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Streit um Honorarverteilung
11.01.2009

Bayerns Fachärzte wollen Proteste ausdehnen

Ärzte
Foto: DPA

Die bayerischen Fachärzte wollen ihre Proteste gegen neue Regeln bei der Honorarverteilung weiter ausdehnen. Demnach würden Patienten viele Behandlungen nicht mehr auf Chipkarte erhalten.

München (dpa/lby) - Die bayerischen Fachärzte wollen ihre Proteste gegen neue Regeln bei der Honorarverteilung weiter ausdehnen.

Der Vorsitzende der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände, Thomas Scharmann, kündigte bei einer außerordentlichen Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) am Samstag in München an, Patienten würden viele Behandlungen nicht mehr auf Chipkarte erhalten. Vielmehr müssten sich die Patienten von ihrer Krankenkasse eine Bestätigung holen, dass die Kasse die Kosten übernimmt.

Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) forderte die Kassenärztliche Vereinigung auf, das Niveau der ärztlichen Betreuung trotz des Honorarstreits gleichbleibend zu erhalten. Die KVB müsse für Klarheit sorgen und belastbare und transparente Zahlen für die Arztpraxen vorlegen.

"Die Ärzte haben ein Recht darauf zu erfahren, wie viel Geld bei ihnen ankommt", teilte Söder am Sonntag mit. Die Politik habe dafür gesorgt, dass es mehr Geld für die medizinische Versorgung gebe. Mehr als 280 Millionen Euro gebe es in Bayern mehr für Ärzte und Patienten. "Das muss auch endlich ankommen."

Nach Worten von Scharmann gibt es auch Überlegungen, die Praxen für ein bis zwei Wochen zu schließen. Die Fachärzte wollten aber auch auf Krankenkassen und Politiker direkt Druck ausüben. So würden sie Anfragen der Kassen nicht mehr oder nur sehr spät beantworten. Außerdem wollten die Mediziner "intensiv die Bürgersprechstunden von Abgeordneten nutzen", erklärte Scharmann.

Der KVB-Vorstandsvorsitzende Axel Munte unterstützt die Proteste. Die Ärzte müssten aber die gesetzlichen Regeln einhalten, sagte er. Darauf werde die KVB als Körperschaft des öffentlichen Rechts achten.

Der KVB-Chef widersprach gleichzeitig Befürchtungen, dass sämtliche Fachärzte in ihrer Existenz bedroht seien. Durch neue Verteilungsregeln gebe es Verlierer, "es gibt aber auch Gewinner", erklärte Munte. Insgesamt fließe dieses Jahr um vier Prozent mehr Geld an Bayerns Ärzte. Doch es gebe eine massive Umverteilung. Wichtig sei es daher, dass die Mediziner "gezielt und solidarisch für die Verlierer der Umverteilung kämpfen". Sonst würden viele fachärztliche Leistungen bald nur noch an Krankenhäusern erbracht, warnte Munte.

Durch die Verschiebungen bei der Honorarverteilung bekämen aber nicht nur Fachärzte Probleme, sagte der Vertreter der Hausärzte im KV-Vorstand, Gabriel Schmidt. Auch die bayernweit 38 Bereitschaftspraxen, die eine Notfallversorgung abends und am Wochenende anbieten, seien akut bedroht.

Das Grundproblem der bayerischen Ärzte liege darin, dass ihre Arbeit seit Jahresbeginn wesentlich stärker durch bundesweit einheitliche Vorschriften geregelt werde, beklagte der Vorstand. Vorstands-Chef Munte begrüßte deshalb die Ankündigung von Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU), er wolle in dieser Hinsicht Teile der Gesundheitsreform rückgängig machen. "Wir brauchen wieder mehr Regionalisierung", forderte Munte.

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