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Corona-Krise

07.04.2020

So kämpft Bayern gegen den Maskenmangel

Ministerpräsident Markus Söder testet eine Maske.
Bild: dpa

Plus Schutzmasken werden in der Coronakrise dringend gebraucht. Was Bayern unternimmt und wie hilfreich selbst genähte Masken eigentlich sind.

Gerade erst sind wieder mehrere Tüten angekommen. Tüten voller Masken, die von etwa 70 Freiwilligen, die tapfer gegen die Corona-Krise annähen, hergestellt wurden. Die Tüten mit dem wertvollen Inhalt stehen in der Sozialstation Augsburg-Hochzoll, Friedberg und Umgebung. Dort werden die Masken gewaschen und desinfiziert und schließlich an die Patienten, die ambulant betreut werden, verteilt. Man habe das Problem vor etwa vier Wochen erkannt, sagt Gudrun Jansen, die Geschäftsführerin der Sozialstation. Die Pflegedienstleitung suchte deshalb nach freiwilligen Helfern – die Resonanz war groß. Seither wird genäht, was das Zeug hält.

Jansen spricht allerdings nicht von einem Mundschutz, sondern von "Behelfsmasken". Medizinisch zertifiziert seien sie nicht und deswegen nicht für die Pfleger, sondern die Patienten gedacht. Demnächst sollen 500 Menschen, die von der Sozialstation betreut werden, damit versorgt sein. "Wir wollen auch noch einen Schritt weitergehen und die Masken auch an andere Bürger verteilen", sagt Jansen. Natürlich wäre es schön, wenn auch etwas vom Staat käme, findet sie. "Aber wir wissen, dass das im Moment nicht möglich ist."

Masken sind momentan Mangelware

Masken sind gerade Mangelware. Überall klagen Ärzte und Pfleger, dass sie nicht genügend Schutzausrüstung haben. Aber auch ganz normale Bürger, die Vorkehrungen treffen wollen, tun sich schwer, eine Maske zu bekommen.

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In Bayern versucht man, dem Engpass etwas entgegenzusetzen. Der Freistaat hat mehrere Unternehmen damit beauftragt, Schutzmasken herzustellen. Vor knapp einer Woche hatte Ministerpräsident Markus Söder einen Autozulieferer im Landkreis Landshut besucht, der seine Produktion umgestellt hat und nun Atemschutzmasken herstellt. Bis zu fünf Millionen Masken sollen dort pro Monat produziert werden. Zuerst brauche man die Schutzmasken für das medizinische Personal und dann prioritär auch für Alten- und Pflegeheime, sagte Söder. Man brauche die Masken aber zudem "in der breiten Entwicklung auch irgendwann, wenn es um den Arbeitsschutz geht, um das Miteinander." Man werde in Deutschland Milliarden Masken benötigen, prophezeite der CSU-Chef.

Mit der heimischen Produktion von Masken will sich der Freistaat Söder zufolge unabhängiger machen vom chinesischen Markt – wenngleich diese Kontakte erhalten werden sollen. Momentan hoffe und bange man, ob alle Lieferungen aus China auch kommen. Eine jedenfalls traf am Dienstag in München ein. Ein großes Frachtflugzeug brachte acht Millionen Schutzmasken für die Bundesregierung nach Bayern. Die Maschine war im chinesischen Shanghai gestartet und nach einer Zwischenlandung in Südkorea nach München geflogen.

Corona-Krise: Auch das Allgäu hat Kontakte zu China

Auch im Allgäu pflegt man Kontakte nach Asien. Der Buchloer Schutzbekleidungshersteller Franz Mensch teilte mit, dass knapp 700 Tonnen Masken, Kittel und Overalls aus China in den nächsten Wochen per Charterflug in Deutschland eintreffen werden. Geplant seien insgesamt fünf Jumbo-Flugzeuge. "Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um Nachschub nach Deutschland zu holen. Der große Notstand wird sich damit deutlich verbessern", teilte das Unternehmen mit. Die erste der eigens gecharterten Frachtmaschinen startet Mitte April.

Je stärker das Thema Mundschutz in den Fokus gerückt wird, desto mehr zeichnet sich eines ab: Eine Lockerung des Shutdowns geht wohl nur, wenn künftig mehr Menschen Masken tragen. Söder hat die Bürger schon darauf eingestimmt. "Wir müssen die Menschen auf ein Leben mit der Pandemie vorbereiten. Dazu gehört natürlich das verstärkte Tragen von Masken", sagte der CSU-Vorsitzende vor Kurzem in der ARD. Und am Dienstag machte er nach einer Kabinettssitzung deutlich: "Natürlich wird es am Ende eine Form von Maskenverpflichtung geben."

In Jena soll eine Maskenpflicht die Verbreitung des Coronavirus verlangsamen

In Jena ist das, wovon Söder in diesen Tagen spricht, schon Realität. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus gilt in der thüringischen Stadt seit Montag eine Pflicht zum Tragen von Mundschutz in Geschäften, Bussen und Bahnen. Im Freien ist der Mundschutz nicht vorgeschrieben. Nach Angaben der Stadt ist auch kein medizinischer Mundschutz notwendig, es reichen selbst genähte Masken sowie Tücher oder Schals, die Mund und Nase bedecken.

Die Frage, die viele Menschen derzeit umtreibt, ist vor allem die: Wie viel bringt so eine Schutzmaske eigentlich? Das Robert-Koch-Institut (RKI) formuliert es so: Durch einen einfachen Mund-Nasen-Schutz oder eine andere textile Barriere könnten Tröpfchen, die man beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, abgefangen werden. Das Risiko, eine andere Person anzustecken, könne so verringert werden.

Nicht jeder bemerkt eine Infektion mit dem Coronavirus

Nicht jeder, der mit dem Coronavirus infiziert ist, bemerkt das auch. Manche haben gar keine Symptome, können dem RKI zufolge den Erreger aber übertragen. Deshalb könnte das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in Situationen, in denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann – etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln, Lebensmittelgeschäften oder auch am Arbeitsplatz – dazu beitragen, die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen. Dass allerdings ein Mund-Nasen-Schutz oder eine andere Bedeckung direkt vor einer Ansteckung schützt, dafür gebe es keine hinreichenden Belege.

Ein einfacher Mund-Nasen-Schutz sei übrigens nicht mit einem mehrlagigen medizinischen Mund-Nasen-Schutz oder medizinischen Atemschutzmasken, zum Beispiel FFP-Masken, zu verwechseln, die in der Tat eine Ansteckung des Trägers verhindern. "Diese sind für den Schutz von medizinischem und pflegerischem Personal essenziell und müssen dieser Gruppe vorbehalten bleiben", teilt das Robert-Koch-Institut mit.

Über alle Entwicklungen in Bezug auf das Coronavirus informieren wir Sie in unserem Live-Blog.

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