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Prozess in München
26.06.2014

Nach Penisamputation: Mann fordert 767.000 Euro Schmerzensgeld

Ein 34-jähriger Mann verklagt seinen Urologen auf Schmerzensgeld. Er habe eine Sepsis nicht erkannt.
Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

Ein Mann fordert Schmerzensgeld von seinem Arzt, weil dieser seine Erkrankung nicht richtig erkannt hat. Dem 34-jährigen musste nicht nur das Geschlechtsorgan amputiert werden.

Wegen fehlerhafter Behandlung fordert ein inzwischen zu 100 Prozent erwerbsunfähige Kläger vor dem Oberlandesgericht München von einem Urologen Schadenersatz und Schmerzensgeld von insgesamt 767 000 Euro. Das Gericht will am 24. Juli entscheiden.

Nach einem septischen Schock mussten dem 34-Jährigen der linke Unterschenkel und der Penis amputiert werden. Der Mann ist zeugungsunfähig und sitzt im Rollstuhl.

Mit Schmerzen in Brust und Bauch war der damalige Lagerist 2009 zunächst zu seinem Hausarzt gegangen, der ihn nach Ausbreitung der Schmerzen auf den Genitalbereich an einen Urologen überwies. Dieser untersuchte per Ultraschall und verordnete ein Antibiotikum, das die Beschwerden nicht linderte.

Patient verklagt Urologen: Nach Fehldiagnose waren Amputationen nötig

Ein anderer Facharzt diagnostizierte eine Dauererektion ohne sexuelle Erregung (Priapismus) und schickte den Patienten ins Krankenhaus. Dort entwickelten sich neben einem septischen Schock und Nierenversagen Gewebezerstörungen, die Amputationen erforderten.

Vor dem Landgericht Traunstein wurde die Klage des 34-Jährigen nach einem Expertengutachten abgewiesen, da keine Fehlbehandlung erkannt wurde. "Wir haben hier das Ergebnis eines schicksalhaften Verlaufs, nicht das eines Behandlungsfehlers", betonte im  Berufungsprozess der Anwalt des Urologen.

Der Patient lebt wieder im Elternhaus, nachdem die Beziehung zur Mutter seines Kindes an seiner Leidensgeschichte zerbrochen war. Die jetzt sechsjährige Tochter halte ihn aber auf Trab, sagte der Mann am Rande der Sitzung. Dank Ergotherapie und Krankengymnastik kann er kurze Strecken mit Krücken gehen. Er benötigt ständig starke Medikamente, wegen der seelischen Folgen ist er immer noch in Psychotherapie. dpa/lby/AZ

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