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Kriminalität
13.06.2017

Tötete er wirklich, weil ihm der Sex zu teuer war?

In Nürnberg wurden zwei Prostituierte in kurzer Zeit ermordet.
Foto: dpa

Gut zwei Wochen sucht die Polizei nach einem Prostituiertenmörder in Nürnberg. 21-Jähriger gesteht nun

Es ist ein schneller Fahndungserfolg für die Soko „Himmel“. Viele Morde an Prostituierten werden niemals aufgeklärt oder erst nach langer Zeit. Im Fall der beiden in Nürnberg getöteten Sexarbeiterinnen sitzt der mutmaßliche Täter gut zwei Wochen nach der ersten Tat bereits in Untersuchungshaft. Am Freitag klickten die Handschellen in der Nürnberger Innenstadt.

Zunächst gibt Felix R. nur zu, in den sogenannten Modellwohnungen der Frauen gewesen zu sein. Am Samstag legt der arbeitslose Nürnberger aber ein umfassendes Geständnis ab – zweieinhalb Stunden berichtet er den Ermittlern in allen Details, wie er am 24. Mai eine 22-jährige rumänische Prostituierte und wenige Tage später, am Pfingstmontag, eine 44 Jahre alte Chinesin umbrachte. „Er wollte sich ganz offenbar erleichtern“, erläutert Soko-Leiter Michael Dietsch, wie es zu dem Geständnis kam. Als Motiv gibt Felix R. Streit um die Bezahlung der Frauen an. Mit beiden hatte er vor den Taten Sex, wie Dietsch sagt. „Wir werden das Motiv natürlich kritisch überprüfen“, betont Oberstaatsanwalt Alfred Huber.

Den Ermittlern bot sich an den Tatorten ein schreckliches Bild: Beide Frauen lagen erdrosselt und gefesselt auf dem Rücken in ihren Betten. Das erste Opfer fesselte Felix R. mit Mullbinden, das zweite mit einem Wäschestück. Er hatte beide Wohnungen in Brand gesteckt, um seine Spuren zu vernichten. Todesursächlich sei definitiv nicht das Feuer, sondern die Strangulation des Halses gewesen, sagt der mittelfränkische Polizeipräsident Johann Rast. Die Soko „Himmel“ ging schnell davon aus, dass es sich wegen des gleichen Vorgehens um ein und denselben Täter handelte. Mit einer Großfahndung suchte die Polizei nach dem Doppelmörder. Rast spricht von einer „schwierigen Spurenlage“, weil das Feuer in den Wohnungen viel zerstörte. Kurz nach der ersten Tat gerät ein anderer Mann in Verdacht. Als seine Unschuld feststeht, werden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt.

Erst die zweite Tat führt die Ermittler der 30-köpfigen Sonderkommission auf die richtige Spur: Die Beamten finden das Mobiltelefon der Getöteten in ihrer Wohnung. Spezialisten gelingt es, die Verbindungsdaten auszulesen. Felix R. hatte die Sexarbeiterinnen über dieselbe Internetseite kontaktiert. Während mehrere Dutzend Polizisten am Freitag an 240 bordellartigen Einrichtungen in Nürnberg noch einen Fahndungsaufruf in fünf verschiedenen Sprachen verteilen und auf neue Hinweise hoffen, steht die Soko kurz danach vor dem Durchbruch: „Wir waren uns aufgrund der Auswertung des Mobiltelefons und der Spurenlage sehr sicher, dass wir den richtigen Mann haben“, sagt Dietsch. Eine Stunde lang wird Felix R. am Freitag observiert. Von einer U-Bahn Station geht er in einen Spieleladen. Spezialeinheiten greifen dort gegen 17.40 Uhr zu. R. lässt sich widerstandslos festnehmen. Er ist für die Polizei kein Unbekannter: Er hat Diebstähle begangen, wegen Körperverletzung im familiären Umfeld wurde er zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt. Im Rotlichtmilieu sei er aber noch nie aufgefallen. Dennoch wollen die Ermittler nun prüfen, ob auf das Konto des Mannes, der in Nürnberg in einer Art Gemeinschaftsunterkunft lebte, weitere Straftaten gehen könnten. Roland Beck, dpa

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