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Streik in München

25.06.2013

Hungerstreik: Asylbewerber trinken nun auch nichts mehr

Mehrere Flüchtlinge protestieren derzeit in München mit einem Hungerstreik für die Anerkennung ihrer Asylanträge.
Bild: Marc Müller, dpa

Die streikenden Asylbewerber in der Münchner Innenstadt erhöhen den Druck auf die Behörden. Etwa 70 Demonstranten wollen nun nicht nur hungern, sondern auch nichts mehr trinken.

Der Hungerstreik der Asylbewerber hatte am Samstag nach einer genehmigten Demonstration durch die Münchner Innenstadt begonnen. Ein Teil der Demonstranten ließ sich nach deren Ende auf dem Münchner Rindermarkt nahe des Marienplatzes nieder und lebt dort in provisorischen Zelten. Nun wollen sie den Druck auf die Behörden mit drastischen Mitteln erhöhen: "Wir werden nun auch nichts mehr trinken", sagte ein Sprecher der streikenden Asylbewerber am Dienstag. "Wir sind uns bewusst, dass wir unser Leben und unsere Gesundheit riskieren. Die Verantwortung dafür liegt bei den deutschen Behörden."

Kinder beteiligen sich nicht am Hungerstreik

Die Zahl der in einen "trockenen Hungerstreik" getretenen Menschen bezifferte ein weiterer Sprecher auf etwa 70, darunter auch Asylbewerber aus der Unterkunft in Neuburg an der Donau. Die drei Kinder der Gruppe beteiligten sich nicht an dem Hungerstreik.

Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) kündigte ein Gespräch aller beteiligten Behörden und Ministerien mit den Asylbewerbern an. Dazu werde sie die Regierung von Oberbayern einladen. Deren Sprecher sagte, es werde nach einem Termin an diesem Mittwoch gesucht.

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Protest gegen menschenunwürdige Lebensumstände

Die Asylbewerber unter anderem aus Bangladesch, Pakistan, Myanmar, Syrien und Afghanistan protestieren mit ihrer Aktion gegen die ihrer Meinung nach menschenunwürdigen Lebensumstände in bayerischen Asylbewerberheimen und fordern eine sofortige Anerkennung als politisch Verfolgte.

SPD und Grüne forderten Haderthauer in einem offenen Brief zum Handeln auf. Die Menschenwürde von Flüchtlingen müsse endlich respektiert und ihre Lebensbedingungen müssten verbessert werden, verlangten die Münchner SPD-Abgeordneten Isabell Zacharias und Hans-Ulrich Pfaffmann. Sie wollten "an die Menschlichkeit und das soziale Gewissen der Ministerin appellieren", erklärten sie - und forderten eine Abschaffung der Residenzpflicht, der Essenspakete und des Arbeitsverbots für Asylbewerber.

Christine Haderthauer weist Kritik zurück

Simone Tolle (Grüne) sagte: "Man kann diese Menschen doch nicht wortwörtlich am ausgestreckten Arm verhungern lassen." Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat betonte, dass die Situation jetzt eskaliere, sei kein Wunder.

Haderthauer wies die Kritik zurück. "Bedauerlich ist es, wie die Hoffnungen der Asylsuchenden von SPD und Grünen für ihre parteipolitischen Zwecke instrumentalisiert werden. Hier wird bewusst Desinformation betrieben, was die Rechtslage und Zuständigkeiten angeht", sagte sie. dpa/lby

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