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Gesundheit

11.01.2020

Medikamentenknappheit: Apotheker hat Ideen gegen den Pillenmangel

Nicht jedes Medikament von jedem Hersteller ist zurzeit lieferbar. Das sorgt für mehr Arbeit bei Apothekern und Frust bei den Patienten.
Foto: Benjamin Nolte, dpa

Plus Bei immer mehr Medikamenten kommt es zu Lieferengpässen. Ein Apotheker aus Schliersee erklärt, was das für Patienten bedeutet - und zeigt Lösungen auf.

Täglich spürt Alexander Freiherr von Waldenfels den Frust, aber vor allem die Verunsicherung der Patienten. Seit 2007 betreibt der 46-Jährige eine Apotheke im oberbayerischen Schliersee, seit 2017 ist er Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesapothekerkammer. Er bekommt den zunehmenden Mangel an Medikamenten hautnah mit. „Das geht schon seit Langem, seit zwei Jahren wird es aber immer schlimmer“, berichtet er. Mittlerweile sind auf einer Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über 270 Präparate aufgeführt, bei denen es Engpässe gibt. Eine schnelle Lösung des Problems ist laut von Waldenfels nicht in Sicht.

Politiker fordern ein Frühwarnsystem

Bundestagsabgeordnete der Grünen um die Sprecherin für Pflegepolitik, Kordula Schulz-Asche, fordern im Kampf gegen Engpässe nun neben einer Meldepflicht für Hersteller ein „Frühwarnsystem“ durch die Großhändler. Der Apotheker aus Schliersee befürwortet diesen Antrag: „Die Großhändler wissen mit gut zwei Wochen Vorlauf, welche Präparate knapp werden“, sagt er. Bislang seien pharmazeutische Unternehmen nur dazu angehalten, einen möglichen Engpass zu melden. Das passiere aber nicht immer. Mit einer Meldepflicht könnte man Geldstrafen für die Unternehmen aussprechen.

Ein Engpass trifft die Apotheker unvorbereitet und bedeutet Mehraufwand. „Wenn das verschriebene Präparat nicht verfügbar ist, kontaktiere ich den Hausarzt des Patienten“, sagt von Waldenfels. Welchen Ersatz soll der Patient bekommen? Die halbe Dosierung, sodass er zwei Tabletten pro Tag nehmen muss? Oder die doppelte Dosis und der Patient soll die Tablette teilen? „Es birgt Risiken, etwas auszutauschen. Da können Fehler bei der Einnahme passieren“, sagt der Apotheker. Gerade ältere Patienten wären verunsichert, wenn sie anstatt einer gelben Pille plötzlich eine grüne nehmen müssen. Das bringe viele durcheinander. Für seinen Mehraufwand möchte von Waldenfels honoriert werden.

Unternehmen und Krankenkassen sind gefordert

Das fordern auch die Grünen in ihrem Papier, ebenso die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). So steht es in einem Acht-Punkte-Katalog, den sie erstellt hat, um Lieferengpässen den Kampf anzusagen. Ein weiterer Aspekt: die Mehrfachvergabe von Rabattverträgen. Hier werden Sonderkonditionen ausgehandelt, sodass der Patient für das Präparat weniger bezahlen muss. „Durch mehrere Rabattverträge wird das Risiko eines Engpasses geringer“, erläutert von Waldenfels. Es sollte für ein Präparat Verträge mit mindestens drei verschiedenen Wirkstoff-Herstellern geben, um sich breiter aufzustellen. „Neben den pharmazeutischen Unternehmen sind da auch die Krankenkassen gefragt“, sagt der Apotheker. Besonders betroffen von einem Engpass sind zum Beispiel Mittel gegen Bluthochdruck, ein Antidepressivum, Schilddrüsenpräparate und der Masern-Impfstoff. Dieser Mangel ist gerade mit Blick auf die ab März geltende Impfpflicht ein Stück weit besorgniserregend, gibt auch der Apotheker zu.

Ein weiterer Punkt, der auch von Waldenfels wichtig ist, ist die Wiederansiedlung der Produktion in Europa. Derzeit werden Wirkstoffe häufig in Asien hergestellt, die ABDA will das unter „hohen Umwelt- und Sozialstandards wieder verstärkt in der EU“ stattfinden lassen. „Die Ratspräsidentschaft Deutschlands in der zweiten Hälfte des Jahres müssen wir nutzen, um das Thema offensiv anzugehen“, fordert von Waldenfels.

Patienten sollen sich rechtzeitig um Nachschub kümmern

Wenn doch einmal ein Ersatz-Präparat ausgegeben werden muss, so soll das nicht zulasten des Patienten gehen. „Für Patienten dürfen durch Lieferengpässe keine höheren Aufzahlungen entstehen“, heißt es im Acht-Punkte-Katalog der ABDA. Um die Chancen zu erhöhen, die richtigen Pillen oder Tropfen zu bekommen, rät der Apotheker, sich frühzeitig um Nachschub zu kümmern. „Wenn er den letzten Blister aus der Packung nimmt, sollte sich ein Patient beim Arzt ein Rezept holen. Das gibt uns Apothekern dann gut eine Woche Spielraum, um das Medikament zu organisieren.“

Lesen Sie dazu auch: 180 Medikamente nicht lieferbar: Problem wird immer schlimmer

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