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Nominierung
12.11.2020

92-Jähriger tötete seine Frau – nach einem Leben voller Liebe und Verzweiflung

„Ich habe zum Schluss keinen Ausweg mehr gefunden“: der 92-jährige Angeklagte neben seinem Anwalt Norman Jacob.
Foto: Nicolas Armer, dpa

Plus Ein Ehepaar verspricht sich: Wir sterben gemeinsam. Eines Abends erstickt er seine kranke Frau. Sein Suizidversuch scheitert. Nun sprach ein Gericht das Urteil.

Es gibt in diesem Land Telefone, durch deren Leitung sich täglich unvorstellbare Dramen ihren Weg bahnen. Gabriele Tammen-Parr sitzt an solch einem Apparat in Berlin-Kreuzberg. Er klingelt etwa 200 Mal im Monat. Erst neulich, ein betagter Mann: „Wissen Sie, eigentlich bin ich schon Witwer. Meine Frau ist zwar noch da. Aber sie sitzt da wie ein Möbelstück. Ich bin einsam. Es geht nicht mehr.“

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Die Diskussion ist geschlossen.

18.11.2020

Ich nebenjobbe in einem Pflegeheim auf einer Station mit Demenzkranken und habe volles Verständnis für den alten Mann. In diesem Alter sollte niemand mehr vor Gericht gezerrt werden. Diese Entscheidung, seine Frau zu erlösen, hat er nicht gefällt, weil er böse Absichten hatte und soweit sollte ein Gericht das differenzieren können. Er hat weder eine kriminelle Ader noch irgendeine Art von Befriedigung dabei erfahren, von daher gibt es auch keinen Anlass ihn zu bestrafen. Sture Gesetze und Verordnungen, die uns den Blick nach links und rechts und unten und oben oder auch zurück versperren, sind einfach nicht gut für unsere Gesellschaft.

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13.11.2020

Solange ein Herr Spahn und auch Vertreter der Kirche solche gerichtlichen Entscheidungen ignorieren oder blockieren, bringt das alles nichts. Das ist eigentlich ein Skandal. Niemand sollte das Recht haben, sich in so persönliche Entscheidungen einzumischen. Traurig, wenn man zu solch drastischen Mitteln greifen muss. Und dass man in Deutschland in Würde alt werden kann, glauben auch nur Träumer. Schön wär's. Ich wünsche dem alten Mann, dass er seinen Frieden machen kann und seine verbleibende Zeit für ihn erträglich sein wird.

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13.11.2020

Alt werden ist nichts für Feiglinge. Die Gebrechen und die Vereinsamung die damit einhergehen, werden noch mit Überforderung gepaart. Als Gesellschaft sollten wir uns grundsätzlich mal überlegen, wie wir das Altern begleiten wollen und wie ein selbstbestimmter Tod aussehen könnte. Letztlich werden wir alle alt und sterben irgendwann. Am Anfang muss aber erst mal die Erhöhung der Lebensqualität älterer Menschen stehen, welche mit richtiger Pflege Hilfe und sozialen Kontakten erreicht werden kann.
Keine einfache Aufgabe in Zeiten von Corona.

Das BVG hat schon mal vorgelegt:

a) Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) umfasst als Ausdruck persönlicher Autonomie ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben.
b) Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen. Die Entscheidung des Einzelnen, seinem Leben entsprechend seinem Verständnis von Lebensqualität und Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz ein Ende zu setzen, ist im Ausgangspunkt als Akt autonomer Selbstbestimmung von Staat und Gesellschaft zu respektieren.
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https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2020/02/rs20200226_2bvr234715.html

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