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Nürnberg

09.10.2019

Vergewaltigungsvorwürfe: Nürnberger Opernsänger steht vor Gericht

Ein Sänger des Nürnberger Staatstheaters trifft zu Prozessbeginn im Sitzungssaal ein. Dem 51-Jährigen werden acht Fälle sexuellen Missbrauchs von Gesangsschülerinnen vorgeworfen.
Bild: Daniel Karmann, dpa

Der Musiker soll sich als Gesangslehrer an vier Schülerinnen vergangen haben, die auf die Aufnahme an einer Musikhochschule hofften.

Weil er Gesangsschülerinnen vergewaltigt haben soll, muss sich ein Sänger des Nürnberger Staatstheaters vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Dem 51-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft vier Fälle von Vergewaltigung und je zwei Fälle der sexuellen Nötigung und des sexuellen Übergriffs vor. Zu Prozessbeginn am Mittwoch verweigerte der Angeklagte die Aussage.

Drei Mal soll der Musiker laut Anklage im Jahr 2013 Frauen, die bei ihm Gesangsunterricht nahmen, in seiner Wohnung zum Geschlechtsverkehr gezwungen, ein viertes Mal soll er eine Schülerin in deren Wohnung vergewaltigt haben. In den weiteren Fällen in den Jahren 2015 bis 2018 soll der verheiratete Familienvater Gesangsschülerinnen teilweise unter dem Vorwand der Verbesserung der Atemtechnik gegen deren Willen von hinten an den Bauch und dann an die Brust gefasst und ihnen Zungenküsse gegeben haben.

Der Mann soll den Frauen geholfen und sie dann ausgenutzt haben

Eine Polizeibeamtin, die die Anzeige von drei der Frauen aufnahm, sagte vor Gericht, dass sich der Angeklagte über das Lehrer-Schüler-Verhältnis hinaus um die Frauen aus seinem Heimatland gekümmert habe, weil einige von ihnen ohne Sprachkenntnisse und ohne weitere Kontakte nach Deutschland gekommen seien, um hier die Aufnahme an einer Musikhochschule zu schaffen. Er habe ihnen etwa bei der Wohnungssuche oder beim Ausfüllen von Formularen geholfen, sie zu Aufnahmeprüfungen begleitet oder zum Flughafen gefahren. "Die Frauen gaben an, er habe ihnen geraten, es sei gut, vor der Prüfung Sex zu haben, weil sie dann entspannt seien und besser singen könnten", sagte die Beamtin. Zwei der Frauen hätten laut deren Angaben bei der Anzeigenerstattung nach den sexuellen Übergriffen auch einvernehmlichen Sex mit dem Angeklagten gehabt.

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Das Urteil soll am 19. November fallen

Über Vermittlung eines Pastors sei es zu einer Aussprache zwischen den Frauen mit dem Angeklagten gekommen. Darin hätten sie auf eine Entschuldigung des Angeklagten gehofft, der Sänger habe sie ihnen aber nicht zu ihrer Zufriedenheit gegeben. Eine der Frauen habe gesagt, dass das Lehrer-Schüler-Verhältnis in ihrem Heimatland ein "deutlich vertikales Verhältnis" sei und von sehr viel Respekt geprägt sei. Dabei seien Berührungen verpönt. Allenfalls sei es gestattet, dass ein Schüler oder eine Schülerin auf Wunsch des Lehrers bei diesem die Hand auf den Bauch lege, um die veränderte Atmung beim Singen wahrzunehmen. Für den Prozess sind neun Verhandlungstage bis zum 19. November angesetzt.

Im Fall des wegen sexueller Nötigung verurteilten Ex-Präsidenten der Musikhochschule München bestätigte am Mittwoch der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil des Landgerichts München I. (dpa))

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