Es reizt die Atemwege, kann Luftnot und sogar Herzprobleme auslösen: Seit Jahren wird über Stickstoffdioxid diskutiert – und darüber, wie man dessen Konzentration in der Luft senken kann. Vor allem in Innenstädten mit viel Verkehr wurden immer wieder besorgniserregend hohe Werte gemessen. Bayern scheint nun die Kurve gekriegt zu haben: Jedenfalls hat sich hier bereits im zweiten Jahr in Folge die Luft verbessert. Das geht aus einer vorläufigen Auswertung des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) hervor.
An 44 von 46 Messstationen wird die Grenze von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft eingehalten – zum ersten Mal auch in der Augsburger Karlstraße. München verfehlt als einzige bayerische Stadt die Grenzwerte. An zwei Stellen, am Stachus und in der Landshuter Allee, wurden die Werte überschritten.
CSU: Das Umdenken in der Gesellschaft muss mit attraktivem ÖPNV gefördert werden
Dass die Luft sauberer wird, sei keine Überraschung, sagt Clemens Marb vom LfU. „Es war vielmehr eine erhoffte Entwicklung.“ Die Maßnahmen der Luftreinhaltepläne zeigten langsam Wirkung. „Außerdem gibt es ein Umdenken, die Leute lassen ihr Fahrzeug auch mal stehen.“ Damit sich dieser Trend fortsetzt, sei es wichtig, dass künftig noch mehr Gebiete in Bayern – etwa Neubaugebiete – an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen werden. Ausschlaggebend sei zudem, „dass die Abgasreinigung der Autos einwandfrei funktioniert“, sagt Marb.
Dass der ÖPNV eine wichtige Rolle spielt, weiß auch Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart. „Mit einem attraktiven Angebot schafft man es, dass die Leute vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen“, sagt der CSU-Politiker im Gespräch mit unserer Redaktion. Dass die Stickstoff-Belastung in Bayern zurückgeht, sei erfreulich und zeige, „dass unsere Maßnahmen greifen.“ Der Minister meint damit etwa, dass die Anschaffung von Bussen mit umweltfreundlichen Antrieben wie Strom oder Gas gefördert wird.
Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert die Messung von Stickoxid-Werten
Die Deutsche Umwelthilfe, die die bayerische Regierung wegen zu hoher Stickoxid-Werte auf mehreren Münchner Straßen verklagt hat, bleibt indes skeptisch. „Nach wie vor ist es so, dass nicht zwingend da gemessen wird, wo die Belastung am höchsten ist“, sagt Dorothee Saar, die bei der Umwelthilfe den Bereich Verkehr und Luftreinhaltung leitet. Man wolle auf endgültige Messergebnisse warten, in die auch Passivsammler – kleine Röhrchen an anderen Standorten – einbezogen werden. Grundsätzlich sei man aber natürlich froh, wenn sich die Luftqualität verbessere, sagt Saar. Denn das zeige die Wirksamkeit verschiedener Konzepte. „In Augsburg ist es etwa so, dass die Busflotte mit Biogas betrieben wird. Das ist natürlich besser für die Luft als Dieselmotoren.“
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bayern, Katharina Schulze, freut sich zwar, dass die Belastung leicht zurückgegangen ist, kritisiert aber, dass die Verantwortlichen im Freistaat aus ihrer Sicht viel zu lange viel zu wenig getan haben: „Bayern hat jahrelang die Grenzwerte gerissen und damit die Gesundheit der Bürger gefährdet.“ Nun gelte es, die genauen Ursachen für den Rückgang der Stickstoffdioxid-Werte in den einzelnen Städten zu untersuchen und weitere Maßnahmen zu ergreifen.
Das werde man auch tun, sagt Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler): „Wir haben ein klares Ziel: Saubere Luft in ganz Bayern. Dafür setzt sich die Bayerische Staatsregierung mit aller Kraft ein.“ Das Maßnahmepaket habe einen Finanzrahmen von über 400 Millionen Euro bis zum Jahr 2022.
Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.