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Schule und Corona

07.04.2021

Lehrerverband: Schulen sollen nach den Ferien geschlossen bleiben

Leere Klassenzimmer sind in Deutschland wegen der Corona-Pandemie keine Seltenheit.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Plus Drei Wochen unterrichtsfrei statt nur zwei: Das wünscht sich der bayerische Realschullehrerverband. Der Vorschlag stößt auf Kritik – unter anderem auch von Lehrern.

Die Debatte um den richtigen Umgang mit der Corona-Pandemie an Schulen ist um einen Vorschlag reicher. Der Vorsitzende des bayerischen Realschullehrerverbandes, Jürgen Böhm, spricht sich für eine Verlängerung der Osterferien aus. Demnach soll die unterrichtsfreie Zeit um eine Woche ausgedehnt werden. Diese Phase könnte Böhm zufolge dazu genutzt werden, die Schulen auf die kommenden Wochen vorzubereiten und eine Teststrategie zu entwickeln.

Es sei unsinnig, betont der Vorsitzende, die Schüler mit überfüllten Bussen und öffentlichen Verkehrsmitteln „in die Schulen zu karren“, dort freiwillig und mit abgenommener Maske zu testen, um dann die positiv Getesteten zu isolieren und von ihren Erziehungsberechtigten abholen zu lassen. „Die Tests müssen entweder verbindlich zu Hause oder aber von Experten außerhalb von Schulen durchgeführt werden.“ Schon seit Monaten fordere der Realschullehrerverband außerdem, allen Lehrern umgehend ein Impfangebot zu machen. Böhm sagt: „Die unterrichtsfreie Woche könnte einen zeitlichen Puffer bei den Impfungen bringen.“

Dieser Corona-Stufenplan gilt an Bayerns Schulen

Grundsätzlich unterstützt der Verband angesichts der besonders ansteckenden Virusmutationen den Stufenplan, der auch nach den Ferien für Bayerns Schulen gelten soll. Bei einer lokalen Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 findet Wechselunterricht mit geteilten Klassen statt, bei einem Wert von über 100 wird auf Distanzunterricht umgestellt. Dem Lehrerverband geht es mit seinem Vorschlag vor allem auch darum, einen „Sicherheitskorridor“ zu schaffen. „Es gibt schlichtweg keine belastbaren Erhebungen dazu, wie sich die Corona-Infektionszahlen über die Osterfeiertage entwickelt haben. Aber wir werden uns vermutlich erschrecken“, prognostiziert Böhm.

Geschlossene Schulen, Distanzunterricht teils nur in den Hauptfächern, dazu verlängerte Weihnachtsferien: Nicht wenige Unterrichtsstunden fielen an Bayerns Schulen auf diese Weise aus. Und jetzt noch eine weitere freie Woche? Böhm betont: Da die einwöchigen Faschingsferien in diesem Jahr coronabedingt ausfielen, könne man bei einer Verlängerung nicht von zusätzlichen Ferien sprechen. „Ich habe lange überlegt. Eine Verlängerung der unterrichtsfreien Zeit bringt uns nur Vorteile.“

Verlängerung der Osterferien? Vorschlag des Lehrerverbands stößt auf Kritik

Doch nicht überall stößt Böhms Vorschlag auf Zustimmung. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagt im Gespräch mit unserer Redaktion, er könne die Forderung einer zusätzlichen Ferienwoche nicht befürworten. Ein Großteil der bayerischen Landkreise verzeichne aktuell eine Sieben-Tage-Inzidenz von über 100, an den betroffenen Schulen gebe es deshalb sowieso kaum Präsenzunterricht nach Ostern.

Gerade Schüler, die kurz vor dem Abschluss stehen, bräuchten jeden Tag Unterricht, sagt Meidinger. Erst am Dienstag hatte das Kultusministerium bekanntgegeben, das Abitur finde in Bayern wie angekündigt ab 12. Mai statt. „Ich habe außerdem Zweifel, ob bei der Impfung der Lehrkräfte eine Woche mehr überhaupt Wirkung trägt, nachdem sie derzeit ja weitgehend gestoppt ist.“ Lehrer an Bayerns Grund- und Förderschulen waren vor allem mit AstraZeneca geimpft worden, bevor die Gabe des Vakzins für Menschen unter 60 Jahren ausgesetzt wurde.

Das Kultusministerium plant keine Verlängerung der Osterferien

Was das Kultusministerium zu einer zusätzlichen unterrichtsfreien Woche sagt? Die Behörde teilt auf Anfrage mit, eine Verlängerung der Osterferien sei nicht angedacht. Es gebe einen bewährten, mit dem Gesundheitsministerium abgestimmten Hygieneplan, zudem sei die Teststrategie den Schulen bereits kommuniziert worden.

 

Demnach dürften in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 lediglich Abschlussschüler am Präsenzunterricht teilnehmen, die entweder einen aktuellen, professionell durchgeführten und negativen Covid-19-Test haben oder in der Schule unter Aufsicht einen Schnelltest mit negativem Ergebnis machen. Bei einer Inzidenz unter 100 sind Tests für Schüler nicht verpflichtend, werden aber „nachdrücklich empfohlen“.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Unüberlegte Forderungen bringen nur Unruhe in die Schulen

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