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Heiraten

20.05.2015

Standesamt-Chef erzählt: Das kann bei einer Hochzeit alles passieren

Massenhochzeit vor Neuschwanstein? Nur fürs Foto. Die Asiaten haben in ihrer Heimat geheiratet, aber sehr nüchtern. Die „Show“ holten sie im Allgäu nach.
Bild: Hermann Ernst (Archiv)

Andreas Rösel, Chef des Standesamtes in Füssen, erzählt über kuriose Pannen, heikle Küsse und die Frage aller Fragen.

Herr Rösel, Sie trauen seit 15 Jahren Hochzeitspaare in Füssen. Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an Ihre eigene Hochzeit zurückdenken?

Andreas Rösel: Du lieber Himmel, das ist schon ein paar Jahre her. Ich weiß noch, dass ich dermaßen aufgeregt war. Meine Frau ist zwar jünger als ich, aber sie war viel abgeklärter.

Wenn Sie heutige Zeremonien vor dem Standesamt mit früher vergleichen, was hat sich verändert?

Rösel: Der Stellenwert ist heute ein anderer. Natürlich heiraten viele Paare auch immer noch kirchlich. Aber für diejenigen, die das nicht wollen oder dürfen, weil sie schon einmal verheiratet waren, ist die standesamtliche Trauung ein riesiges Event. Wir versuchen diesem Stellenwert entgegenzukommen, indem wir besondere Orte für die Eheschließung anbieten: den Kaisersaal in Füssen etwa oder das Schloss Bullachberg in Schwangau. Und wir haben bei Trauungen auch eine andere Sitzordnung.

Eine andere Sitzordnung?

Rösel: Bei uns sitzt das Brautpaar nicht mit dem Rücken zu den Gästen, sondern mit Blick auf sie. So können alle Beteiligten alle Emotionen miterleben. Das macht das Ereignis familiärer; alle können sich in die Augen sehen.

Bereiten Sie sich heute anders auf eine Eheschließung vor?

Rösel: Mit der Erfahrung wächst natürlich das Gespür für die Situation, man ist routinierter. Ansonsten kommt es immer auf das Brautpaar an. Ob man etwas lockerer oder förmlicher ist. Ob man zwischendrin Dialekt spricht. Bei Muslimen oder Asiaten sollte man vorsichtig sein mit der Aufforderung zum Kuss, das ist ein sensibles Thema.

Wird denn in Füssen viel geheiratet?

Rösel: Im Jahr haben wir so 200 bis 250 Eheschließungen. Etwa zwei Drittel sind Paare, die nicht aus der Umgebung sind. Zuletzt hatten wir Norweger und Kanadier hier. Es waren aber auch schon Chinesen und Taiwanesen da. Die Paare fühlen sich natürlich von der schönen Umgebung mit den Königsschlössern angezogen.

Erzählen Sie uns Ihre kurioseste Hochzeit.

Rösel: Ich erinnere mich an zwei Münchner mit vier Kindern. Kaisersaal, 120 Leute. Es gab nur diese standesamtliche Trauung. Dann die Frage aller Fragen. Sie sagt: „Ja“. Und er: „Mei, was bleibt mir anderes übrig?“ Das war natürlich als Witz gedacht, aber die Hochzeit war erst mal vorbei. Denn rein formell klingt das so, als sei die Ehe nicht sein freier Wille. Ich kann das nicht durchgehen lassen, da hängt wahnsinnig viel dran. Das kann so weit gehen, dass die Rechtmäßigkeit der Ehe angefochten wird oder es zu Erbstreitigkeiten kommt.

Konnten Sie die Situation retten?

Rösel: Das Problem war, dass das Brautpaar auch noch zu streiten anfing. Sie sagte so was wie: „Es ist immer dasselbe mit dir“, und er: „War doch nur ein Witz.“ Ich bin dann mit ihm vor die Tür gegangen und habe ihm gesagt, dass das die falsche Antwort war, dass es nur ein „Ja“ oder „Ja, ich will“ gebe, und dass er jetzt zwei Minuten draußen warten solle. Wenn er dann hereinkomme, würden wir den Teil wiederholen. Wenn nicht, habe ich gesagt, würde ich die Trauung abbrechen.

Und?

Rösel: Er kam rein und sagte „Ja“.

Was man sonst nur aus Hollywood-Filmen kennt: Hat eine Braut oder ein Bräutigam schon mal „Nein“ gesagt?

Rösel: Den Fall hatte ich noch nicht. Ein Sizilianer hat mal einen Tag vor der Hochzeit abgesagt und ist in seine Heimat zurück. Bei einem anderen Paar platzte die Trauung eine Woche vor dem Termin. Die Polizei hat den Bräutigam festgenommen, weil ein Haftbefehl vorlag.

Standen Sie schon einmal vor einem Paar und dachten sich: Oje, und die zwei wollen heiraten?

Rösel: Schon einige Male, ja. Da denkt man sich: Überlegt es euch noch mal. Aber wir sind keine Richter, sondern Verbinder. Und ab und zu täusche ich mich auch. Bei einem Paar dachte ich: Das kann nicht hinhauen. Heute sind die beiden glücklich verheiratet und haben zwei Kinder.

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