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Skiunfall in Oberjoch

05.09.2019

Salto ins Unglück: So kämpfte ein Sportler um Schmerzensgeld

Immer wieder wagen Wintersportler spektakuläre Sprünge – manchmal aber misslingen sie. Ein Wintersportler, der seit seinem Unfall in Oberjoch gelähmt ist, bekommt nun Schmerzensgeld.
Bild: Mark Reis/ZUM, dpa (Symbolbild)

Ein Wintersportler wagt ein riskantes Kunststück – der Sprung misslingt, der Mann ist seither gelähmt. Nun muss ein Bergbahnbetreiber 280.000 Euro zahlen.

Der 11. Januar 2014. Es ist der Tag, an dem sich das Leben eines 46 Jahre alten Wintersportlers für immer ändert. Der Mann ist an jenem Tag mit seinen neun und elf Jahre alten Söhnen beim Skifahren am Oberjoch. An einer Sprungschanze im Funpark will er gegen Mittag einen Rückwärtssalto machen. Doch der Sprung misslingt. Der Skifahrer schafft nur eine halbe Drehung und kommt mit dem Kopf voran auf einem Sprungkissen auf, das Stürze abfedern soll. Doch der Man erleidet unter anderem eine Dreiviertel-Fraktur der Halswirbelsäule. Nach dem missglückten Rückwärtssalto ist er vom Hals abwärts gelähmt.

Nach misslungenem Salto: Schmerzensgeld und eine lebenslange Rente

Heute, fünf Jahre später, ist klar: Die Bergbahnen Bad Hindelang-Oberjoch müssen dem mittlerweile 51-Jährigen 280.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) München in einem Berufungsverfahren entschieden. Die Bergbahnen müssen ihm zudem eine lebenslange monatliche Schmerzensgeldrente in Höhe von 350 Euro zahlen. Außerdem hat das Unternehmen ihm die Schäden durch den Unfall zu zwei Dritteln zu ersetzen. Gegen dieses Urteil ist keine Revision zugelassen.

Eine Zivilkammer des Augsburger Landgerichts hatte in erster Instanz die Klage des Mannes vollständig abgewiesen. Demgegenüber kam das OLG zu dem Schluss, dass der Bergbahnbetreiber seiner Verkehrssicherungspflicht nicht im erforderlichen Maße nachgekommen sei.

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Der Kläger hatte unter anderem geltend gemacht, dass er nicht hinreichend über die Risiken eines Rückwärts-Saltos an der Sprungschanze aufgeklärt worden sei. Zudem sei ein Sprungkissen in einem derart ungünstigen Winkel gelegen, dass die Verletzungsfolgen so heftig waren.

Hat die Bergbahn alles unternommen, um Unfälle zu verhindern?

In der Gerichtsverhandlung ging es unter anderem um die Frage, ob die Bergbahn alles unternommen hat, um eine Schädigung anderer durch die Anlage zu verhindern. In zweifacher Hinsicht sei der Bergbahnbetreiber dieser Verpflichtung nicht nachgekommen, befand das OLG. Benutzer der Anlage seien nicht ausreichend auf die Gefahren hingewiesen worden, die mit der Ausführung eines Saltos verbunden sind. Auch sei das Sprungkissen nicht nach den Vorschriften des Herstellers verwendet worden.

Das Bergbahnunternehmen hatte argumentiert, auf einem Schild („Hinweise zur Benutzung des Bagjumps“) seien Wintersportler auf die Gefahren eines Sprungs hingewiesen worden. Demgegenüber heißt es unter anderem in der Urteilsbegründung: „Denn um welche Gefahr (welcher Verletzungen) es sich handelt, wird eben gerade nicht erörtert...“

Der heute 51-jährige Familienvater hatte nach dem Unfall sein Haus für 78.000 Euro rollstuhl- und behindertengerecht umbauen lassen. Er hatte sich in dem Rechtsstreit auf den Standpunkt gestellt, das Bergbahnunternehmen treffe die alleinige Schuld an dem verhängnisvollen Unfall. Die Richter aber sahen bei ihm ein Mitverschulden von einem Drittel.

Die Sprunganlage mit dem Luftkissen sei seit dem Unfall nicht mehr in Betrieb, sagte eine Bergbahn-Mitarbeiterin auf Anfrage unserer Redaktion. Nach dem dramatischen Unglück hatte die Kemptener Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet, diese allerdings später wieder eingestellt.

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06.09.2019

Keine Frage, ein schlimmer Unfall, und dem Opfer wünsche ich alles erdenklich Gute. Aber mal ehrlich: Muss für jede erdenkliche Gefahr ein Warnschild angebracht werden? Dass ein solcher Salto mit erheblichen Risiken verbunden ist, sagt einem doch der gesunde Menschenverstand. Muss da echt jeder denkbare Unfall auf einem Warnschild stehen, muss jede denkbare Folge des eigenen Tuns und Handelns einem schriftlich dargebracht werden? Als nächstes fordert der Pilzsammler, der einen giftigen Pilz in einem Wald gefunden und später verspeist hat, vom Waldbesitzer Schadenersatz, weil der es versäumt hat, rund um den Wald große Hinweisschilder aufzustellen, dass im Wald nicht nur Steinpilze, sondern auch etliche giftige Pilze wachsen. Kann ich kein Küchenmesser mehr kaufen, ohne dass ein Warnschild in der Besteckabteilung angebracht ist "Vorsicht!! Wenn Sie sich damit ins Herz stechen, können Sie sterben". Wie gesagt, das ist jetzt echt nicht zynisch geneint, aber in den letzten Jahren greift das immer mehr um sich, dass für eigene Fehler bzw. für selbst eingegangenes, klar erkennbares Risiko die Allgemeinheit verantwortlich gemacht wird.

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06.09.2019

Das war auch mein erster Gedanke. Eigentlich braucht es kein Warnschild auf dem erklärt wird, dass ein Salto gefährlich ist. Was hier aber ein bisschen spezieller ist, wenn ich das richtig verstanden habe: Es gab dort so ein Sprungkissen, das nicht nach Herstellervorgaben aufgestellt worden ist. Vielleicht wähnte sich der Kläger so in einer gewissen "Sicherheit", die sich letztlich als trügerisch herausstellte. Ohne Kissen hätte er es vielleicht gar nicht erst probiert - wir wissen es nicht.

Dennoch finde ich es auch etwas dreist, die Bergbahn auf alleinige Schuld zu verklagen. Hier hat das Gericht ja zumindest ein Drittel der Schuld dem Kläger zugeschlagen. Tragisch in jedem Fall die ganze Sache.

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