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Fundstücke (11)

28.08.2011

Tod und Vernichtung aus Bayern

Ludwig II. hasste den Krieg. Aber auch im Freistaat wurde an neuen Waffen getüftelt

Kein bayerischer Herrscher hat die Menschen so bewegt wie Ludwig II. Widersprüchlich war sein Leben, rätselhaft sein Sterben. 125 Jahre nach Ludwigs Tod zeigt die Landesausstellung im Neuen Schloss Herrenchiemsee das facettenreiche Wesen und Wirken des berühmtesten Wittelsbachers. Jede Woche stellen wir ein Fundstück aus der Schau „Götterdämmerung. Ludwig II.“ vor. Heute geht es um die Entwicklung der Waffentechnik – mit todbringenden Folgen.

Keine zwei Jahre war Ludwig II. auf dem Thron, als Bismarck einen Konflikt mit Österreich vom Zaun brach. Der junge König entschied sich, Österreich zu unterstützen. Der Krieg zwischen Preußen und Österreich im Jahre 1866 dauerte nur wenige Wochen und Bayern wurde nach einer langen Friedenszeit wieder Kriegsschauplatz.

Ludwig II. hasste nach eigenen Aussagen den Militarismus. Nach dem Krieg von 1866 äußerte sich Ludwig II. erleichtert: „Gottlob, dass Friede ist, glücklicherweise sind die Bedingungen besser, als zu erwarten stand“, schrieb er erleichtert an seine Mutter. Der König sollte sich in dieser Einschätzung jedoch täuschen. Bismarck ließ sich vertraglich garantieren, dass die bayerischen Truppen in einem neuerlichen Kriegsfall unter preußischem Oberkommando stünden. Der Vertrag band Bayern außenpolitisch nun eng an Preußen. Dass der Bündnisfall bereits vier Jahre später gegeben sein sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner wissen.

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Der Krieg von 1866 hatte gezeigt, dass im bayerischen Heerwesen einiges im Argen lag und die Armee großen Reformbedarf hatte. Im Königreich Bayern tüftelten Ingenieure an verschiedenen neuen Waffengattungen und militärischen Techniken.

Der Ingenieur Johann Feldl hatte seit 1867 in der Maschinenfabrik Augsburg an einer Waffe experimentiert, die als ein Vorläufer des Maschinengewehrs gilt.

Geradezu altmodisch wirkt es, verglichen mit den hoch technisierten Vernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts: das Feldl-Geschütz aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Es befindet sich heute im Ingolstädter Armeemuseum.

Das Grundprinzip des Feldl-Geschützes ist, dass mehrere Läufe nebeneinanderliegen. 450 Schuss pro Minute konnten aus ihnen abgefeuert werden. Waffen dieser Art entfalteten eine große Zerstörungskraft. Ein fränkischer Sanitätsgehilfe erinnerte sich: „Ein Hohlweg war von toten Pferden, übereinander und ineinander gefahren, zerschossenen Wägen, Leichnamen, Kanonen, Tornistern überfüllt. Man liest oft in Schlachtenerzählungen vom ‚Waten im Blute‘. Hier wurde es mir klar, dass dies die nüchterne Wahrheit ist, so starrte Weg und Rasen von eingetrocknetem Blut.“ (AZ)

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