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Mundschutz und Gesichtsmasken

31.01.2020

Schutz vor Coronavirus: „Die Leute kaufen alles, was sie kriegen können“

Inzwischen sind auch in der Region immer häufiger Menschen mit Gesichtsmasken auf der Straße zu sehen.
Bild: Fabian Strauch, dpa (Symbolfoto)

Plus Obwohl Mundschutz kaum vor einer Ansteckung schützt, ist die Nachfrage danach explodiert. Einer der größten Importeure sitzt im Allgäu und muss viele Kunden enttäuschen.

Menschen mit Masken vor dem Mund kennt man bislang vor allem von Bildern aus China oder seinen Nachbarländern. Doch inzwischen sieht man auch in Bayern immer wieder Menschen mit dem Schutz für Mund und Nase vor dem Gesicht auf der Straße. Als Schutz vor einer Vireninfektion ist das zwar ziemlich wirkungslos. In Asien tragen Menschen Masken, um etwa bei einer Erkältung niemanden in ihrer Umgebung anzustecken. Dennoch berichten Apotheken hierzulande von einer sprunghaft gestiegenen Nachfrage, in manchen Orten sind Masken sogar ausverkauft.

Einer der größten Importeure und Hersteller für Schutzkleidung, Hygiene, Medizin und Pflegebedarf in Deutschland hat seinen Sitz in der Region: das Familienunternehmen Franz Mensch in Buchloe. Vertriebsleiter Tobias Neumann hat dort derzeit eine Aufgabe, um die ihn Berufskollegen eigentlich beneiden müssten: Die Nachfrage nach Mund- und Atemschutzmasken der Firma ist so groß, dass Neumann und seine Kollegen Bestellungen reihenweise ablehnen müssen.

Nicht nur Masken, auch Handschuhe, Feinstaubmasken, Schutzanzüge und -brillen sind plötzlich heiß begehrt. „Wir haben aufgrund unserer Größe einen gewissen Bestand. Aber auch unser Lager war nach ein bis zwei Tagen leer gekauft. Jetzt versuchen wir alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um zumindest unsere Bestandskunden mit geringeren Mengen versorgen zu können. Teilweise sind wir bis Mitternacht damit beschäftigt, Anfragen zu sortieren und zu bearbeiten“, sagt Neumann.

„Die Leute kaufen mittlerweile alles, was sie noch kriegen können“

Schuld an dem Engpass ist aber gar nicht so sehr die Nachfrage in Deutschland. „Die Masken werden zum großen Teil in China produziert, wesentliche Werke sind ausgerechnet in Wuhan. Die Regierung hat den Produzenten jetzt aber den Export untersagt, weil sie die Masken selber brauchen“, erklärt Neumann. Zudem sei die Produktion vielerorts eingestellt, weil die Arbeiter nicht mehr in die Fabriken dürften. Inzwischen landeten bei ihm sogar immer häufiger Anfragen von chinesischen Einzelpersonen oder Organisationen, die versuchten Masken zu kaufen, um sie wieder nach China zu schicken.

Eine Folge der akuten Knappheit seien jetzt auch explodierende Preise. „Wir nutzen die Situation definitiv nicht aus, sondern schlagen auf den Einkaufspreis weiterhin nur unsere normale Marge auf“, versichert Neumann. Wenn die Preise im Einkauf aber so rasant stiegen, seien auch die Verkaufspreise höher. „Die Leute kaufen mittlerweile alles, was sie noch kriegen können, Atemschutzmasken, Feinstaubmasken, in Blau, Grün oder Weiß, völlig egal“, sagt der Vertriebsleiter.

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Sorgen, dass Krankenhäusern die Masken ausgehen könnten, die dort täglich in großer Zahl verbraucht werden, müsse man aber nicht haben. „In der Regel haben die über ein- oder zweijährige Lieferverträge ihre Ware und die Preise garantiert. Was passieren könnte, ist, dass sich der Nachschub etwas verzögert. Aber für solche Engpässe gibt es immer Reserven“, so Neumann weiter. An Privatkunden verkauft Franz Mensch nicht. Stattdessen decken sich bei dem Unternehmen nun aber Firmen oder Institutionen mit Masken ein, die das sonst nicht täten. „Zum Beispiel kann es sein, dass eine Messe bei uns anfragt, eine Fluglinie oder ein Flughafen. Servicepersonal geht zum Beispiel jetzt oft nur noch mit Schutzanzug und Maske in Flieger, die aus China gelandet sind“, erklärt Neumann.

Gesichtsmasken seien zum Schutz vor Ansteckungen ungeeignet

Experten sehen derzeit keine Notwendigkeit für Maßnahmen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Gesichtsmasken seien dafür ungeeignet, erläutert Bernd Salzberger, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Sie sind etwa dafür gedacht, dass aus dem Atemtrakt von Chirurgen keine möglicherweise infektiösen Tröpfchen in das Operationsgebiet gelangen. Das Robert Koch-Institut rät zum Schutz vor einer Ansteckung „ganz besonders in Regionen mit Erkrankungsfällen durch das neuartige Coronavirus“ zu guter Händehygiene, „Husten- und Nies-Etikette“ sowie Abstandhalten zu Erkrankten. Diese Schritte seien aber wegen der Grippewelle „überall und jederzeit angeraten“. (mit dpa)

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