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Tornado

15.05.2015

Müssen wir künftig auch in Bayern öfter mit Tornados rechnen?

Eine Luftaufnahme vom 14.05.2015 zeigt Unwetterschäden in der Gemeinde Affing.
Bild: Mario Lindner

Zuletzt gab es mehrfach Meldungen über Tornados in Deutschland. Ist das ungewöhnlich? Oder müssen wir bald öfter mit Wirbelstürmen rechnen? Ein Meteorologe gibt Antworten.

Zuerst waren die Bilder der Verwüstungen nur in den Nachrichten zu sehen: Tornados wüteten Anfang Mai in Hamburg, in der Kleinstadt Bützow und anderen Orten in Norddeutschland. Am Mittwochabend erwischte es die Region. Dieselben Bilder, aber diesmal nicht irgendwo in Deutschland, sonder direkt vor der Haustüre -  in Affing, Gebenhofen und Stettenhofen.

Die Häufung der Wetterextreme hinterlässt Fragen. Müssen wir bald öfter mit Tornados rechnen? Hätten die Menschen vorgewarnt werden können? Meteorologe Dominik Jung von wetter.net klärt auf.

Sind Tornados in Deutschland normal?

Jung: Jedes Jahr gibt es in Deutschland weit mehr als 100 Verdachtsfälle, davon werden im Schnitt 50 bis 60 als tatsächliche Tornados bestätigt. Tornados gab es zudem schon immer in Deutschland. Nur nicht immer sind sie so bewusst wahrgenommen worden wie in der technisch weit fortgeschrittenen Neuzeit. Heutzutage hat jeder ein Smartphone. In Sekunden können Beobachtungen ausgetauscht und publik gemacht werden. Deutschland ist durchaus ein Tornado-Land.

Erleben wir derzeit eine ungewöhnliche Häufung von Tornados?

Jung: Dieses Jahr gab es schon knapp 30 Verdachtsfälle und 15 bestätigte Fälle. Für Mitte Mai ist das durchaus eine ungewöhnlich hohe Zahl, zumal die Tornado-Saison eigentlich erst im Juni so richtig beginnt und bis Ende August dauert. Das ist in der Regel die Phase mit sommerlichen Gewitterlagen. Der Mai hat in seiner ersten Monatshälfte bereits zahlreiche hochsommerliche Gewitterlagen produziert. Die Temperaturen hatten dabei bereits Spitzenwerte bis 32 Grad im Schatten erreicht. Es folgten rasch stramme Abkühlungen und das führte zu den zahlreichen Unwetterlagen.

Kann man Tornados überhaupt vorhersagen?

Jung: Eine räumliche beziehungsweise zeitnahe Warnung vor solchen Gebilden ist meteorologisch nicht möglich. Selbst auf aktuellen Radarbildern kann man lediglich erkennen, dass es aufgrund der Strukturen einen Tornado geben könnte. Hat sich ein Tornado erst einmal gebildet, dann hat er oft nur eine Lebensdauer von wenigen Minuten. Dass es bei den Tornados in Bützow bzw. bei Augsburg keine Schwerverletzten oder gar Todesopfer gab, deutet darauf hin, dass die Menschen die Unwetterwarnungen im Vorfeld ernst genommen haben. Mehr können Wetterdienste an dieser Stelle nicht tun.

Müssen wir in den kommenden Monaten mit weiteren Tornados rechnen?

Jung: Ob die Häufung von Tornado-Ereignissen in den vergangenen Tagen nur Zufall war, oder ob sich hier ein Trend für den kommenden Sommer ausbildet, ist derzeit nicht zu sagen. Die vergangenen Sommer 2014 und 2013 waren bereits sehr wechselhaft und unwetterlastig. Für den kommenden Sommer 2015 kann man natürlich noch keine Wetterprognose abgeben. Der US-Wetterdienst NOAA hat allerdings einen ersten klimatologischen Trend für Mitteleuropa ausgegeben. Demnach soll auch dieser Sommer eher wechselhaft ausfallen. Das spricht für Temperaturschwankungen, ähnlich wie aktuell im Mai. Das würde die Ausbildung weiterer heftige Gewitter begünstigen. Und damit bliebe auch die Wahrscheinlichkeit für weitere Tornados in den nächsten Wochen ziemlich hoch. AZ

Der Tornado hat in der Region eine Schneise der Verwüstung zurückgelassen und schwere Schäden angerichtet.
123 Bilder
Tornado richtet schwere Schäden in der Region an
Bild: Erich Echter; Mario Lindner, Luftsportverein Aichach

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