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Interview
07.09.2017

Konstantin Wecker: Was Italiener von Bayern lernen können

Immer wenn Liedermacher Konstantin Wecker in Italien ist, ist er besonders kreativ.
Foto: Lino Mirgeler, dpa

Seit 40 Jahren besitzt Liedermacher Konstantin Wecker ein altes Bauernhaus in der Toskana. Im Interview spricht er über seine Liebe zu Italien und Gemeinsamkeiten mit Bayern.

Herr Wecker, können Sie sich vorstellen, warum wir gerade mit Ihnen über dieses Thema sprechen wollen?

Konstantin Wecker: Ja, natürlich kann ich mir das vorstellen. Ich habe schließlich eine fast lebenslange Verbundenheit zu Italien. Seit 40 Jahren habe ich in der Toskana ein Haus.

Wie kam es dazu?

Wecker: Ich wollte damals einfach mal in die Toskana und habe mir dort zuerst ein Haus gemietet. Aber schon am zweiten Tag hat jemand gesagt, da gäbe es ein altes Bauernhaus zu kaufen. Und jetzt, vor ein paar Tagen, habe ich die Schriftstellerin Claretta Cereo wieder getroffen, die mir damals das Haus verkauft hat. Sie hat es mir nochmals bestätigt: Ich hätte mir es angeschaut und sofort gesagt: Das kauf’ ich!

Liebe auf den ersten Blick?

Wecker: Ja, das war es. Meine Liebe zu Italien ist freilich schon viel älter, die war sozusagen immer schon da. Mein Papa war ja Opernsänger und ich bin mit den herrlichen Melodien von Verdi und Puccini groß geworden.

Wie viel Italien abseits der Musik findet denn Konstantin Wecker in Bayern?

Wecker: Das Italienische in Bayern war immer offensichtlich. Es heißt ja, dass München die nördlichste Stadt Italiens sei. Und da ist viel Wahres dran: Italienische Baumeister haben München unter anderem zu dieser schönen Stadt gemacht, dazu die Biergartenkultur und die fast südländische Art und Weise, wie man in München miteinander umgeht. Das ist schon richtig schön. Es gibt natürlich auch hier – wie überall – etwas zu kritisieren, keine Frage. Aber ich mag die Stadt bis heute sehr, sehr gerne. Es ist eine lebensfrohe, offene und tolerante Stadt. Bei uns hat Pegida wenig Chancen. Und wenn immer wieder über die vielen Schickis gelästert wird, muss ich sagen: Die gibt es überall. Und es zwingt einen ja keiner, ins P1 zu gehen.

"Die legendäre Gemütlichkeit, die man in Bayern antreffen kann"

Was können die Bayern sich von den Italienern abschauen?

Wecker: Wie man gute Opern schreibt. Wir haben zwar auch unseren Carl Orff, dessen Schüler ich ja sein durfte. Der konnte das auch. Aber der hat sich viel von den Italienern abgeschaut. Kurz vor seinem Tod hat er mir gestanden, dass er, wie ich, ein großer Puccini-Fan war. Er habe viel von seiner letzten Oper Turandot gelernt. Das hätte man bei Orff erst mal gar nicht vermutet.

Liegt es am Hang der Italiener zum Dramatischen, dass italienische Opern so wunderbar sind?

Wecker: Nicht nur das. Ich habe immer einen schönen Vergleich zwischen Richard Wagner und Giuseppe Verdi parat. Beide sind 1813 geboren. Wagner-Opern sind bei aller Genialität, die man ihm zugestehen muss, auch wenn man ihn nicht mag, immer zu lang. Dieses dramaturgische Geschick, Gefühle auf den Punkt zu bringen. Das haben die Italiener, anders als die Deutschen.

Was könnten sich die Italiener von den Bayern abschauen?

Wecker: Na ja, ich meine, eines ist klar: In Italien herrscht in Wirtschaft und Politik geradezu eine Korruptionssucht. Das ist in Bayern ähnlich. Was da mit der CSU geschoben und gemauschelt wird mit Bauaufträgen und so. Das ist zwar keine Antwort auf die Frage, aber in diesem Punkt ist Bayern auch ganz schön italienisch. Vielleicht diese legendäre Gemütlichkeit, die man in Bayern immer noch antreffen kann, die täte sicher auch manchen Italienern ganz gut.

Haben Sie ein italienisches Lieblingsrestaurant?

