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Prozess in Ingolstadt

30.06.2017

Kurzurlaub oder Horrortrip? Mann war mit Frau in Osteuropa unterwegs

Vor dem Landgericht Ingolstadt streiten ein Mann und eine Frau darüber, ob ein Trip nach Osteuropa einvernehmlich war. Sie wirft ihm Entführung und Vergewaltigung vor.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Ein 47-Jähriger soll eine Frau verschleppt und mehrfach vergewaltigt haben. Er streitet das ab, stellt sich als Opfer dar. In Ingolstadt beginnt ein schwieriger Prozess.

Sie schildert einen Horrortrip, während dem sie aus dem Landkreis Eichstätt über Prag in die Slowakei verschleppt und vier Mal vergewaltigt wurde. Bis die Polizei sie schließlich nach vier Tagen im Frühstücksraum eines Hotels in Levcoa befreite.

Schwere Vorwürfe: Geiselnahme, Vergewaltigung, Körperverletzung

Sie sagt: "Ich habe versucht das auszuhalten, weil ich dachte meiner Familie passiert etwas." Er streitet alles ab und sagt: Sie lügt. Er habe sie und ihre Familie nicht mit dem Tod oder der Russenmafia gedroht. Sie habe ihn gewollt, und sein Geld. "Ich habe keine Fehler gemacht. In meinem Innern weiß ich, dass ich unschuldig bin. Und ich sitze jetzt schon seit einem Jahr."

Er, ein 47-jähriger Mann aus dem Landkreis Ansbach, muss sich seit gestern am Landgericht Ingolstadt verantworten. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt wirft ihm Geiselnahme, Vergewaltigung und Körperverletzung vor. Er soll sie, eine 55-jährige verheiratete Frau und Mutter, am 3. Mai vergangenen Jahres in seine Gewalt gebracht und sich an den folgenden Tagen mehrfach an ihr vergangen haben.

Kennengelernt hatten die beiden sich in einer Notschlafstelle in der Nähe von München. Sie hatte dort gearbeitet. Er habe ihr erzählt, so schilderte die Frau es vor Gericht, er habe eine Gartenbaufirma, habe einen Hof geerbt und erhalte darüber hinaus monatliche Entschädigungszahlungen in fünfstelliger Höhe, da er in der ehemaligen DDR misshandelt worden sei.

Wegen seiner schweren Kindheit und dem, was er alles habe erleben müssen, brauche er eine Betreuerin, eine Art Assistentin. Dass er trotz seines Geldes ab und zu in einer Notunterkunft übernachte, habe er damit erklärt, dass er sich immer mal wieder auch an sein früheres Leben erinnern wolle. Er hatte über Jahre immer wieder auch auf der Straße und von Gelegenheitsjobs gelebt.

Prozess am Landgericht: Angeklagter stellt sich selbst als Opfer dar

Man kam sich näher, die Frau ging auf sein Angebot ein und kündigte. Sie ließ sich von ihm anstellen. Er habe ihr einen Stundenlohn von 75 Euro und ein Dienstauto angeboten. Bevor Anfang Mai alles eskalierte, hatte sie ihn schon mehrere Tage quer durch Deutschland begleitet. Dabei habe er versucht, diverse geschäftliche Dinge auf die Reihe zu bringen. Nichts davon aber habe funktioniert. An jenem Abend des 3. Mai als sie schon eine ganze Weile wieder in vermeintlich geschäftlichen Dingen unterwegs waren, habe er sie im Auto schließlich überwältigt, gefesselt, geknebelt und auf die Rückbank gelegt.

Bevor die Fahrt Richtung Osten begann, habe man aber noch einen Stopp an einer Tankstelle in Abenberg gemacht. Dorthin kam dann seine frühere Geliebte. Die 64-Jährige ist wegen Beihilfe zur Freiheitsberaubung mitangeklagt. Er soll sie dorthin bestellt haben, damit sie beim Tanken auf die Gefesselte aufpasse. Seine Ex bestätigte, dass sie gesehen habe, dass der Mund der Frau mit "irgendetwas" verschlossen gewesen sei. Dass sie damals nicht die Polizei gerufen habe, belaste ihr Gewissen unerträglich.

Sie war früher bei der Heilsarmee, hatte über Jahre eine Beziehung mit dem Angeklagten und auch sein Leben auf der Straße geteilt. Sie sei an der Tankstelle der Überzeugung gewesen, dass ihr früherer Partner und seine neue "Betreuerin" ein Paar seien. Und sie habe ihm noch gesagt: "Mach keinen Scheiß."

Der Angeklagte sagte gestern lange und ausführlich aus. Er sieht sich als das Opfer von Lügen. Die 55-Jährige habe weg von ihrem Mann und der Familie und ein neues Leben mit ihm gewollt. Der Sex sei einvernehmlich gewesen.

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