Newsticker
Sieben-Tage-Inzidenz steigt wieder und liegt jetzt bei 442,1
  1. Startseite
  2. Bayern
  3. Rock im Park 2014: RIP 2014 Tag 1: Die Guten und die Bösen (und die Hässlichen?)

Rock im Park 2014
07.06.2014

RIP 2014 Tag 1: Die Guten und die Bösen (und die Hässlichen?)

4 Bilder
Foto: Daniel Karmann

Rock im Park 2014 in Nürnberg wartet mit ganz neuen Gefühlen auf. Denn das Wetter ist nicht nur gut, sondern traumhaft. Ob die schlammerprobte Festivalgemeinde damit umgehen kann?

Helau! Ein ganze neues Gefühl bei „Rock im Park“: Über das Wetter muss man sich mal keine Gedanken machen, es ist tatsächlich prächtig, wird so bleiben, unglaublich, aber wunderbar und Schluss. Wobei: Natürlich doch nicht ganz. Denn es gilt ja schließlich Muttis ewige Mahnung zu befolgen und bei Hitze auch ja das Trinken nicht zu vergessen.

Ein erster Rundblick übers Gelände inklusive der wieder dichtest bezelteten Auen um den Dutzenddeich herum herum an Tag 1, hat ergeben: kein Problem, dafür ist gesorgt.

Der halbe Liter Bier kostet hübsche 4,80 Euro

Und privat vorsorgen ist wie immer besser, denn das einzig leckere Bierchen, das es nur im Biergarten gibt, kostet denn mal hübsche 4,80 für den halben Liter. Und viele haben Mutti noch weiter zugehört und auch gleich mal für einen Run auf die Stände mit den Strohhüten gesorgt, weil, richtig, Kopfbedeckung ist wichtig. Ohne Regenwolkensorgen aber kann sich zumindest ein Geschlecht ganz auf übliche Sommerqualitäten kaprizieren und mit erstaunlichen Dichte an Sommerkleidchen aufwarten. Ist aber sicher auch der offenkundig immer weiter steigenden Zahl an nicht campenden Besuchern geschuldet, dass der ranzige Zeltplatz-Chic nach und nach etwas ins Hintertreffen gerät. Beim anderen Geschlecht wiederum ist das weitgehend egal, die Jungs zeigen einfach, was sie sich brav im Fitnessstudio für solche Anlässe zurechtgelegt haben, mein Gott, sind das durchtrainierte Zeiten, in denen wir da so leben.

Metallica: Freitagabend gab es Musik von den alten Herren

Aber wenn nun ja auch die alten Herren von Metallica langsam wirken wie innerlich befriedete, ihr (Star-)Dasein genießende Väter einer Familie mit Millionen Mitgliedern!? Natürlich waren Hetfied, Hammett, Trujillo und Ulrich die Abräumer des ersten Tages. Hübsch und zeitweise mitreißend, was In Extremo und Alter Bridge und Avenged Sevenfold zuvor auf der Centerstage boten, und mehr als hinreichend amüsant auch, was danach Rudimental und Klangkarussell in der Clubstage zeigten – aber die zweieinhalb Stunden mit den Routiniers aus San Francisco waren auch ohne Feuerwerk und nicht viel mehr als großen Videowalls ein Spektakel: brillanter Sound, die Herren bestens bei Kräften und dann noch das Wunschprogramm.

Die Fans nämlich dürfen sich auf dieser Tour von Metallica online zu jedem Konzert das Set selber wählen. Ob das zum Durchdachtesten und Besten führt, kann durchaus sinnvoll angezweifelt werden – und ob das nicht eine etwas arg entseelte Heranschmeiße, ein bisschen viel Servieren der eigenen Kunst nach Belieben ist, auch. Fans jedenfalls durften denn auch auf die Bühne und Songs ankündigen, weil, Papa James als Kopf des Volksbeseelungsprogramms und Zeremonienmeister dieser alten, glücklichen Rocker, schrie es in die natürlich ohne Alternativprogramm zumal proppenvolle Centerstage: „Metallica loves you!“

Sonst schrie er nach der mal wieder einleitenden Filmsequenz aus dem grandiosen Western "The Good, the Bad & the Ugly" (noch immer unfassbar übersetzt bekanntlich mit "Zwei glorreiche Halunken") viel vom Üblichen: Nach „Battery“ zum Einstieg gleich mal „Master of Puppets“, das freilich top-gevotet wurde wie auch „One“ und das abschließende „Seek and Destroy“ und zwischendrin „Sad but true“ und „Unforgiven“ und „Enter Sandman und – unvermeidlich – „Whisky in the jar“. Aber neben sowie oft Klassikern wie „And Justice for all“ gab’s nun auch mal „Creeping Death“, und bei der Spontanabstimmung während des Konzerts siegte dann auch noch sehr seltene „The Day that never comes“ vor „Whereever I may roam“ und „Fuel“, so dass ein komisches Set daraus wurde, von den Herren aber routiniert und freudig bis zur Brillianz vorgetragen. Immer wieder: schön schön.

Heute abend sind die Kings of Leon Headliner

So leicht werden es die Kings of Leon heute abend nicht haben als Headliner. Ganz schön viele werden den parallel zu den Brüdern Followill auf der Alternastage musizierenden Josh Homme mit seinen Queens of the Stoneage hören wollen, jede Wette, der Nachmittag lädt schön zum Flanieren ein (Jake Bugg, Kasabian, Gogol Bordello, Architects, …), der späte Abend aber wird das Knallerdoppel der nächsten alten Herren des Rock: Kurz vor Mitternacht legt Trent Reznor mit den Nine Inch Nails los und ab 1 Uhr gibt’s Anthrax, einst aus dem gleichen Loch gekrochen wie Metallica.

Und natürlich gibt’s Sonne, Kleidchen und genug zu trinken.

Ach, und neue Marsmenschen auf dem Gelände, zusätzlich zu all den Morphsuits und Schminkungen und so. Es sind vielerorts junge, ordentlich gekleidete Herren vom ADAC, die wohl für ein neues Image aber auch Mitglieder für eine Zukunft des Vereins werben wollen – wohl nicht zufällig hier in Bereichen von Menschen, die Engelsstürze eher geil finden, wenn sie von E-Gitarren unterlegt sind. Ganz neue Alliancen und Sponsorenmöglichkeiten tun sich da, morgen etwa: Wird der ADAC Slayer präsentieren?

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.