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Allgäu

08.07.2019

Naturschützer wehren sich gegen geplanten Erlebnispark am Grünten

Die Grüntenhütte wird abgerissen, wenn die Pläne für die „Bergwelt“ umgesetzt werden. An dieser Stelle soll eine moderne Gastronomie entstehen.
Bild: Matthias Becker

Plus Auf dem Grünten im Allgäu soll eine Art „Erlebniswelt“ entstehen. Nun formieren sich die Gegner. Und eine ganz entscheidende Frage ist noch offen.

Aus Sorge um die Ruhe und die Natur auf einem der markantesten Berge im Allgäu formiert sich derzeit eine Bürgerinitiative. Im Internet werben die Initiatoren von „Rettet den Grünten“ um Unterstützung – sie wollen gegen die Pläne für eine "Grünten-Bergwelt" mobilmachen.

Die Initiative will verhindern, dass die Unternehmerfamilie Hagenauer am Grünten bei Rettenberg (Oberallgäu) 30 Millionen Euro investiert: Dieses Geld soll fließen in den Bau einer Zehner-Kabinenbahn für den Sommerbetrieb bis zum Standort der jetzigen Grüntenhütte, in eine zusätzliche Sesselbahn für den Skibetrieb und einen Teller-Schlepplift in Talnähe. Das Argument der Befürworter: Die alten Lifte werden abgebaut und es entsteht eine leistungsfähige touristische Infrastruktur. Zudem ist eine neue Gastronomie geplant am Standort der bestehenden Grüntenhütte mit 120 Sitzplätzen im Gebäude und 450 auf der Terrasse.

Mit 60 Sachen abwärts: Diese Attraktionen sind auf dem Grünten geplant

Und dann soll es als Sommerattraktion noch eine sogenannte Walderlebnisbahn geben. Das ist eine Art Flying Fox. Auf zwei Trassen könnten die Besucher mit 15 Stundenkilometern auf der langsamen Variante oder mit 60 Sachen auf der schnellen ins Tal brausen. Die Rettenberger Gemeinderäte begrüßen das Gesamtkonzept. Das sei „das, was wir uns seit Jahren wünschen“, hieß es. Und auch auf zwei Bürgerversammlungen waren kaum kritische Stimmen zu hören. Vielmehr gab es Applaus für die Unternehmerfamilie, die in Rettenberg wohnt und in der Region investiert. Sie betreibt auch die „Alpsee Bergwelt“ bei Immenstadt.

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Für Julia Wehnert vom Bund Naturschutz (BN) aber steht fest: Aus „naturschutzfachlicher Sicht“ sei die Planung „nicht akzeptabel“. Der BN befürchtet mit dem Sommerbetrieb einen „Massenansturm auf den Gipfel“. Bereits jetzt sei manchmal „der Gipfelbereich an seiner Kapazitätsgrenze angekommen“. Und die geplante „Walderlebnisbahn“ nennt Naturschützerin Wehnert eine „Waldvernichtungsbahn“. Kontroverser kann eine Bewertung kaum ausfallen: Die „Grünten Bergwelt“-Macher sprechen von „möglichst geringen Eingriffen in die Natur“, Julia Wehnert formuliert drastisch: „Da wird ein wilder Tobel verbaut.“

Brigitte Kraft ist Diplom-Biologin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV). Sie bewertet die Situation ganz ähnlich wie der BN: Eine Doppelnutzung des Gebiets durch Bergbahnen im Sommer wie im Winter (bisher nur Skibetrieb) sei nicht akzeptabel. Zudem befürchtet der LBV, dass das Verkehrsproblem in Rettenberg und Kranzegg zunimmt, wenn die Bahn erst einmal fährt. Pläne für eine Ortsumfahrung gibt es, doch die Naturschützer weisen auf das damit verbundene Problem des Flächenverbrauchs hin.

Zudem sei die Rettenberger Seite des Grüntens Landschaftsschutzgebiet. Dort so einen Trubel zu veranstalten, gehe gar nicht, findet die Biologin. Der Naherholungsberg der Allgäuer solle dem Tagestourismus geopfert werden. „Nachhaltiger Tourismus zum Schutz unserer sensiblen Natur und Umwelt im Allgäu sieht anders aus”, sagt Kraft. Für den Vogelschutzbund stehe fest: Wenn „naturschutzfachlich“ etwas gegen das Vorhaben spricht, werde der LBV gegen eine mögliche Baugenehmigung klagen.

Grünten-Bergwelt: Auch die Grundbesitzer kündigen Wiederstand an

Schon im Vorfeld beschäftigt ein anderer Aspekt der Grünten-Erschließung die Juristen. Es geht um die Frage, ob die in der Alpgenossenschaft zusammengeschlossenen Besitzer sich einem Mehrheitsbeschluss unterordnen müssen, auch wenn sie nicht wollen, dass im Sommer eine Seilbahn über ihren Grund fährt. Im März hatten acht Grundbesitzer eine Erklärung unterschrieben, in der sie die geplante „Neustrukturierung der Grüntenlifte“ nicht unterstützen und die „Nachbar- und Bürgerrechte vollumfänglich wahrnehmen“. Die Grundstücke würden in keiner Weise für das Projekt zur Verfügung stehen, heißt es in der „Erklärung“.

Zudem kündigen die acht Grundbesitzer an, „alle verfügbaren Rechtsmittel“ auszuschöpfen. Während die Handschrift der „Erklärung“ wenig Konsensgeist ausstrahlt, laufen hinter den Kulissen Bemühungen der Projektbefürworter, Kritiker zu überzeugen. Solche Lobbyarbeit wurde auch schon bei den Naturschutzverbänden betrieben.

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