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Corona-Kritik

20.05.2020

Immenstädter Pfarrer distanziert sich von Verschwörungstheorien

In Immenstadt gab es einige Aufregung, nachdem der dortige Pfarrer einen umstrittenen Corona-Brief unterzeichnet hatte.
Bild: Peter Kneffel, dpa (Symbol)

Plus Helmut Epp zieht seine Unterschrift unter einem Aufruf zurück, der in der Corona-Krise „Mächte der Finsternis“ am Werk sieht. Welchen Unmut er ausgelöst hat.

In dem neuesten Pfarrboten der Immenstädter Pfarrgemeinde St. Nikolaus distanziert sich Pfarrer Helmut Epp von dem Schreiben von Erzbischof Carlo Maria Viganò und erklärt: „Das Recht auf freie Meinungsäußerung, das mir wichtig ist, hat mich zur damaligen Unterschrift bewogen. Diese habe ich offiziell wieder zurückgenommen.“ Der Leiter der Pfarreiengemeinschaft Immenstadt betont des Weiteren: „Unserem ernannten Bischof Bertram Meier und Bischof Rudolf Voderholzer bin ich dankbar, dass auch sie sich klar gegen dieses Papier positionieren.“

Mit dieser Veröffentlichung reagiert Pfarrer Helmut Epp auf Kritik an seinen Äußerungen über und seiner Unterschrift unter einen Aufruf von Erzbischof Carlo Maria Viganò.

Der ehemalige Apostolische Nuntius in den USA, Carlo Maria Viganò, deutet in seinem Aufruf an „alle Menschen guten Willens“ staatliche Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus als den Versuch, eine „verabscheuungswürdige technokratische Tyrannei“ aufzubauen und bedient damit Verschwörungstheorien, wie sie derzeit bei manchen Menschen auf fruchtbaren Boden fallen. „Mächte der Finsternis“ strebten eine Weltregierung an. Auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der von Papst Franziskus entlassene Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, hatte das Papier unterzeichnet.

Immenstädter Pfarrer distanziert sich von Verschwörungstheorien

Unterschrift des Pfarrers aus Immenstadt löste Unverständnis aus

In der Pfarrgemeinde Immenstadt löste Helmut Epps Unterstützung dieses Papiers „Unverständnis“ und „Unmut“ aus. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Wolfgang Lache wurde von Mitgliedern der Pfarrgemeinde und Mitgliedern der Diözese darauf angesprochen, wie er erzählt. Er habe noch am selben Tag – zusammen mit dem Kirchenpfleger – das Gespräch mit dem Pfarrer gesucht, ihn offen und gesprächsbereit gefunden und bei der zweistündigen Unterredung den Eindruck gewonnen, dass er kritikfähig sei.

Als Vorsitzender des Pfarrgemeinderats habe er klar gesagt, erklärt Wolfgang Lache, dass er von solchen Verschwörungstheorien nichts halte und auch die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen differenziert beurteilt werden müssen, da sich Randgruppen und Extremisten von Rechts und Links unter den Teilnehmern befinden, wie die Medien berichteten.

Helmut Epp sei ein Pfarrer, sagt Wolfgang Lache, zu dem man unterschiedliche Positionen einnehmen könne. Ein Pfarrer, der „wahrscheinlich konservative Werte pflege“. Die einen finden es gut, was er mache, andere reiben sich an ihm. Das sieht auch Pfarrgemeinderatsmitglied Dr. Christoph Treutwein so. Er hält Pfarrer Helmut Epp für einen „tiefreligiösen Menschen“. Solche Haltung könne aber auch dazu führen, dass man über das Ziel hinausschieße.

Umstrittene Corona-Kritik: Pfarrgemeinderat fürchtet Spaltung der Gemeinde

Das könne zu einer Spaltung innerhalb der Gemeinde führen, zu jenen, die sich wie Kardinal Müller und Erzbischof Viganò als die „Rechtgläubigen“ verstehen, und die lieber auf eine kleine Kirche setzen, als viele mitnehmen zu wollen, und jene, die – im Sinne von Papst Franziskus – den Aufbruch in eine neue Kirche suchen, in der viele Menschen ein Zuhause finden. Christoph Treutwein weiß, dass sich schon Gemeindemitglieder mit ihren Sorgen an das Ordinariat in Augsburg gewendet haben. Das bestätigt auch Wolfgang Lache. Er sagt, Pfarrer Epp versuche aber schon, auch neue Wege zu gehen.

Pastoralreferent Benno Driendl, der in der Trauerbegleitung, der Krankenhaus- und Notfallseelsorge arbeitet, wünscht sich eine generelle Diskussion, wie man Gemeinde sehe, wie attraktiv und offen sie sein solle. Bei seiner Arbeit habe er die Erfahrung gewonnen: Die Menschen haben „eine Sehnsucht, ihr Leben heil zu machen“. Jeder Mensch habe dabei einen anderen Zugang zu Gott. Deshalb bedürfe es eines breit gefächerten Angebotes, um den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden: Man dürfe nicht immer nur auf Höchstleistung setzen, sagt Benno Driendl, also die Eucharistiefeier. Es müsse auch Segnungsgebete, Meditationen, Exerzitien im Alltag, Wort-Gottes-Feiern oder Taizé-Gebete geben. Engagierte Mitglieder der Pfarrgemeinde möchten sich dabei einbringen. Dieses Charisma gelte es zu fördern. Solche Angebote dürften dabei nicht als Notlösung verstanden werden, sondern als Selbstverständlichkeit, um dem christlichen Auftrag der Verbreitung der Frohen Botschaft gerecht zu werden.

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