuwehren.“ Der Hund habe versucht zu beißen, auch herrsche in dem Park Leinenpflicht.

Im Rahmen der Ausbildung und auch später gebe es regelmäßig Schulungen, wie mit aggressiven Hunden umzugehen ist, sagt Holger Stabik, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Rein rechtlich sind Tiere mit Sachen gleichgestellt. Geht von einer Sache Gefahr aus, kann ein Beamter diese mit unmittelbarem Zwang, also beispielsweise mit Pfefferspray, einem Schlagstock oder eben der Schusswaffe, abwehren. Das sei durch das Polizeiaufgabengesetz geregelt, sagt Stabik. Beamte in Zivil hätten aber oft nicht alle diese Gegenstände bei sich. Zudem gelte es in solchen Situationen, schnell zu reagieren und das richtige Mittel auszuwählen.

Schäferhund erschossen: Hätte ein Warnschuss abgegeben werden müssen?

Vor Gebrauch einer Schusswaffe muss laut Stabik zunächst eine Warnung ausgesprochen, dann ein Warnschuss abgegeben werden – wenn die Waffe gegen einen Menschen gerichtet ist. Im Falle eines Hundes sei ein Warnschuss nicht zielführend. Und um den Halter vorwarnen zu können, müsse „dieser als Adressat erkennbar und ansprechbar“ sein. Laut Martin war die Besitzerin in Füssen über 20 Meter entfernt.

Mittlerweile haben sich weitere Zeugen gemeldet, die ihre Erfahrungen mit dem Hund geschildert haben, sagt Martin. Auch diese Aussagen seien Gegenstand der Ermittlungen und würden im Anschluss an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergegeben. „Nun obliegt die Bewertung des Ereignisses der Staatsanwaltschaft“, schreibt auch die Besitzerin.

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Die Diskussion ist geschlossen.

14.05.2020

.

" .... andere mildere Mittel ....." ?

Vielleicht

"du , du ...das darfst du nicht" und als Friedens-

pfeife ein "Leckerli" anbieten?

.

Permalink
14.05.2020

Man könnte die (edit/mod/Ausdrucksweise) ja auch wegen versuchter fahrlässiger Körperverletzung belangen...

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14.05.2020

Ich kann zwar nicht beurteilen ob der Schuss vermieden hätte werden können. Aber ein Hund muss entweder auf Zuruf sofort kommen oder er bleibt eben an der Leine. Zudem scheint hier sogar Leinenzwang zu bestehen. So leid mir das Tier tut, das durch die Unvernuft der Halterin sein Leben lassen musste, so wenig Mitleid habe ich mit den Besitzern. Auch das Argument, dass der Hund sie beschützen wollte ist einfach haltlos. Zum Einen kann ein Hund der angeleint neben dem Halter, ist ebenfalls diesen beschützen, denn eine Gefahr besteht ja nur, wenn dieser angegriffen wird und zudem kann ich dann die Leine auch loslassen. Zum Anderen, welche Gefahr geht von Fußgängern aus, die 20 m entfernt sich befinden? Also dieses Argument ist ebenfalls nicht nachvollziehbar.
Das Tier musste leider sein Leben lassen und das alles nur durch die Dummheit der Halterin. Laut der Aussage der Halterin war sie bereits auf dem Weg um den Hund wegzuziehen, aber wenn dieser aggressiv im Angriffsmodus war kann man auch verstehen, dass die angegriffene Person nicht warten will, ob sie gebissen wird oder der Halter noch rechtzeitig dazu kommt, wobei sich das Tier aber trotzdem noch verbeißen kann. Offensichtlich hat es in der Hundeerziehung erhebliche Mängel gegeben.

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