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Justiz
06.08.2018

„Oma Ingrid“ soll wieder gestohlen haben

Ingrid Millgramm erlangte als „Oma Ingrid, die vor Hunger klaute“ eine fragwürdige Bekanntheit.

Heute steht die 84-Jährige erneut wegen Ladendiebstahls vor Gericht. Muss sie wieder ins Gefängnis?

„Ich werde bestimmt nie wieder etwas stehlen“, hatte Ingrid Millgramm versichert, nachdem sie zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war. Das war im Oktober des vergangenen Jahres, bevor sie ihre Haftstrafe in der Memminger Justizvollzugsanstalt antreten musste: „Ich habe vor Hunger gestohlen, und dafür schäme ich mich heute zutiefst“, so die Bad Wörishoferin damals, als auch ihre letzte Hoffnung auf einen „Gnadenerlass“ zerplatzt war.

Ingrid Millgram musste ins Gefängnis, weil sie mehrfach wegen Ladendiebstahls verurteilt worden war. Erstmals wurde sie im Frühjahr 2013 erwischt, als sie Hackfleisch mitgehen ließ. Danach wurde sie mehrfach ertappt: Auf insgesamt 84,65 Euro summierten sich am Ende all die Waren, die sie gestohlen hatte. Nach mehreren Geld- und Bewährungsstrafen musste sie dann Ende des vergangenen Jahres sogar einen Teil ihrer Strafe im Gefängnis absitzen. Am 25. Oktober trat sie ihre Haft an. Zu fünf Monaten Haft war sie im September 2016 verurteilt worden, ihre Rechtsanwältin hatte noch versucht, beim Landgericht eine Haftstrafe zu verhindern, konnte aber auch hier die Strafe nicht gänzlich abwenden, lediglich das Gesamturteil reduzieren.

55 Tage und 15 Stunden saß Ingrid Millgramm, die als „Oma Ingrid, die vor Hunger klaute“ bundesweit in den Schlagzeilen war, dann in einer Doppelzelle der Memminger Justizvollzugsanstalt, ehe sie kurz vor Weihnachten entlassen wurde, nachdem sie zwei Drittel ihrer dreimonatigen Gefängnisstrafe verbüßt hatte.

Und dann dieser Moment, vor einigen Wochen, als sie in einem Verbrauchermarkt in Bad Wörishofen an der Kasse steht, ihre Waren aus dem Korb auf das Band legt, bezahlt. Und als dann plötzlich ein Mitarbeiter vor ihr steht, sie zur Seite nimmt und ihr vorwirft, Haarklammern, Sahnesteif und Kosmetika geklaut zu haben. Ingrid Millgramm fällt aus allen Wolken und beteuert immer wieder, dass sie diese Sachen bestimmt nicht gestohlen habe.

Es folgt eine Anzeige, das Strafverfahren – und jetzt der neue Prozesstermin. Da sie immer noch unter Bewährungsauflagen steht, könnte das für Ingrid Millgramm bedeuten: Sie muss vielleicht wieder ins Gefängnis. Und diesmal droht ihr sogar noch eine weitaus härtere Strafe. Die noch offenen Bewährungszeiten aus den vorherigen Urteilen summieren sich nach Auskunft eines Gerichtssprechers schon jetzt auf insgesamt sieben Monate Haft – und wenn sie heute erneut verurteilt werden sollte, dann kommt noch eine weitere Strafe obendrauf.

Im bevorstehenden Prozess werde wohl auch erneut die Frage gestellt, ob die 84-Jährige überhaupt noch schuldfähig ist. Ein Gutachter des Gerichts hatte schon im vergangenen Sommer ein dementsprechendes medizinisches Gutachten erstellt und der 84-Jährigen Haftfähigkeit bescheinigt.

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