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Coronavirus

18.03.2020

Längere Öffnungszeiten möglich: Wie die Supermärkte reagieren

Viel Platz: Die Corona-Angst wird in den deutschen Supermärkten durch leergekaufte Regale augenfällig.
Bild: Christoph Soeder, dpa

Plus Die Ladenschlusszeiten in Bayern wurden erweitert. Doch viele Supermärkte wollen Sie derzeit gar nicht anwenden. Wie außerdem die Mitarbeiter geschützt werden sollen.

Supermärkte sind in diesen Tagen besondere Ort. Egal ob für Hamsterkäufer, die die Regale leerräumen oder für den Rest der Bevölkerung. Die Läden stellen die Versorgung der Menschen im Land sicher und nun haben die Menschen theoretisch sogar noch mehr Zeit, um einkaufen zu gehen. Ministerpräsident Markus Söder verkündete in dieser Woche, dass die Supermärkte länger geöffnet haben können. Doch wie reagieren die Betriebe darauf?

Viele Supermärkte planen derzeit gar nicht, ihre Filialen länger zu öffnen. Eine Pressesprecherin der Rewe-Gruppe teilte auf Anfrage mit: "In Anbetracht der aktuellen Situation einer stabilen Warenversorgung sehen wir keine Notwendigkeit, die Öffnungszeiten unserer Rewe und Penny Märkte zu verändern."

Aldi und Kaufland planen nicht, am Sonntag zu öffnen

Auch die Märkte der Kette Feneberg werden nicht länger geöffnet haben, wie eine Sprecherin mitteilt: "Dies ist personell derzeit nicht möglich. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten bereits übermenschliches, um die Versorgung unserer Kundinnen und Kunden mit Lebensmitteln in einer ausreichenden Menge zu gewährleisten."

Längere Öffnungszeiten möglich: Wie die Supermärkte reagieren

Lidl, Kaufland und Aldi planen ebenfalls keine Verlängerung oder Ausweitung der Öffnungszeiten. Aldi teilte auf Anfrage mit, man trage eine hohe soziale Verantwortung gegenüber der Belegschaft. Für diese sei die "aktuelle Situation besonders arbeitsreich und belastend". Aus diesem Grund würden die Öffnungszeiten nicht verändert, um den Mitarbeitern Ruhepausen zu gönnen. In der Mitteilung von Aldi heißt es allerdings auch: "Wir beobachten die Lage aber genau und werden bei notwendigen Regulierungen seitens der Bundesregierung flexibel reagieren."

Edeka plant derzeit ebenfalls nicht, die Öffnungszeiten anzupassen, um die derzeitige Situation für die Mitarbeiter nicht zu verschärfen. Diese Empfehlung werde auch an die selbstständigen Einzelhändler weitergegeben, heißt es.

Ein Filialleiter sagt, er habe für so extreme Zeiten nicht genügend Mitarbeiter

Einer dieser Filialleiter führt ein Edeka-Geschäft in Schwaben. Der Mann, der anonym bleiben möchte, sagte unserer Redaktion, dass er zwar überlege, sein Geschäft am Sonntag für einige Stunden zu öffnen. Doch eigentlich sollen die Öffnungszeiten zunächst so bleiben wie sie sind. Der Filialleiter sagte: "13 Stunden Zeit zum Einkaufen reichen, wenn der Großteil der Bevölkerung nicht arbeiten geht."

Derzeit kommt es vielerorts zu Hamsterkäufen.
Bild: Ulrich Wagner

Denn bereits jetzt sei die Situation für sein Team sehr anstrengend und nicht ohne Überstunden zu schaffen. "Für normale Wochen habe ich genügend Mitarbeiter, aber nicht für so extreme Zeiten", schilderte er. Der Filialleiter möchte aber keine zusätzlichen Arbeitskräfte einstellen, da er nur langfristige Arbeitsplätze schaffen wolle.

Der derzeitige Ansturm auf Waren sei nicht lustig, sagt ein Filialleiter

Das Hamstern von Waren, wie es derzeit vielfach stattfindet, bezeichnet er als "extrem", es "ist nicht lustig". Mitarbeiter würden schon auch mal verbal angegangen. Körperliche Übergriffe habe es noch nicht gegeben. Wäre das der Fall, würde er die Person des Ladens verweisen.

Ganz grundsätzlich sagte er zu den längeren Öffnungszeiten: "Ich denke, dass das okay ist." Der Filialleiter vermutet: "Es wird darauf abzielen, dass in Zukunft nur noch weniger Leute gleichzeitig in den Laden gelassen werden und der Ansturm so bewältigt werden soll." 

Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales sagte dazu, dass derzeit keine Erkenntnisse zu weiter geplanten Maßnahmen aufgrund des Infektionsschutzgesetzes vorlägen. Das Ministerium teilte ebenfalls mit, dass die erweiterten Öffnungszeiten eine "Kann- und keine Mussbestimmung" darstellten. So sei es für die Einzelhändler möglich, auf den konkreten Bedarf der Bevölkerung zu reagieren.

Im Vorhinein war die Maßnahme laut Ministerium nicht mit den Beteiligten abgesprochen. Diese seien unmittelbar danach eingebunden worden. Das begründete eine Sprecherin mit der dynamischen Lage.

Wie die Mitarbeiter geschützt werden sollen

Auch wenn die genannten Unternehmen noch nicht ihre Öffnungszeiten verändern wollen, so haben die Mitarbeiter bereits jetzt besonders viel Kontakt zu ihren Mitmenschen. Daher ergreifen die Händler verschiedene Maßnahmen, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. Der Edeka-Filialleiter sagte, er habe hinsichtlich der Hygienemaßnahmen sensibilisiert, Mitarbeiter sollen sich regelmäßig die Hände waschen und sich nicht ins Gesicht fassen. An der Kasse gebe es Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel.

Schutzmaßnahmen ergreifen auch die anderen Lebensmittelhändler. Feneberg gab an, dass nun unter anderem Plexiglasscheiben an den Kassen angebracht und Abstandsmarkierungen auf dem Boden angebracht werden. Die Bar-Zahlung soll über Schalen abgewickelt werden, damit kein Handkontakt mehr besteht.

Eine Plexiglasscheibe wird in Dresden an einem Supermarkt angebracht. Kunden und Mitarbeiter sollen so vor dem neuartigen Coronavirus geschützt werden.
Bild: Robert Michael, dpa

Ähnliche Maßnahmen ergreifen auch die anderen Unternehmen. In den Märkten von Rewe und Penny sollen nach und nach durchsichtige Schutzscheiben aufgebaut werden. Das Material und die Größe könnten variieren, wie eine Sprecherin der Rewe-Gruppe mitteilte.

Lidl, Kaufland und Aldi wollen ebenfalls einen Plexiglasschutz an den Kassen anbringen lassen, auf dem Boden sollen Aufkleber angebracht werden, damit die Kunden Abstand zueinander halten. Bei Kaufland würden zudem an der Frischetheke derzeit keine Mehrwegbehältnisse mehr befüllt.

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