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Ingolstadt

19.09.2007

Orthodoxe kämpfen gegen den Freistaat um ihre Kirche

Bild: Harry Jung

Eine Welle der Solidarität quer durch alle Konfessionen und viele gesellschaftliche Schichten unterstützt die orthodoxen Christen in Ingolstadt. Die sollen nach Jahrzehnten ihr Gotteshaus räumen, weil es der Freistaat Bayern verkaufen möchte.

Vor über 62 Jahren haben die Ukrainer mit Genehmigung von Staat und Stadt ihre Kirche in dem alten Munitionsdepot im Herzen der Stadt einrichten dürfen. Aus der Ursprungszeit entdeckt man heute noch Ikonen oder Rednerpulte, die in der Not zusammengezimmert wurden - aus Kisten von Hilfslieferungen des Internationalen Roten Kreuzes. Nun ist die heile Welt der kleinen ukrainisch-orthodoxen und russisch-orthodoxen Kirchengemeinden zerrüttet: Der Freistaat Bayern will den Mietvertrag kündigen. Er hat einen Kaufinteressenten für das denkmalgeschützte Gebäude: Die Inhaberin einer benachbarten Sprachenschule möchte ihr Unternehmen in dem von den Ingolstädtern wegen seiner militärischen Vergangenheit "Patronenhaus" genannten Gebäude erweitern. Das Vorhaben der Dame, die auch für die CSU bei den Stadtratswahlen antritt, überrascht nicht nur die Orthodoxen. Denn das nahezu fensterlose Gebäude mit dem riesigen Tonnengewölbe und mehr als zwei Metern dicken Mauern ist nach Ansicht vieler für diese Zwecke ungeeignet.

Trotzdem: Die Immobilien Freistaat Bayern verhandelt im Auftrag des Finanzministeriums inzwischen intensiv mit den Orthodoxen, um sie zum Auszug zu bewegen. Alle bisherigen Angebote von Geschäftsführer Helmut Gropper lehnten die Glaubensgemeinschaften als nicht akzeptabel ab. Volle Unterstützung finden sie bei einem neuerdings gebildeten Freundeskreis, in den auch der katholische und der evangelische Dekan Vertreter entsandt haben. Die beiden großen Kirchen stellen sich mit ganzer Macht hinter die Orthodoxen und halten einen Auszug oder einen Umzug für unverhältnismäßig.

Weltweit die erste Gründung einer Auslandsgemeinde

Auch der Stadtheimatpfleger gehört zu den Unterstützern - schließlich handelt es sich um die weltweit erste Gründung einer Auslandsgemeinde der ukrainisch-orthodoxen Christen. Der Ingolstädter Stadtrat hat zwischenzeitlich einstimmig erklärt, dass man nur einer einvernehmlichen Lösung zustimmen werde. Gestern hat auch die SPD-Landtagsfraktion bei ihrer Klausurtagung darüber debattiert und einen Antrag an den Landtag gestellt: Der Freistaat möge von seinen Verkaufsabsichten zurücktreten.

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