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Architektur

01.09.2017

Riesenspektakel um eine Brücke

Was für ein imposantes Bauwerk, die König-Ludwig-Brücke in Kempten, die über die Iller führt. Jetzt muss das gute Stück saniert werden.
Bild: Martina Diemand

Die König-Ludwig-Brücke in Kempten gilt als einzigartiges Ingenieur-Denkmal. Doch nun muss das historische Teil aufwendig abgebaut werden

Seit über 160 Jahren fließt die Iller in Kempten unter der König-Ludwig-Brücke hindurch. In dieser Zeit haben unzählige Zugpassagiere und später Autos, Radfahrer und Fußgänger die rund 35 Meter hohe Brücke passiert. Vor vier Jahren allerdings wurde das historisch bedeutende Holzbauwerk gesperrt. „Die Standsicherheit war für die öffentliche Nutzung nicht mehr ausreichend“, sagt Kemptens Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann. Nun aber kehrt langsam wieder Leben auf der Brücke ein. Denn in wenigen Tagen soll sie mit großem Aufwand in drei Teile geteilt und abgebaut werden, um sie anschließend zu sanieren. „Das wird ein Riesenspektakel“, sagt Wiedemann.

Die gut 120 Meter lange Brücke mit Holzgitterträgern wurde von 1847 bis 1851 errichtet. Sie gilt als einzigartiges Denkmal des frühen Eisenbahnzeitalters und als Zeugnis der Eisenbahnerschließung Bayerns. Die Fachwerk-Bauweise wurde von dem amerikanischen Ingenieur William Howe entwickelt. Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums verfügt Kempten über das einzig verbliebene Beispiel der Howe-Träger-Brücken in Deutschland. Wiedemann geht noch weiter: „In dieser Größe ist die König-Ludwig-Brücke die weltweit einzige erhaltene Holz-Fachwerk-Brücke.“ Aufgrund seiner Bedeutung wurde das unter Denkmalschutz stehende Bauwerk 2012 von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und der Bundesingenieurkammer als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet.

Auch Stefan Winter von der TU München spricht von einem „großartigen Ingenieur-Denkmal, das auf jeden Fall erhaltenswert ist“. Er ist Professor am Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion und als Prüfingenieur neben vielen anderen Experten an der Sanierung beteiligt. Er weiß, was der alten Brücke fehlt: „Sie steht relativ exponiert und bekommt viel Schlagregen ab. Dadurch verrotten die Anschlüsse.“

Um die schadhaften Holzteile auszutauschen, ist ein aufwendiger Abbau nötig. Und der sieht so aus: Die Brücke wird in drei Felder geschnitten, die von der parallel verlaufenden Autobrücke aus von zwei Schwerlastkränen ausgehoben werden. Tieflader bringen die bis zu 100 Tonnen schweren und 57 Meter langen Brückenteile auf eine sogenannte Feld-Werkstatt – den Parkplatz der nahegelegenen Berufsschule. Dort wird die Brücke saniert und anschließend wieder über der Iller eingebaut.

„Das Ganze wird sehr spektakulär. Die beiden Kräne sind so groß, dass sie alle vier Fahrspuren der Straße ausfüllen“, sagt Wiedemann. Die Vorbereitungen vor Ort laufen, in der ersten Septemberwoche soll der Aushub erfolgen. Der Einbau der Brücke ist für Ostern 2018 geplant, die Fertigstellung für Ende nächsten Jahres.

Die Kosten für das Großprojekt belaufen sich nach Angaben des Tiefbauamtes auf 5,2 Millionen Euro. Vom Bundesbauministerium erhält die Stadt Kempten im Rahmen des Programms „Nationale Projekte des Städtebaus“ 2,2 Millionen Euro, 950000 Euro stellt der Freistaat aus dem Entschädigungsfonds für die Denkmalpflege bereit. Auch der Bezirk Schwaben und die Bayerische Landesstiftung stellen Mittel zur Verfügung, sodass für die Stadt ein Eigenanteil von rund 1,7 Millionen Euro bleibt.

Nach der Instandsetzung soll die Brücke wieder für Fußgänger und Radfahrer freigegeben werden. Außerdem soll sie „erlebbar“ gemacht werden, wie Wiedemann sagt. Dazu sei eine Neugestaltung des Umfeldes unter anderem mit barrierefreiem Zugang, Aussichtsplattformen und Informationstafeln geplant. Bei Stadtführungen soll Besuchern künftig ermöglicht werden, einen Blick in das begehbare Brückeninnere zu werfen.

Dass die Stadt Kempten noch lange Freude an der betagten König-Ludwig-Brücke haben wird, davon ist der Ingenieur Stefan Winter überzeugt: „Mit einem besseren Holzschutz, den die Brücke zwingend braucht, übersteht sie weitere 150 Jahre“, sagt er und ergänzt: „Wenn Holz trocken bleibt, hält es ewig.“ Birgit Ellinger, dpa

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