Wecker: Ich bin sehr gerne am Erich-Mühsam-Platz in Schwabing beim Bibulus. Da muss man mal gewesen sein. Da können übrigens die Italiener auch von den Bayern lernen: Die beste cucina italiana habe ich in München gefunden.

Wie sieht es denn musikalisch aus. Gibt es da Parallelen zu Italien?

Wecker: Ich habe auch auf meiner neuen CD „Poesie und Widerstand“ drei italienische Lieder. Die haben alle mit meiner eigenen italienischen Geschichte zu tun. Vor über 20 Jahren habe ich mit dem bekannten italienischen Musiker Lucio Dalla das Lied „Stirb’ ma ned weg“ aufgenommen. Ich bin dafür nach Bologna gefahren, um es mit ihm einzusingen. Das war genau der Tag, an dem Dalla erfahren hat, dass Pavarotti sein Lied „Caruso“ singt. Und zu „Caruso“ habe ich einen deutschen Text gemacht. Das Lied habe ich für mein Album mit Pippo Pollina und der Opernsängerin Angelika Kirchschlager eingespielt.

Konstantin Wecker: In Italien überfallen ihn kreative Schübe

Schreiben Sie im Urlaub auch Lieder oder liegen Sie nur den ganzen Tag in der Hängematte?

Wecker: Eigentlich würde ich gerne in der Hängematte liegen, aber es geht dann doch nicht.

Warum?

Wecker: Weil mich meistens, wenn ich in Italien bin, kreative Schübe überfallen. In Deutschland bin ich ja als Interpret meiner eigenen Lieder unterwegs – in Italien fallen mir die meisten Gedichte und Lieder ein. Und ja, mittlerweile habe ich meinen Maulbeerbaum in Verdacht, dass er meine Gedichte schreibt.

Habe ich das richtig verstanden: der Maulbeerbaum?

Wecker: Ja, ich habe direkt vorm Fenster einen 250 Jahre alten Maulbeerbaum. Der ist sehr viel klüger als ich, der weiß sehr viel mehr. Der hat viel erzählt bekommen – von den Nord- und Südwinden, von den Schmetterlingen, von den Olivenbäumen, die neben ihm stehen. Und er schreibt eben auch sehr gute Gedichte. Und manchmal, wenn es ganz still ist und ich ihm ganz nah bin, flüstert er sie mir zu. Ich habe gerade wieder ein kleines Essay über Poesie geschrieben und dass Worte nur Symbole sind, über die niemand die Interpretations-Hoheit haben darf. Denn in dem Moment wird das Wort zur Parole.

Darum lieben Sie Gedichte?

Wecker: Genau. Schon meine Mama hat mir Gedichte vorgelesen – gar nicht aus pädagogischen Gründen, sondern aus Liebe zur Sprache. Mittlerweile weiß ich, dass ich Poesie so mag, weil sie einen lehrt, dass man nichts zu Ende interpretieren kann. Ein Rilke-Gedicht, das ich mit 18 gelesen habe, lese ich heute mit gleicher Freude, doch es ist ein anderes Gedicht, obwohl es die gleichen Worte sind.

So, fast am Ende. Wie findet man jetzt aus solch einer italienisch-bayerischen Verstrickungen am besten raus?

Wecker: Weiß ich auch nicht. Eines fällt mir aber seit 30 Jahren auf. Trotz aller Korruption und Skandale kriegen es die Italiener immer irgendwie trotzdem noch hin. Ich hoffe, nachdem wir Berlusconi überstanden haben, dass sich in Italien wieder eine starke Linke entwickelt.

Den Gefallen wird Ihnen die CSU in Bayern so schnell nicht tun...

Wecker: Wahrscheinlich nicht. Man darf einen bekennenden Linken wie mich ja sowieso nicht nach der CSU fragen. Aber das ist auch so eine Geschichte. Man kann miteinander reden, selbst wenn man völlig unterschiedlicher Meinung ist. Es gibt zum Beispiel sehr wertkonservative CSU-ler, die ein großes Kunstverständnis haben. Ich werde nie vergessen, wie ich vor über 35 Jahren im Flugzeug neben einem netten Herrn im Anzug saß, mit dem ich mich wunderbar über Opern unterhalten habe. Und am Ende habe ich zu ihm gesagt: Lass uns doch mal zusammen telefonisch verabreden! Da hat er geantwortet: „Ich glaube, Herr Wecker, das wollen Sie nicht, weil ich im Landtag CSU-Abgeordneter bin...“

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