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Konzert in München

22.03.2019

Shawn Mendes in München: Kreischen, weinen, Handy zücken

Shawn Mendes, hier bei einem Auftritt in den USA, begeistert seine vor allem weiblichen Zuhörerinnen.
Bild: Matt Sayles, dpa (Archiv)

Noch bevor er überhaupt zu sehen ist, beginnt beim Konzert in München das Kreischen, steigt die Aufregung: Was Shawn Mendes zum umjubelten Teenie-Idol macht.

Was ist es, was eine Show herausragen lässt, ihr ein „Außergewöhnlich“ verleiht? Natürlich hätte Shawn Mendes von ergreifender Musik sprechen können, vielleicht auch einer einzigartigen Atmosphäre oder einer tollen Band. Doch stattdessen sagt der junge Kanadier: „Das unglaublichste und fantastischste an meiner Show, das seid ihr.“ Und die Mädchen in der ausverkauften Münchner Olympiahalle kreischen noch etwas lauter, strahlen ihre Freundinnen noch etwas euphorischer an als zuvor, und bei der ein oder anderen rollen bereits die ersten Tränen.

Konzert von Shawn Mendes in München: Es gibt keinen ruhigen Moment

Ja, der 20-jährige Sänger weiß, wie er sein Publikum begeistert. Nicht unbedingt mit kreativen Tour-Titeln, „The Tour“ kommt eher minimalistich daher. Dafür summt und singt er, schreit und spielt  – wahlweise Gitarre oder Klavier. Lächelt beseelt, joggt von einer Seite zur anderen, holt aus der Gitarre raus, was geht; oder sitzt mit nachdenklichem Blick am Bühnenrand. Beweist sein Talent als Sänger und Songwriter, im locker aufgeknöpften Blümchenhemd, schwarzer Hose mit gelben Streifen, edlen Boots und mit wuscheliger Haartolle. Lässt mit Hits wie „Stitches“ oder „In My Blood“ Herzen höher schlagen und groovt bei „Particular Taste“ oder „Nervous“ über die Bühne.

Vor allem aber gibt es für die gut 12.000 Zuschauer, überwiegend jung und weiblich, am Donnerstagabend keinen ruhigen Moment. Das mutet manchmal schon choreographisch an. Mendes animiert zum Klatschen, Hüpfen, Schreien, Mitsingen, mal laut, mal leise. Immer wieder hält er sein Mikrofon in das glitzernden Meer aus hin und her schwenkenden Smartphones und Leuchtarmbändern – die sind übrigens auch durchgetaktet, funkeln zu jedem Lied im richtigen Rhythmus und der passenden Farbe.

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Das entzückt nicht nur das Publikum, sondern ebenso den Sänger selbst. Manchmal scheint es, als könne er selbst noch nicht so richtig glauben, was da passiert. Und das, obwohl er nun schon sein drittes Album veröffentlicht hat, „Shawn Mendes“ heißt es ­- kreativer wird es mit den Titeln einfach nicht, aber jetzt steckt immerhin Konzept dahinter.

Shawn Mendes als Vorbild: immer fröhlich, immer bodenständig

Außer ab und zu einem „Wie geht´s euch?“, „Danke“ oder „Wunderschön“, als Lob für die textsichere Gesangsleistung der Konzertbesucher, ist von Mendes zwischen seinen Liedern nicht allzu viel zu hören. Er lässt lieber seine Songs sprechen, wie sonst auch. Skandale? Nicht mit ihm. Stattdessen zeigt er sich mit Freunden, auf dem roten Teppich, Konzerten oder auf alten Kinderbildern. Immer fröhlich, immer dankbar, immer bodenständig. Taugt besser als Vorbild und lässt sich wohl auch einfacher vermarkten als so komplizierte Zeitgenossen wie Justin Bieber.

Während langsam Nebel über die Bühne wabert, springen plötzlich überall Zuschauerinnen auf und rennen zum Podest inmitten der Halle. Kaum zu verfehlen, es ist das mit der übergroßen Rose, die zur Decke wächst. Natürlich wissen sie schon, was jetzt geschieht. Sie kennen doch die Mitschnitte der vorherigen Konzerte. Warten also schon brav, als Mendes – Überraschung! – auf das Podium hüpft. Später geht´s dann wieder zur Bühne zurück. Es folgt Altes wie „Mercy“ und Neues wie „Like to Be You“ oder „Bad Reputation“.  Viel Herzschmerz, viel Einfühlvermögen, viel Leidenschaft. Ankündigen muss der 20-jährige eigentlich nichts, schon nach den ersten Takten sind die Songs entlarvt. Kreischen, schreien, ein „Ich liebe dieses Lied!“, Handy zücken.

Wie viele Videos an diesem Abend gedreht, bearbeitet, gepostet und kommentiert wurden? Schwer zu sagen, noch schwerer, wie viele Fotos dazukommen. Auf jeden Fall lag das Smartphone wie selbstverständlich in der Hand. Die Freundinnen im neuen T-Shirt mit Shawn-Mendes-Porträt festgehalten, beim Tanzen und Jubeln – und natürlich den Sänger selbst von allen möglichen Blickwinkeln. Der ja erst durch das Internet bekannt wurde, sich als 13-Jähriger das Gitarrenspielen mit YouTube-Videos beibrachte, dann eigene Clips online stellte, bis ihn schließlich eine Plattenfirma entdeckte. Vorbildlich, wie Shawn Mendes eben ist, gab es dann auf seiner Instagram-Seite abends auch gleich noch ein Video zum Auftritt in München. Er weiß halt, wie er seine Fans begeistert – online und offline.

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