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Bayern

17.06.2019

Vorfälle in Rettungsgassen machen Einsatzkräfte sprachlos

Plus Ein Mann will seinen Flieger erreichen. Er gerät in einen Stau und wendet auf der Autobahn – nur ein Fall von vielen, in denen die Rettungsgasse missbraucht wird.

Der Mann ist spät dran, sein Flieger am Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen droht ohne ihn abzuheben. Er fährt mit seinem BMW auf der A92 bei Moosburg im Kreis Freising. Knapp eine halbe Stunde ist es von dort aus bis zum Airport. Plötzlich leuchten die Warnblinkanlagen der Wagen vor ihm – Unfall, Stau.

Ordnungsgemäß bilden die Autofahrer eine Rettungsgasse. Aber nicht der 58-Jährige. Was er tut, macht sogar erfahrene Verkehrspolizisten sprachlos: Er wendet in der Rettungsgasse, will zurück zur letzten Ausfahrt rasen, um seinen Flieger zu erwischen.

Diese Strafen drohen, wenn Autofahrer die Rettungsgasse blockieren

So jedenfalls hat der Verkehrsrowdy sich den Beamten der Verkehrspolizei Freising gegenüber verteidigt, die den Fall am Sonntag öffentlich machten – und in ganz Bayern sind die Menschen wieder einmal entsetzt darüber, was sich rücksichtslose Fahrer auf Bayerns Autobahnen erlauben. Dem BMW-Fahrer drohen jetzt 700 Euro Geldstrafe und ein Fahrverbot.

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Die Bußgelder für Falschverhalten im Kontext mit der Rettungsgasse sind erst im Oktober 2017 angehoben worden. Wer keine Gasse bildet, bekommt zwei Punkte in Flensburg und zahlt seitdem 200 Euro Strafe. Vor der Reform des Bußgeldkatalogs kostete das lediglich 20 Euro. Werden andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, liegt die Geldbuße heute bei 280 Euro. Verursacht der Falschfahrer einen Sachschaden, droht ein Bußgeld von 320 Euro. Hinzu kommt in den letzten drei Fällen ein Fahrverbot über einen Monat.

Wie oft gegen Rettungsgassen-Vorschriften verstoßen wird, ist für die Polizei schwer festzustellen. Fälle wie der des Falschfahrers von der A92 tauchen in der Statistik später oft unter dem Punkt „Fahren entgegen der Fahrtrichtung“ auf, was strafrechtlich schwerer wiegt.

Raser in der Rettungsgasse: Diese Fälle gab es in der Region

Doch für viele Autofahrer wirken selbst höhere Strafen nicht abschreckend. Wer im Zeitungsarchiv sucht, findet fast jede Woche Berichte von Polizeieinsätzen in Bayern, in denen Autofahrer den Rettungsweg blockierten – zum Beispiel am 10. Juni, A96 im Kreis Starnberg: Ein Fernbusfahrer steuert in der Rettungsgasse an einem Stau vorbei, bleibt stecken, verstellt den Weg der Polizei.

Oder am 7. Juni bei Lauingen im Kreis Dillingen: Autofahrer bilden nach einem Crash auf der B16 keine Rettungsgasse, einige wenden auf der Fahrbahn, ein Mann koppelt sogar seinen Wohnwagen ab, um umzukehren.

Einen der krassesten Fälle erlebte Ende April die Günzburger Feuerwehr. Die Retter mussten auf der A8 mit Brechstangen und anderen Einsatzgeräten beladen ein paar hundert Meter zu einem Unfall laufen, weil so viele Fahrzeuge die Fahrbahn blockierten. Auch nach 39 Jahren im Dienst sagt Christian Eisele, Kommandant der Günzburger Wehr: „So was ärgert mich. In der Nacht im April wurde „nur“ ein Reh überfahren. Aber was, wenn Menschen verletzt sind? So ein Verhalten verzögert Einsätze sehr.“

Helfen höhere Strafen gegen Rettungsgassen-Blockierer?

Dass höhere Strafen wie in Österreich, wo der Missbrauch der Rettungsgasse mehr als 2100 Euro Bußgeld kostet, das Problem lösen könnten, glaubt Eisele nicht. „Ich wünsche mir stattdessen mehr Vorwarnsysteme auf den Autobahnen, die den Fahrern anzeigen: ,Vorsicht, Unfall!’“

Dass es nicht nur Rowdys auf den Straßen gibt, hat Eisele gerade am Wochenende wieder erlebt. Bei Burgau musste sein Team die Fahrbahn säubern. „Die Rettungsgasse hat sehr, sehr gut funktioniert. Nach dem Einsatz sind die Leute mit lobend hochgereckten Daumen weitergefahren.“ Eisele ist wichtig, dass auch solche Positivbeispiele öffentlich werden. Vielleicht sensibilisiere das ja mehr als hohe Strafen.

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17.06.2019

700 Euro - das ist lächerlich , das ist wohl ein Witz !

Und das Fahrverbot wird sicherlich vom Täter auf seine Urlaubszeit gelegt werden können - sodaß es nicht zu sehr weh tut .

Man denke , der Falschfahrer hätte in der Rettungsgasse einen weiteren , vielleicht schweren Frontalunfall , vielleicht mit dem entgegenkommen Notarztwagen , verursacht und die einzige Zufahrt zum Unfallort blockiert und die Besatzung des Notarztwagens schwer verletzt .

Ich habe bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, daß unsere "verständnisvolle " Kuschel- und Besserungsjustiz eine der Ursachen für das Geschehen in der heutigen Zeit ist .
Weil eigentlich zu bestrafende Täter nicht bestraft , sondern durch Streicheln "gebessert" werden sollen .
Das entspricht voll und ganz dem heutigen Zeitgeist : ein Element dieses Zeitgeistes ist , daß niemand mehr Verantwortung für sein Handeln übernehmen muß - weil dies diese Gesellschaft aus linker Laschheit gar nicht mehr einfordern will!
Auch nicht bei Straftaten .

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18.06.2019

Das Verkehrsministerium war meist von der CSU besetzt. Wusste nicht, dass die CSU eine linke Partei ist?

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17.06.2019

So eine blöde Behauptung von "hohen Strafen ". Nur lächerlich. 700 Euro fürs Fahren auf der Autobahn in der falschen Richtung. Niemand hält sich immer genau an die Vorschriften. Nicht aufgepasst und schon fährt man mit 70 km/h am Ortsschild vorbei. Das passiert jedem mal. Aber Wenden auf der Autobahn oder über 100 km/h innerorts fahren müsste mindestens 5000 Euro oder 60 Tagessätze kosten. Aber die Politik nimmt lieber Verkehrstote in Kauf als den rücksichtslosen Fahrern Einhalt zu bieten. Andy Scheuer der Beschützer der Raser. Toll!

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