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Asyl

01.12.2017

Tumulte im Transit-Zentrum

Auf dem Gelände der früheren Max-Immelmann-Kaserne in Manching-Oberstimm sind Asylsuchende mit „geringer Bleibeperspektive“ untergebracht.
Bild: dpa

Ärger bei der Taschengeldausgabe löst in Manchinger Unterkunft Großeinsatz aus. Die Probleme reichen aber tiefer

Erst vergangene Woche war Innenminister Joachim Herrmann ( CSU) in Ingolstadt. Er hatte dort das erweiterte Sicherheitskonzept für das Bayerische Transit-Zentrum Ingolstadt/ Manching (BayTMI) vorgestellt. Weil die Zahl der Straftaten in und um das Abschiebelager in den vergangenen beiden Jahren im Vergleich zu davor deutlich gestiegen ist, müssen dort mehr und mehr Polizisten eingesetzt werden. Am Mittwochvormittag waren es besonders viele. Erneut.

Die Polizei musste mit einem Großaufgebot und 17 Fahrzeugen zur ehemaligen Max-Immelmann-Kaserne ausrücken, weil es dort zu Tumulten gekommen war. Alle zwei Wochen erhalten die Asylsuchenden Taschengeld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ausgezahlt. Am Mittwoch warteten gegen 11 Uhr laut Polizei etwa 100 der Lagerbewohner auf ihr Geld. Aus noch immer ungeklärter Ursache gab es auf einmal Ärger, der eskalierte. Das Personal der Auszahlungsstelle musste sich in Sicherheit bringen und in Büroräumen verbarrikadieren. Denn von außen versuchten mehrere Flüchtlinge inzwischen mit herausgehobenen Absperrgittern die verschlossene Tür einzurammen. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes setzten schließlich auch Pfefferspray ein. Der Notruf wurde abgesetzt. Die Polizei kam und konnte eigenen Angaben zufolge die Lage schnell beruhigen. Trotzdem gab es sechs Verletzte: zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes und vier Bewohner der Unterkunft.

Peter Heigl, Chef der Ingolstädter Inspektion, erklärt, dass zwar keiner der mutmaßlichen Rädelsführer festgenommen wurde, derzeit aber gegen zehn Beschuldigte ermittelt werde. Überwiegend wohl Nigerianer, von denen laut Heigl derzeit etwa 700 an den verschiedenen Standorten des Abschiebelagers untergebracht sind. Ermittelt wird wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Die extra eingerichtete Ermittlungsgruppe hat noch dutzende Befragungen mit Dolmetschern vor sich.

Inspektionsleiter Heigl hat seit Anfang September acht Einsätze mit mehr als zehn Streifen im BayTMI gezählt. Heigl ist froh, dass er bereits 20 Beamte mehr bekommen hat und ab Dezember unter anderem auch die Flughafenpolizei ihn und seine Kollegen unterstützt. Er sagt aber auch: „Wir haben durch das BayTMI zusätzliche Aufgaben bekommen. Wir haben gut zu tun.“ Und er hofft, dass die Staatsregierung seiner Inspektion von den zuletzt neu geschaffenen Polizeistellen einen „merklichen Anteil“ zuweisen wird.

Gabriele Störkle von der Caritas Pfaffenhofen sagt, mehr Polizei ist nicht alles. Sie macht Asylsozialberatung in der Max-Immelmann-Kaserne seit diese 2015 zur Flüchtlingsunterkunft wurde. Sie sagt – da brauche man nicht drumherum reden –, derzeit machten vor allem Nigerianer Probleme. Und fügt hinzu: „Bestimmte Bedingungen haben bestimmte Wirkungen.“ Die Bedingungen beschreibt sie so: „Die Situation da draußen außerhalb der Stadt ist unschön. Das hängt zum einen an der Unterbringungsform mit sehr, sehr vielen Menschen. Es ist zudem perspektivlos. Die Bewohner dürfen nicht arbeiten, keine Deutschkurse besuchen. Kinder dürfen erst nach einem halben Jahr zur Schule.“ Es herrsche dort eine frustrierte Grundstimmung, die manche psychisch krank mache. Und was das Aggressionsverhalten betrifft, sagt sie: „Wenn es jemand von Nigeria über Libyen und Italien hierher geschafft hat, besitzt er – neutral formuliert – ein starkes Durchsetzungsvermögen.“ Die Leute hätten verinnerlicht, um alles kämpfen zu müssen. Das helfe nicht, aggressive Situationen zu entspannen. In den dezentralen Unterbringungseinrichtungen gehe es dagegen deutlich entspannter zu.

Was die Situation im BayTMI zusätzlich erschwere, ist laut Störkle die Situation der schwangeren Frauen, von denen nicht wenige aus der Zwangsprostitution kämen. Derzeit leben in der Einrichtung nach Angaben der Regierung von Oberbayern zwischen 50 und 80 Schwangere. Dazu kommen etwa 80 Mütter mit knapp 90 Kindern im Alter bis zu zwei Jahren. Künftig werden für 15 Stunden pro Woche Hebammen vor Ort sein. Störkle sagte: „Es ist gut, dass die nun kommen, aber das wird nicht reichen.“

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