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Glaube

22.03.2016

Schwester Marietta fertigt Hostien in Handarbeit

Etwa 50 kleine Laienhostien entstehen bei einem Backgang.

Schwester Marietta verlässt sich vor allem auf ihr Gefühl, wenn sie Hostien fertigt. 10.000 Stück pro Woche. Und alles in Handarbeit

Marietta Kirchenmaier ist eine Frau mit Ordnungssinn. Alle Geräte, auf die es ankommt, stehen in dem länglichen Raum in einer Reihe. Der Kühlschrank, die Teig-rührmaschine, zwei Backeisen, eines Jahrgang 1947, das andere Jahrgang 1962. Dann folgt eine Stanzmaschine. Und dann noch ein Schreibtisch, in dessen Schublade ein großer Stanzstempel liegt. Den holt sie raus – ebenso wie ihre weißen Handschuhe. Dann nimmt sie mit dem Ausstanzgerät Maß auf der runden Oblatenscheibe, auf der etwa 50 kleine Laienhostien und drei große Hostien, die für den Pfarrer bestimmt sind, vorgeformt wurden. Die Franziskanerin ist Hostienbäckerin im Kloster Ursberg. Dienstags, mittwochs und donnerstags wird gebacken – vom frühen Vormittag bis zum späten Nachmittag. Etwa 10.000 kleine Hostien werden auf diese Weise jede Woche in Handarbeit gefertigt.

Kirchenrecht schreibt vor, wie der Teig auszusehen hat

„Friede dem Kommenden, Freude dem Bleibenden, Segen dem Scheidenden“, steht auf der kleinen hölzernen Tafel, die seitlich im Türrahmen zum Eingang der Ursberger Hostienbäckerei angebracht ist. Drinnen wartet eine freundliche Frau mit wachen Augen. Den Teig für die Backvorführung hat sie schon angerührt. Was für den Teig verwendet werden darf, ist genau vorgeschrieben – durch das Kirchenrecht. „Das Brot muss aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein, sodass keine Gefahr der Verderbnis (periculum corruptionis) besteht“, heißt es dort in dem Abschnitt, in dem es um „Riten und Zeremonien der Feier der Eucharistie“ geht – eine Art vatikanisches Reinheitsgebot.

Eine ganze Litanei an Vorschriften und Ratschlägen ist in der Hostienbäckerei neben dem Waschbecken angeschlagen. Die „Anleitung zur Bedienung und Pflege der Hostien-Backeinrichtungen“ braucht Schwester Marietta schon lange nicht mehr. Sie backt hier seit zehn Jahren die Hostien und verlässt sich vor allem auf eines: ihr Gefühl. Die Franziskanerin greift in einen Messbehälter, der mit Wasser gefüllt ist. Dann schnippt sie zwei bis drei Tropfen auf das Backeisen, das wie ein Waffeleisen funktioniert. Wenn das Wasser in der von der Nonne als passend empfundenen Zeitspanne verdampft, hat das alte Eisen die richtige Temperatur. Einen Schöpflöffel voller Teig gibt sie darauf und schließt das Backgerät. Es zischt und dampft, vor allem, wenn zweimal ein Hebel umgelegt und damit die Oberseite des Eisens gelockert wird. Vor dem endgültigen Anheben wird mit einem Messer der Teil des Teiges abgeschnitten, der über den Rand hinausgequollen ist.

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Mit ihrem ersten Versuch ist Schwester Marietta nur bedingt zufrieden. Hier und dort, meint sie, könnten die Formen des Hostieneisens, die auf dem Teig aufgebracht werden, noch deutlicher hervortreten. Versuch zwei ist dann „nicht so schlecht“. Die 76-Jährige, die bereits mit 15 Jahren in die St.-Josefs-Kongregation Ursberg eintreten wollte, nimmt besonders das auf einer Priesterhostie abgebildete Lamm in Augenschein, um die „Erhabenheit des Symbols“ zu überprüfen. „Sieht gut aus“, meint sie.

Zahlreiche Besucher in der "Backstube"

Wenn die Schwester nicht gerade einer Besuchergruppe ihre Tätigkeit erklärt – im vergangenen Jahr kamen fast 3300 Gäste in die „Backstube“ –, sind beide Backeisen in Betrieb. Dazwischen ist Zeit für ein stilles Gebet. „Es macht mir große Freude, hier zu sein“, sagt die Ordensfrau. Das Interesse der Menschen an dieser speziellen Bäckerei empfindet Marietta Kirchenmaier nicht als Last, die von der eigentlichen Arbeit abhält. „Es ist wichtig, den Besuchern das nahezubringen. Es wissen ja immer weniger, wie ein Gottesdienst abläuft.“

Ausgestanzt werden darf nach dem Backen noch nicht – zu trocken und brüchig ist die dünne Hostienplatte jetzt. Stattdessen werden sie in mächtigen Schubladen gestapelt, damit die Luftfeuchtigkeit des Raumes langsam aufgenommen werden kann. Zettel liegen jeweils auf der obersten Scheibe, auf denen das Datum der Zwischenlagerung notiert ist. Ist ausreichend Zeit vergangen, kommen die Platten in einen Feuchtschrank. Und erst danach geht es ans große Ausstanzen.

Schwester Marietta nimmt das Stanzwerkzeug in die Hand, das für die großen Hostien verwendet wird. Eine Mitschwester setzt sich an die Stanzmaschine. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Hostien der Gottesdienstbesucher an der richtigen Stelle herausgeschnitten werden. Die runden Teile fallen in eine Schublade. Ein Zählwerk verhindert, dass beim Verpacken nicht auch noch von Hand gezählt werden muss. Um Zählfehler der Maschine auszugleichen, die es zuweilen gibt, werden pro 1000 Hostien nochmals 30 beigegeben. Der Preis: 20 Euro.

Aber es gibt auch andere Portionsgrößen, die die Kirchengemeinden bestellen. 70 Gemeinden werden regelmäßig beliefert, 14 weitere ab und zu. In Mainz und im niedersächsischen Lehrte werden die Ursberger Hostien bei der Eucharistiefeier ausgeteilt. Die größte Nachfrage aber kommt aus der Region. Marietta Kirchenmaier schätzt, dass die Mehrzahl der Kunden aus einem Umkreis von etwa 40 Kilometern stammt. Da wird dann nicht die Post für den Versand des Leibes Christi bemüht. Der Mesner und manchmal auch der Pfarrer holen die in kleinen durchsichtigen Tüten verpackten Hostien ab. Wie Herr Braun aus Finningen. Der Karton mit drei Tüten voller Hostien stand jedenfalls in der Backstube bereit.

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