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Bäder-Petition

26.09.2019

"Rettet die Bäder": Wie dramatisch ist die Lage in der Region?

Ein trauriger Anblick, so ein verlassenes Schwimmbad: Mit Bildern wie diesem werben die Initiatoren der Petition „Rettet die Bäder“ gegen die Schließung öffentlicher Bäder.
Bild: Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Plus Mehr als 130.000 Menschen kämpfen mit einer Petition gegen die Schließung öffentlicher Schwimmbäder. Ein Blick in unsere Region gibt Hoffnung.

Bürgermeister Bernhard Dolp war gerade einmal ein paar Wochen im Amt, da hatte er schon einen äußerst unangenehmen Termin: Bei herrlichstem Badewetter musste er in das gut besuchte Freibad der Marktgemeinde Unterthingau (Landkreis Ostallgäu) ausrücken und die Badegäste freundlich, aber bestimmt darauf hinweisen, dass sie das Bad doch bitte verlassen sollen. Das Gesundheitsamt hatte die sofortige Schließung des Freibades aus den 1930er Jahren wegen mangelhafter Wasserqualität angewiesen. „Das hat keinen Spaß gemacht“, erinnert sich Dolp heute, sechs Jahre später.

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Zwar konnte das Bad wenig später wieder öffnen, doch über Jahre hinweg blieb es in der 2900-Einwohner-Gemeinde ein Ärgernis mit weiteren Sperrungen, ehe 2016 klar war: So geht es nicht weiter. Das Freibad wurde geschlossen – und Unterthingau landete als einzige schwäbische Kommune auf einer Liste der Bayerischen Staatsregierung mit insgesamt 18 geschlossenen Schwimmbädern im Freistaat zwischen 2016 und 2018. Bundesweit wurden nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in den vergangenen 17 Jahren durchschnittlich 80 Schwimmbäder pro Jahr geschlossen, also jeden vierten Tag eines. Deutschland werde so zum „Land der Nichtschwimmer“, mahnt der der Verband an.

 

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Aus diesem Grund startete die DLRG im vergangenen Jahr eine Petition mit dem Titel „Rettet die Bäder“ und sammelte mehr als 130.000 Unterschriften, die am Mittwoch an den Deutschen Bundestag übergeben wurden. „Bäder bauen, nicht wegrationalisieren! Die Wassersicherheit in Deutschland ist akut gefährdet, solange dieser Trend nicht gestoppt wird“, forderte DLRG-Präsident Achim Haar.

60 Prozent der Zehnjährigen können nicht sicher schwimmen

Die Lebensretter beklagen schon länger, dass die Menschen in Deutschland schlechter schwimmen können, insbesondere treffe das Kinder. Rund 60 Prozent der Zehnjährigen sind laut einer Studie aus dem Jahr 2017 keine sicheren Schwimmer. Ein Viertel der Grundschulen in Deutschland habe keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad und müsse lange Wege in Kauf nehmen oder auf den Schwimmunterricht gar verzichten. Mit ihrer Petition fordert die DLRG einen bundesweiten Masterplan zum flächendeckenden Erhalt und der Sanierung von Schwimmbädern. Der Finanzbedarf betrage etwa 14 Milliarden Euro.

Allein in Bayern liegt der Bedarf für die rund 860 öffentlichen Bäder bei etwa einer Milliarde Euro, erklärt ein Verbandssprecher und beruft sich auf Zahlen der Staatsregierung aus dem Jahr 2018. Viele Kommunen seien mit der Sanierung und dem Betrieb der Bäder finanziell überfordert, was immer wieder zu Schließungen führe. In unserer Region zeigt sich jedoch, dass sich viele Kommunen – oft mithilfe der Bürger und viel Steuergeld – standhaft gegen Schließungen wehren.

In Unterthingau wurde ein Verein gegründet, der mit großem Einsatz die Wiedereröffnung des Freibades in diesem Jahr ermöglichte. Im Kreis Günzburg schlossen sich mehrere Kommunen zur Rettung des Leipheimer Gartenhallenbades zusammen. Eine Idee, wie sie im Kreis Donau-Ries für das seit 2010 geschlossene Bad in Mönchsdeggingen ebenfalls angedacht ist.Und andernorts werden sogar neue Bäder gebaut. So wurde in Fischach im Augsburger Land ein Naturfreibad eröffnet, in Lindenberg (Kreis Lindau) wird ein 45 Jahre altes Bad abgerissen und durch ein neues ersetzt und in Augsburg wird über den Bau zweier neuer Bäder diskutiert.

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26.09.2019

Wann sieht die Gesellschaft endlich die Gesamtzusammenhänge?!
Dadurch, dass Kinder nicht mehr die ersten Jahre bei den Eltern aufwachsen, sondern in Kitas fremdbetreut werden, gehen sie auch nicht mehr so häufig ins Schwimmbad, somit sinkt die Nachfrage und die Bäder werden geschlossen.
Zu sagen, dass die Kinder nicht schwimmen können, da keine Bäder vorhanden sind, ist eine Verdrehung von Ursache und Wirkung.
Wir müssen weg von der Fremderziehung, zurück zum Familenverbund, der deutlich mehr ist, als eine Wohngemeinschaft mit Gute-Nacht-Kuss!

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