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Porträt
10.09.2007

Der CSU-Senkrechtstarter

Foto: Fred Schöllhorn

Lange war seine politische Zukunft sehr unsicher. Nun hat CSU-Generalsekretär Marcus Söder wohl freie Bahn. Der bekennende Stoiber-Anhänger ("Ich war, bin und bleibe Stoiberianer") wird als aussichtsreichster Kandidat für das Umweltministerium gehandelt - auch wenn der CSU-Senkrechtstarter als umstritten in der CSU gilt.

Nach dem angekündigten Weggang von Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) zum Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kann CSU-Generalsekretär Markus Söder wieder hoffen. Er gilt als aussichtsreichster Nachfolger Schnappaufs im neuen Kabinett, das der designierte Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) aufstellen wird.

Der 40-Jährige hat schon vor fast einem Jahr damit begonnen, sich für das Umweltressort in Stellung zu bringen. Die Umweltpolitik spiele eine "zentrale Rolle", wenn die CSU auf Dauer mehrheitsfähig sein wolle, sagte er. Er schlug sogar bereits vor, das Ministerium umzubenennen. Künftig müsse in dem Namen auch der Klimaschutz auftauchen, forderte Söder. Außerdem solle das Ministerium künftig auch für die regenerativen Energien zuständig sein.

Damals hielt Schnappauf - noch - aufgeschreckt dagegen und machte deutlich, dass er der führende Umweltpolitiker der CSU sei. Doch jetzt hat Söder wohl freie Bahn. Die politische Zukunft des bekennenden Anhängers des scheidenden Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Edmund Stoiber ("Ich war, bin und bleibe Stoiberianer"), war lange sehr unsicher, wie er auch selbst einräumte. "Auf dem Platz, auf den die CSU mich dann stellt, werde ich der Partei dienen", sagte Söder im Frühjahr in ungewohnter Bescheidenheit. Noch ein paar Monate zuvor hatte er offen von höheren Weihen gesprochen. Ein Ministeramt würde ihm gut gefallen, war zu hören. Mit einem Posten als Staatssekretär würde er sich nicht abspeisen lassen.

Seine Karriere begann Söder in der Jungen Union, deren bayerischer Vorsitzender er von 1995 bis 2003 war. Schon als 16-Jähriger trat der gebürtige Nürnberger in die CSU ein. Seit 1994 sitzt er im Landtag. Bei Landtagswahlen schafft Söder immer wieder Bemerkenswertes: Bereits drei Mal hat er seit 1994 den Stimmkreis Nürnberg-West direkt gewonnen, eine eher von Arbeitern und "kleinen Leuten" geprägte Gegend. Hier liegt die Basis für die steile Karriere des 40-Jährigen. So richtig beliebt ist er aber unter seinen Abgeordnetenkollegen nicht, wie immer wieder aus der Fraktion zu hören ist. Gleiches hört man auch von den CSU-Vertretern im Bundestag.

Wie kaum ein anderer in der CSU-Führungsriege hat der gelernte TV-Journalist und promovierte Jurist Söder bislang mit provokativen Äußerungen und zuweilen seltsamen Aktionen auch die eigene Partei immer wieder überrascht. Als der Rundfunk Berlin-Brandenburg 2003 über die Einstellung des Ost-Sandmännchens nachdachte, organisierte Söder - kurz vor seiner Ernennung zum CSU-Generalsekretär - den Widerstand. Er bot der Figur sogar Asyl im Bayerischen Rundfunk an. Nur wenige Monate später nahm er sich der Mainzelmännchen des ZDF an und beklagte deren Modernisierung: "Sie haben ihre Seele verloren." Da sprach wohl nicht zuletzt auch der Familienvater Söder. Der evangelische Christ ist verheiratet mit Karin Baumüller, der Tochter eines Nürnberger Unternehmers. Vor wenigen Wochen wurde das dritte Kind des Paares geboren. Söder hat zudem eine Tochter aus einer früheren Beziehung. Der CSU-Politiker ist bekennender Fan des 1. FC Nürnberg: "Wann immer es geht, bin ich im Stadion bei meinem Lieblingsverein."

Einen Namen machte sich Söder als Lautsprecher der CSU. Ob SPD oder Grüne, der Islam oder die Werterziehung an den Schulen - immer wieder brachte sich der CSU-Generalsekretär in die Schlagzeilen. "Für die CSU ist klar: Weihnachten ist uns wichtiger als Ramadan. Glockenläuten gehört mehr zu unserem Land als der Imam-Ruf", oder auch: "Die neuen Bundesländer brauchen dringend mehr christliche Mission", waren nur einige der Sprüche, mit denen Söder in die Offensive um die Lufthoheit über den Stammtischen ging.

Was den der Polemik ebenfalls nicht abgeneigten bayerischen SPD-Chef Ludwig Stiegler zu dem kurzen Reim veranlasste: "Söder hetzt von Tag zu Tag blöder." Und auch vom Kabarettisten Django Asül bekam Söder beim Münchner Starkbieranstich im Frühjahr seit Fett weg. Bei Söder zeige sich, "wie nah Sekret und Sekretär einander sind", ätzte Asül.

Doch Söder erreichte damit zumindest, dass man ihn kennt. "In meiner Alterskategorie von 40 Jahren gibt es immerhin nicht so viele in der Partei", betonte er selbst. Und das ist auch eines der wenigen positiven Argumente, die sich andere führende CSU-Vertreter für Söder entlocken lassen. Für den oft geforderten Generationenwechsel in CSU und Staatsregierung wäre er zumindest vom Alter und von der Bekanntheit her ein geeigneter Kandidat.

Auch wenn Oppositionsführer und SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget die Vorstellung von Söder als Umweltminister erschaudern lässt: "Das wäre wirklich die schlechteste Lösung. Söder ist ein lupenreiner Versorgungsfall."

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