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Ingolstadt

08.03.2018

Seehofer gibt Einblicke in seine Jugend

Zum Festakt anlässlich des 60-jährigen Bestehens ihrer alten Schule kehrten Seehofer und sein jüngerer Bruder dorthin zurück.
Bild: Stefan Küpper

Horst Seehofer hatte am Donnerstag einen seiner letzten öffentlichen Auftritte als Ministerpräsident. Er besuchte seine Ingolstädter Realschule - und schwärmte.

Wenn es so ist, wie Horst Seehofer sagt, wenn das Leben also eine Baustelle ist, dann läuft darauf längst nicht immer alles nach Plan. Das kann gut und schlecht sein. Am Donnerstag war es gut. Der scheidende bayerische Ministerpräsident hatte einen seiner letzten öffentlichen Termine. Und der war in seiner Heimatstadt, an der Freiherr-von-Ickstatt-Realschule. Hier hat er 1965 seinen Abschluss gemacht. Seehofer sagt: "Das ist der Zirkelschluss eines Lebenskreises.“ Er habe das nicht geplant, das Leben schreibe zuweilen "eigenartige Geschichten“. Und die seine als Ministerpräsident finde so einen "schönen Abschluss.“

Nein, sagt Seehofer hinterher auf dem Pausenhof, wehmütig sei er nicht. "Ich habe das jetzt zehn Jahre machen dürfen. Und es wartet ja noch eine Aufgabe.“ Während Seehofer und sein Bruder Dieter ihrer alten Schule die Ehre erweisen, weil es die nun 60 Jahre gibt, streiten sie im Landtag, an welchem Tag sie seinen Nachfolger am besten wählen. Seehofer tritt am Dienstag zurück. Söder übernimmt am Freitag in München. Dann ist Seehofer schon Bundesinnenminister.

Er sieht sich für dieses Amt gewappnet, auch dank seiner Zeit auf der Ickstatt. Die habe ihm auch viel fürs Leben mitgegeben. "Und deshalb“, so Seehofer, "werde ich mich auch als Nicht-Jurist im Innenministerium behaupten können.“ Es ist kein staatstragender Auftritt an der Schule. Die Schüler moderieren sehr gekonnt und locker den Jubiläumsfestakt und zwischendrin werden die Gebrüder auf die Bühne gebeten. Damit sie mal ein bisschen was von früher rauslassen.

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Wie Seehofer beim Schachspiel eine Vase zerstörte

Dieter ist Horst Seehofers kleinerer Bruder. Der ehemalige Chef der Sparkasse Ingolstadt ist auf der Schanz fast genauso bekannt wie der Ministerpräsident. Allerdings ist er seit vergangenem Jahr bereits im Ruhestand. Wer war der bessere Schüler von beiden? Der Ältere sagt es so: Auch er sei nicht jeden Tag der Meinung gewesen, dass Schule schön sei. Er habe anfangs noch geglaubt, er pauke für die Lehrer. Aber: "Ich habe dann wirklich viel gelernt. Und das Lernen hat mir Spaß gemacht.“ Beim Dieter dagegen habe das etwas gedauert, "bis der Spaß beim Lernen kam“. Dafür habe der dann einen Beruf bekommen, bei dem er auf jeden Fall mehr verdient habe als er.

Kicken auf der Straße: Dieter und Horst Seehofer wuchsen in Ingolstadt auf und besuchten dort die Freiherr-von-Ickstatt-Realschule.
Bild: Seehofer

Horst Seehofer ist allerdings der bessere Schachspieler der Brüder. Das hätten sie früher häufig gespielt. Und sein kleiner Bruder sei da ein schlechter Verlierer gewesen, erzählt er. Sogar eine Vase ging danach mal kaputt. Das ging auf die Kappe des Großen: „Ja. Gut. Die ist vom Tisch gefallen.“ Danach, sagt Seehofer, sei es seitens der Mutter für viele Tage vorbei gewesen mit "Sonderzuwendungen“. Ähnliches gilt auch für die Zeit, als die Schule einen Brief nach Hause abgeschickt hatte. Das hatte mit dem Mathelehrer zu tun. Der Mathelehrer, der war "sehr streng“ und Horst Seehofers Ergebnisse in dieser Disziplin, die waren "sehr mau“. Er habe immer auf der Straße geschaut, dass er den Postboten abpasst, um den Brief abzufangen. Was nicht gelang.

Seehofers schönste Erinnerung ist eine Klassenfahrt in die Berge

Rauf ins Steinerne Meer sind sie 1965 gewandert. Zum Riemann-Haus, die Schutzhütte der Alpenvereinssektion Ingolstadt. Mit einem geliehen Rucksack und Straßenschuhen. "Ballettschuhe“, sagt Seehofer. Es wurde getrunken auf der Bergtour und dann habe man auch die Lehrer nachgespielt. Eine Art Nockherberg im Hochgebirge. Das gab Ärger. Er war der Klassensprecher. Und musste sich anhören, dass sie alles "Rüpel“ seien. Seine "Lausbubeneigenschaften“ seien damals sehr ausgeprägt gewesen.

Was Seehofer und seinen Bruder nicht daran hinderte, ihren Weg zu machen. Der den CSU-Chef nun wieder nach Berlin führt. Er war schon Gesundheitsminister, Landwirtschaftsminister, ist noch Ministerpräsident. Nun wird er Innenminister. Der Bruder sei vielleicht nicht mit den "ganzen Begleitumständen konfrontiert worden, wie man es in der Politik ist“, sagt Seehofer zwischendrin. Es ist der einzige etwas nachdenklicher anmutende Moment bei diesem sonst heiter gehaltenen Auftritt.

Seehofer lobt die Schule und sagt den "jungen Leuten“ , dass sie in einer "guten Zeit“ leben. Die mehr Möglichkeiten bietet als die einfachen Verhältnisse, aus denen er, sein Bruder und seine anderen Geschwister kommen. Er pocht auf Tatkraft: "Die Optimisten glauben, dass sie in einer guten Zeit leben. Die Pessimisten befürchten, dass sie in einer guten Zeit leben. Sie glauben gar nicht, was man im Leben bewerkstelligen kann, wenn man sich etwas zutraut.“ Wenn eine große Aufgabe geschafft sei, tue sich die nächste Herausforderung auf. Seine führt ihn von München zurück in die Bundeshauptstadt. Niemandem sei es vergönnt, sagt Horst Seehofer, dass es im Leben ohne Baustellen abläuft.

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09.03.2018

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