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Kluftinger

03.12.2013

Kritik an "Seegrund"-Verfilmung: Ist der Allgäuer wirklich so doof?

Viele Kluftinger-Fans waren von der Verfilmung von "Seegrund" enttäuscht, etliche sogar verärgert.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Nach der Ausstrahlung des Kluftinger-Krimis „Seegrund“ gehen die Fans auf die Barrikaden. Einheimische fühlen sich falsch dargestellt.

„Übertrieben doof“, „einfach nur Schrott“ und vor allem „eine Schande fürs Allgäu“: Viele Zuschauer der Kluftinger-Verfilmung „Seegrund“ am vergangenen Donnerstag im Ersten freuten sich nach dem Ende des Krimiabends nicht über den erfolgreich gelösten Fall, sondern regten sich im Internet über die Maßen auf. Leserbriefe in unserer Zeitung, Kommentare auf der Webseite der Augsburger Allgemeinen und Einträge im sozialen Netzwerk Facebook sprühen nur so vor Wut.

Kritik an Kluftinger-Verfilmung: "Eine Zumutung"

„Diese Verfilmung war eine Zumutung“, schreibt ein Internet-Nutzer: „Filmmusik katastrophal, Kameraführung viel zu unruhig und die Figuren vollkommen überzogen gespielt.“ Am meisten ärgern sich diejenigen über den Film, denen die Kluftinger-Krimis Aufmerksamkeit in ganz Deutschland beschert haben: die Allgäuer. „Für wie blöd möchte man uns Allgäuer dem übrigen deutschen Volk denn zeigen?“, fragt ein Leserbriefschreiber.

Volker Klüpfel und Michael Kobr- Wogen glätten

Das Autorenduo der Romanvorlage, Volker Klüpfel und Michael Kobr, waren gestern für eine Stellungnahme zur harschen Kritik an der Verfilmung nicht erreichbar. Auf ihrer Facebook-Seite „Kluftinger-Krimis“ aber bemühten sich die beiden Autoren, die Wogen zu glätten: „Vielen, vielen Dank für eure so zahlreich und deutlich geäußerten Meinungen zur Verfilmung“, schreiben Klüpfel und Kobr in einem Eintrag vom Montag. Weiter heißt es dort: „Ihr könnt euch auch sicher sein: Eure Kritik wird nicht ungehört verhallen. Wir nehmen sie ernst, werten sie aus, machen uns Gedanken darüber und werden mit den Film-Verantwortlichen darüber in einen Dialog treten.“ Die Kluftinger-Autoren am Tatort "Grüne Couch"

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Für Magnus Peresson kommt dieser Dialog zu spät. Der Chef des Historischen Vereins Alt-Füssen hat den Film wie mehr als vier Millionen weitere Zuschauer gesehen – und ist alles andere als erfreut: „Was ein Hamburger jetzt wohl über uns Allgäuer denkt?“

Sagen aus der Heimat „einfach verwurstet“

Zwar freue er sich, dass die Schönheit der Landschaft im Film zur Geltung komme, die Darstellung selbst beurteilt Peresson aber als „absoluten Absturz in die Bodenlosigkeit“. Der Allgäuer an sich werde als minderbemittelt dargestellt. „Hier wurde eine riesige Chance vergeben“, sagt der Historiker und Architekt. Er beschäftigt sich viel mit den Sagen seiner Heimatregion, doch in „Seegrund“ seien sie „einfach verwurstet“ worden.

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Die Fälle des Kommissar Kluftingers
Bild: dpa

 Auch an der Spannung habe es im Film völlig gefehlt, sagt Peresson. „Das war überwiegend Klamauk.“ Auch Füssens Tourismus-Chef Stefan Fredlmeier ist nicht begeistert. Er hat den Film noch nicht gesehen, aber die negativen Reaktionen missfallen ihm. „Wenn sich die Allgäuer nicht richtig präsentiert fühlen, ist das nicht schön. Ein Film gibt ja immer eine Visitenkarte einer Region ab.“ Ernsthafte Bedenken, dass das Allgäuer Image Schaden genommen habe, hat Fredlmeier allerdings nicht. „Man darf den Film nicht überbewerten und das Ganze nicht so verkrampft sehen.“

ARD nimmt Reaktionen locker

Relativ locker sieht auch die ARD die Reaktionen auf die Romanverfilmung. Hatten den Anfang des Krimis noch 16 Prozent der Fernsehzuschauer gesehen, waren es am Ende nur noch elf Prozent. Ein „dramatischer Abfall“ sei das aber nicht, betont Petra Putz, stellvertretende Leiterin der Zuschauerredaktion. Auch die Kritik der TV-Nutzer habe sich nur auf einzelne Aspekte in „Seegrund“ bezogen. Einige Zuschauer hätten sich darüber aufgeregt, dass die Füssener Gastkommissarin Friedel Marx zu viel rauche, sagt Pau. „Andere beklagten sich, dass zu viel Dialekt gesprochen werde.“

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