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Oktoberfest-Attentat
07.02.2015

Ermittlungen laufen auf Hochtouren: Doch es bleiben viele Fragen

Spurensicherung am Tatort. Am späten Abend des 26. September 1980 kamen bei einem Bombenanschlag auf dem Oktoberfest zwölf Menschen ums Leben, 140 wurden zum Teil schwer verletzt.
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Spurensicherung am Tatort. Am späten Abend des 26. September 1980 kamen bei einem Bombenanschlag auf dem Oktoberfest zwölf Menschen ums Leben, 140 wurden zum Teil schwer verletzt.
Foto: Istvan Bajzat, dpa

Immer wieder tauchen neue Rätsel um das Wiesn-Attentat von 1980 auf. Was geschah mit der abgerissenen Hand? Und war der Attentäter Gundolf Kähler wirklich ein Einzeltäter?

Ein erstes Zwischenergebnis der neuen Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat erwartet Opfer-Anwalt Werner Dietrich in etwa vier Wochen. Schon im Oktober habe die Bundesanwaltschaft eine der von ihm benannten Zeuginnen dreieinhalb Stunden lang vernommen. Die Frau hatte 1980 Aussiedlern Sprachunterricht erteilt und war im Spind eines Schülers auf zwei Pistolen und Flugblätter gestoßen. Darin war der Attentäter Gundolf Köhler als „Märtyrer der Bewegung“ genannt – zu einem Zeitpunkt, als dessen Name öffentlich noch gar nicht bekannt war.

Wiesn-Attentat: Mutmaßlicher Mitwisser reiste nach Argentinien aus

Der mutmaßliche Mitwisser des Bombenanschlags, der namentlich bekannt sei, wanderte kurz darauf nach Argentinien aus, tauchte aber 20 Jahre später wieder in München auf. Zu diesem Komplex werde ermittelt, sagte Dietrich bei der SPD-Landtagfraktion am Donnerstag in München. Mit dem Generalbundesanwalt stehe er in engem Kontakt. Dieser sei „wirklich und echt bemüht“ ergebnisoffen zu ermitteln und die umfangreichen Akten neu zu bewerten.

Besonderes Augenmerk werde man aber darauf richten müssen, wer die Beamten sind, die das Bayerische Landeskriminalamt in seine Sonderkommission beruft. Viele Beamte der alten, bis Mai 1981 tätigen Soko, habe er „in schlechter Erinnerung“, sagte Dietrich. Sie hätten Zeugen bei Befragungen niedergebügelt, als seien sie Lügner.

Verschwinden der Wiesn-Hand wirft schlechtes Licht auf bayerische Behörden

Ein schlechtes Licht auf die Arbeit der bayerischen Behörden wirft auch eine Entdeckung von Ulrich Chaussy bei Recherchen für die ARD-Dokumentation „Attentäter – Einzeltäter“. Die Bundesanwaltschaft hatte zwar 1997 alle Asservate vernichtet, doch das wichtigste Beweisstück, eine abgerissene Hand, habe „Bayern nie verlassen“, sagte Dietrich. Sie sollte in der Rechtsmedizin in München untersucht werden und verschwand dort spurlos. Dazu werde es eine parlamentarische Anfrage geben.

Dass die Hand zu Köhler gehört haben könnte, schloss ein Sprengstoffexperte jetzt aus. Köhlers Hände seien bei der Explosion mit Sicherheit „atomisiert“ worden. Dass der Mann, dem sie abgerissen wurde, in einem Krankenhaus in Hannover aufgetaucht sein könnte, hält Dietrich nicht für unwahrscheinlich. Mit einer „Zwischenbehandlung“ habe man ihn möglicherweise auf dem Weg dorthin vor dem Verbluten bewahrt. In Kliniken in München und Umgebung war die Suche nach einem Mann ohne Hand nach dem Attentat 1980 ergebnislos.

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