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Bad Wörishofen

06.08.2018

"Oma Ingrid" ist fassungslos über elf Monate Haft

Die 84-jährige Ingrid Millgramm aus Bad Wörishofen muss erneut wegen Ladendiebstahls in Haft.
Bild: Alf Geiger

Als „Oma Ingrid, die vor Hunger klaute“ wurde die 84-jährige Ingrid Millgramm bekannt. Nun wurde sie wieder verurteilt und muss wohl elf Monate in Haft.

55 Tage und 15 Stunden saß Ingrid Millgramm im vergangenen Herbst in einer Doppelzelle der Memminger Justizvollzugsanstalt, weil sie in insgesamt sechs Fällen wegen Ladendiebstahls zu mehreren Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt worden war. Kurz vor Weihnachten kam sie vorzeitig aus der Haft frei. Das Ende einer langen Leidensgeschichte? Ingrid Millgramm versicherte damals: „Ich werde nie wieder etwas stehlen. Die Zeit im Gefängnis war das Schlimmste, was mir je passiert ist.“

Gut vier Monate später wurde die 84-jährige Bad Wörishoferin, die als „Oma Ingrid, die vor Hunger klaute“ bundesweit Schlagzeilen gemacht hatte, erneut beim Stehlen erwischt. Diesmal hatte sie diverse Kosmetikartikel, Sahnesteif und Haarklammern im Gesamtwert von 17,63 Euro geklaut und war von einem Ladendetektiv beobachtet worden.

"Oma Ingrid" leugnete die Diebstähle zunächst

Auf dem Weg zur Anklagebank: Ingrid Millgramm aus Bad Wörishofen.
Bild: Alf Geiger

Am Montag stand sie also erneut vor dem Amtsgericht in Memmingen – und zunächst leugnete sie alle ihr vorgeworfenen Diebstähle. In einer Prozesspause redeten ihr ihre beiden Rechtsanwälte offenbar eindringlich ins Gewissen – und plötzlich räumte die Rentnerin ein, doch gestohlen zu haben. Aber eben nicht alles, was der Ladendetektiv und die Polizei bei ihr gefunden hatten. Einen Teil der Waren habe sie lediglich umtauschen wollen.

Kann man eine Frau glauben, die schon mehrfach wegen ähnlicher Delikte rechtskräftig verurteilt wurde? Oder glaubt man da besser einem langjährigen, erfahrenen Ladendetektiv und einem Polizeibeamten, die gegen die einschlägig vorbestrafte 84-Jährige aussagen?

Für Amtsrichterin Erdt bestand gestern am Ende der gut zweieinhalbstündigen Verhandlung jedenfalls kein Zweifel mehr, dass Ingrid Millgramm auch diesen Ladendiebstahl begangen hatte. Und für die Richterin bestand auch kein Zweifel, dass nur eine Haftstrafe infrage kommt – zu schnell sei Ingrid Millgramm trotz der für sie sehr belastenden Gefängnisstrafe wieder rückfällig geworden.

Dennoch blieb die Richterin deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe von zehn Monaten gefordert hatte. Dass die Angeklagte aus Hunger oder bitterer Armut gestohlen habe, wollte ihr die Richterin nicht mehr glauben: „Es spricht so viel gegen Sie...“

Die 84-Jährige reagiert mit Unverständnis auf das Urteil

Vier Monate lang muss die 84-Jährige jetzt wegen diesem erneuten Ladendiebstahl ins Gefängnis – und da sie aus drei vorherigen Verurteilungen zu Gefängnisstrafen noch unter Bewährung stand, droht der Rentnerin jetzt eine lange Haftstrafe: Aus den alten Urteilen sind noch sieben Monate Haft offen, zusammen mit der neuen Verurteilung droht Ingrid Millgramm jetzt eine Gesamtstrafe von elf Monaten in der Justizvollzugsanstalt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ingrid Millgramm selbst nahm das Urteil fast apathisch auf, musste erst bei ihren Rechtsanwälten nachfragen: „Wie lange?“ Für einen Moment schien sie die Fassung zu verlieren, saß zusammen gesunken auf ihrem Stuhl – doch als die aus ganz Deutschland angereisten Medienvertreter sie vor die Kameras zerrten, hatte sie ihre Haltung schnell wieder gefunden und machte deutlich, dass sie es nicht verstehen könne, dass man sie jetzt schon wieder ins Gefängnis stecke. „Ich hoffe nur, dass ich das nicht mehr erleben werde“, sagte sie in die laufenden TV-Kameras.

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