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Medienbericht

17.05.2019

Oktoberfestattentat 1980: Ermittlungen stehen vor dem Abschluss

Oktoberfest-Attentat am 26.09.1980: Zwölf Menschen kamen ums Leben, 140 wurden zum Teil schwer verletzt.
Bild: Istvan Bajzat, dpa (Archiv)

13 Tote, mehr als 200 Verletzte: Das Oktoberfestattentat vor fast 40 Jahren war der größte rechtsextreme Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die vor knapp fünf Jahren neu aufgenommenen Ermittlungen zum Oktoberfestattentat von 1980 stehen einem Medienbericht zufolge vor der Einstellung. Die Soko "26. September", die nach dem Datum des Anschlags benannt ist, wurde bereits aufgelöst, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtete. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur liegt der Ermittlungsbericht bereits bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Diese gab zunächst keine Auskunft. "Wir kommentieren diesen Artikel nicht", sagte eine Sprecherin.

Die Akten zu dem rechtsextremistischen Anschlag wurden rasch geschlossen

Die Ermittlungen sollten Hintergründe des schwersten rechtsextremistischen Attentats in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland klären und zu möglichen Hintermännern führen. Dem Vernehmen nach blieben sie aber ohne greifbaren Erfolg. "Es gibt keine letztliche Klärung", zitiert die SZ einen Fahnder. 

Am Abend des 26. September 1980 hatten am Haupteingang zur Wiesn 1,39 Kilogramm TNT 12 Festgäste in den Tod gerissen und mehr als 200 verletzt. Schrauben und Nägel erhöhten die Zerstörungskraft. Auch der rechtsradikale Attentäter Gundolf Köhler starb. 

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Die Akten wurden rasch geschlossen, das Verfahren eingestellt. Die Behörden sprachen von einem Einzeltäter, der die Tat aus rein privaten Motiven beging. Das bezweifelten Angehörige und Opfervertreter. Der Student Köhler war Anhänger der dann verbotenen rechtsextremistischen "Wehrsportgruppe Hoffmann". Zeugen hatten berichtet, Köhler sei am Abend des Attentats nicht allein gewesen. 

Vor allem der Anwalt Werner Dietrich und der Journalist Ulrich Chaussy hatten sich über Jahrzehnte für die Wiederaufnahme eingesetzt. Neben der Frage nach Tätern und deren Motiv wollten sie wie auch Angehörige und Politiker wissen: Haben die Ermittler damals - wie bei den NSU-Morden - neonazistische Hintergründe nicht ausreichend geprüft oder sogar verschleiert? 

Viele Fragen zum Oktoberfestattentat 1980 bleiben wohl unbeantwortet

Bei den früheren Ermittlungen gab es zahlreiche Pannen, Zeugen wurden nicht ausreichend gehört, Asservate vernichtet. Das nahe des Explosionsortes entdeckte Fragment einer Hand wurde in der Rechtsmedizin untersucht - und verschwand dann spurlos. Zigarettenstummel aus Köhlers Auto wurden vernichtet. Heute hätten DNA-Spuren wichtige Hinweise liefern können. 

Als der Generalbundesanwalt im Dezember 2014, etwa eineinhalb Jahre nach dem Beginn des Prozesses um die rechtsextremen Morde des NSU - die Wiederaufnahme verkündete, war das auch ein Bekenntnis: Dass vor mehr als drei Jahrzehnten nicht alles gut gelaufen war. 

Bei den neuen Ermittlungen, die sich gegen Unbekannt richteten, haben die Beamten der Süddeutschen Zeitung zufolge mehr als 1000 Zeugen befragt. Sie gingen 766 neuen Spuren nach und durchsuchten Wohnungen in Deutschland und in der Schweiz. Sie sichteten Akten deutscher Geheimdienste und der Stasi, 420.000 Seiten. Und doch nun sieht es so aus, als werde es weiter keine Antworten auf viele Fragen geben. 

"Ich habe damit gerechnet, dass das Verfahren demnächst in angemessenem Abstand zum NSU-Urteil eingestellt wird", sagte Chaussy am Freitagabend. "Die Parallelität der Vorgänge war, dass die Ermittlungsbehörden beim Oktoberfestattentat wie beim NSU keinen Weg gefunden haben, sich mit rechtsextremen Taten angemessen auseinanderzusetzen." Er kritisierte auch die Arbeit der Soko "26. September".

Diese habe die Ermittlungspannen von früher nicht aufklären wollen - dabei hätten sie ein Schlüssel sein können. Dennoch gibt Chaussy nicht auf. "Es sind nur Ermittlungen eingestellt, die können beim Vorliegen neuer Tatsachen wieder aufgenommen werden." (dpa)

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17.05.2019

Die (nicht wirklich erfolgte) juristische Aufarbeitung ist die eine Seite.
Die andere, die politische Dimension, kann man nur im Kontext mit der gesellschaftlichen Situation sehen. Damals war Strauss Kanzlerkandidat der Union; das Attentat schob er propangadistisch der RAF zu. Union und die gesellschaftliche Rechte, bis weit in die Sozialdemokratie hinein, hatte kein grosses Interesse, rechtsradikale Anschläge besonders intensiv aufzuklären. Die Einzeltäterversion passt ins politische Kalkül.
Die Wehrsportgruppe Hofmann aus Heroldsberg z.B. wurde vom damaligen Augsburger Abgeordneten Walter Althammer sinngemäß als waldäuferische Abenteuergruppe verharmlost. Dieser Althammer leitete den Untersuchungsausschuss der "Abhöraffäre Struass" wo es um schmutzige Wehrgeschäfte um Lockhead ging.
Grundsätzlich ging es in dieser Zeit um die "geistig-moralische Wende" ala Helmut Kohl; nach den Aufbruchjahren durch die sozialliberale Koalition, die nebenbei bemerkt, ja weitaus weniger bewirkte als die gesellschaftliche Aufbruchsstimmung hergab.
Aber, werte Redaktion, in Ihren Archiven finden Sie sicher genug Anhaltspunkte, die die politisch gewollte Schlamperei der Aufklärungsarbeit erkennbar machen.
Das wäre doch eine lohnenswerte Aufgabe für eine/n Journalistenschüler/in.

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