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Landkreis Pfaffenhofen
20.05.2019

PFC im Wasser: Wie die Gemeinde Manching unter den Giftstoffen leidet

Gudrun Lemle und Doris Schmidt von der Bürgerinitiative PFC Flugplatz Manching e. V. werden am Montag protestieren.
Foto: Stefan Küpper

Lange wurden auf dem Manchinger Militärflughafen Chemikalien genutzt, die bis heute in die Region gespült werden. Sie wurden sogar im Blut von Anwohnern entdeckt.

Ihm soll ganz schön der Marsch geblasen werden, wenn er am heutigen Montag nach Manching in den Kreis Pfaffenhofen kommt. Dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Thomas Silberhorn, droht Kritik. Dafür wollen Gudrun Lemle und Doris Schmidt sorgen. Sie leben im Ortsteil Westenhausen. Durch den fließt über den nahen Militärflughafen her ein kleiner Bach. In dessen Wasser sind per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) nachgewiesen. Genauso wie in Doris Schmidts Blut.

PFC sind künstliche Stoffe, die etwa in Teflon enthalten sein können, in wasserabweisenden Outdoor-Kleidern oder aber in Löschschaum. Löschschaum, wie ihn die Feuerwehr über Jahre auch auf dem nahen Flugplatz der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTD 61) verwendet hat. Manche dieser Chemikalien stehen im Verdacht, in erhöhter Konzentration Krebs verursachen zu können.

Dem Bund ist länger bekannt, dass es in Manching ein PFC-Problem gibt

Dass es in Manching ein Problem mit PFC gibt, ist dem Bund nach Angaben des Landratsamtes Pfaffenhofen seit 2012 bekannt. Die Bundeswehr erklärt, dass ihre Feuerwehren ausschließlich die jeweils gesetzlich zugelassenen Löschschäume eingesetzt haben und das nach wie vor tun. Man „übererfülle“ die gesetzlichen Vorgaben sogar. Was aber – und diese Frage treibt die Manchinger seit Jahren um – ist seither in Sachen Schadensbehebung passiert?

Auf Anfrage teilte das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr mit: „Die Bundeswehr führt seit 2013 die PFC-Kontaminationsbearbeitung am Flugplatz Ingolstadt/Manching in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden über das Altlastenprogramm der Bundeswehr auf Grundlage des Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) und der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) durch.“

Foto: Küpper

So zäh, wie dieser Satz sich liest, so zäh finden Doris Schmidt und Gudrun Lemle das Vorgehen der zuständigen Behörden. Die beiden sind wütend. Sie sagen: „Unsere Geduld ist am Ende.“ Sie und die weiteren 245 Mitglieder der Bürgerinitiative PFC Manching sorgen sich um ihre Gesundheit. Schmidt ist nicht die Einzige mit PFC im Blut. Sie nimmt es vergleichsweise gelassen, sagt sich, bis jetzt sei ja alles gut gegangen. Ihre Werte, so sagt ihr Arzt, seien „erhöht, nicht im lebensgefährlichen Bereich“. Aber beruhigend ist das alles nicht. Und natürlich isst auch sie nichts mehr aus ihrem Garten.

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Das Landratsamt Pfaffenhofen hat im Mai 2018 per „Allgemeinverfügung“ angeordnet, dass die Westenhausener und Lindacher ihr Grundwasser bis 2032 nicht mehr zum Gießen benützen dürfen. Mit dem Trinkwasser sei zwar alles in Ordnung, versichert das Landratsamt. Aber Lemle rührt auch das nicht mehr an. Dazu gibt es weitere Probleme. Nur ein Beispiel: Wer in Westenhausen bauen will, muss die belastete Erde selbst entsorgen. Was viele tausend Euro kosten kann.

Ein Ende des Ungemachs ist nicht in Sicht. Die diversen Untersuchungen am Flugplatz und in den betroffenen Ortsteilen sind zwar in großen Teilen erledigt, aber auch nicht gänzlich abgeschlossen. Derweil wird über das Grundwasser und die Westenhauser Ach weiter das PFC in die Landschaft gespült. Die Bürgerinitiative wirft den zuständigen Behörden – vor allem der Bundeswehr und dem Landratsamt Pfaffenhofen – vor, sie nur „scheibchenweise“ über das ganze Ausmaß der PFC-Belastung und über die Folgen zu informieren.

In vielen Orten macht PFC den Anwohnern Probleme

Dabei stellt sich die Problematik nicht nur in Manching. Auf mehreren Liegenschaften der Bundeswehr bundesweit wurden Kontaminationen nachgewiesen. Die SPD-Landtagsfraktion berichtete jüngst von 20 aktuellen und 27 ehemaligen Bundeswehrstandorten in Bayern. Dabei geht es in mehreren Fällen auch um PFC. Auch die Region ist betroffen. Etwa die Fliegerhorste in Penzing und Kaufbeuren, die Flugplätze Lechfeld und Neuburg. Der Umweltexperte der SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn, fordert: „Was es jetzt braucht, sind vollständige Transparenz und schnelles Handeln durch die Staatsregierung und das Bundesverteidigungsministerium.“

Manching hat als erste Kommune Ende 2018 den Bund verklagt. Mit der Feststellungsklage sollen die „Beseitigungs-, Schadens- und Aufwendungsansprüche“ gesichert werden. Man will einer drohenden Verjährung vorbeugen. Vor diesem Hintergrund blickt auch Manchings Erster Bürgermeister Herbert Nerb dem Besuch des Staatssekretärs mit einiger Ungeduld entgegen: „Ich erwarte, dass er eine Lösung mitbringt, uns einen klaren Zeitplan zeigt und dass flott begonnen wird.“ Vor allem an den neuralgischen Punkten auf dem Flughafen, die das Grundwasser besonders belasten. Tempo aufnehmen ist das Ziel.

Eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr sagt auf Anfrage, dass es sich in Manching um „großflächige und komplexe Kontaminationen handele in den Medien Boden-, Grund- und Oberflächenwasser“. Diese machten „umfangreiche und zeitintensive“ Untersuchungen nötig. Für die drei am meisten belasteten Stellen sei bereits ein Sanierungsplan in Auftrag gegeben worden. Auch ein Sprecher des Landratsamtes Pfaffenhofen verweist auf die Fortschritte: „Wir haben grundsätzlich Verständnis, wenn die Bevölkerung fragt: ,Warum können wir nicht sofort beginnen?‘ Aber: Wir sind an die im Bodenschutzgesetz vorgeschriebenen Verfahren gebunden. Diese Vorgänge brauchen ihre Zeit.“

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