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Allgäu

22.11.2020

Wann bricht ein großer Teil des Hochvogel-Gipfels ab?

Eine direkte Gefahr für Siedlungen im Tal besteht aber nach Ansicht der Experten nicht.
Bild: Michael Munkler

Plus An dem markanten Allgäuer Gipfel drohen bis zu 260 .000 Kubikmeter Fels abzubrechen. Ein Forschungsprojekt läuft weiter. Es soll den Bergsturz vorhersagen.

Immer tiefer und breiter wird der markante, bis zu 80 Meter tiefe Felsspalt im Gipfelbereich des 2592 Meter hohen Hochvogels in den Allgäuer Alpen. Irgendwann erwarten Geologen einen oder mehrere große Felsstürze. Wissenschaftler gehen nach Berechnungen davon aus, dass bis zu 260 .000 Kubikmeter Stein und Fels nach Süden in Richtung Hornbachtal/ Tirol hinunter krachen werden.

Seit 2017 überwachen Geologen der Technischen Universität München mittels Sensoren sämtliche Erdbewegungen im Gipfelbereich des aus Hauptdolomit bestehenden Berges. Die Daten werden nach München gefunkt, dort dokumentiert und ausgewertet. Dieses Forschungsprojekt sei jetzt um weitere drei Jahre verlängert worden, sagte Professor Michael Krautblatter im Gespräch mit unserer Redaktion.

Er ist Chef eines Lehrstuhls, der sich mit Hangbewegungen befasst. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Frage, ob sich Berg- und Felsstürze anhand der seismologischen Daten vorhersagen lassen. Die Forscher gehen davon aus, dass sich der Felsspalt im Hochvogel Tage vor einem Bergsturz schneller und weiter öffnet. Entsprechend würde man dann Bergwanderer oder Menschen im Hornbachtal warnen. Eine direkte Gefahr für Siedlungen im Tal besteht aber nach Ansicht der Experten nicht.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Gipfel des Hochvogels an der Grenze zwischen Bayern und Österreich bald auseinanderbricht. Für die Siedlungen besteht keine Gefahr.
Bild: Karl-josef Hildenbrand, dpa

Riss am Gipfel des Hochvogels: Regen vergrößert Spalt

Vor Beginn des Winters haben die Wissenschaftler die an den Felsen angebrachten Messinstrumente überprüft und teilweise neue installiert. Die in den vergangenen drei Jahren gewonnenen Erkenntnisse seien durchaus interessant, sagt Krautblatter. Beispielsweise habe sich der Spalt zuletzt pro Jahr um 2,5 bis zehn Zentimeter weiter geöffnet. Dies zeigten entsprechende Messungen. Hohe Niederschlagsmengen, beispielsweise bei Dauer- oder Starkregen, beschleunigen das Wachstum des Felsspalts um das Drei- bis Vierfache. Neben der immer weiter wachsenden Längsspalte im Hochvogel-Gipfelbereich gibt es auch einen quer verlaufenden Riss. Auch dieser öffnet sich immer weiter. „Sogar dreimal so schnell wie die Hauptspalte“, berichtet Krautblatter.

Bereits im September 2014 war der von Süden auf den Hochvogel führende Bäumenheimer Weg behördlich gesperrt worden. Auf der Südseite des Berges besteht permanent Steinschlaggefahr. Mittlerweile gehen die Geologen davon aus, dass es nicht einen riesigen Felssturz am Hochvogel geben wird, sondern dass es sechs kleinere Sturzereignisse mit Volumina von je 8000 bis 130. 000 Kubikmetern sein werden. Wann das sein wird? „Fragen Sie mich mal, wie nächstes Jahr am 18. Juni das Wetter wird“, antwortet Krautblatter. Eine Prognose sei überaus schwierig. Aufgrund der installierten Messgeräte geht er aber davon aus, dass rechtzeitig gewarnt werden kann.

Auch die Zugspitze im Visier

Die Messungen am Hochvogel gehören zu einem größeren Projekt der Technischen Universität München. Weitere Forschungsorte sind an der Zugspitze, in Höllental- und Partnachklamm, am Kitzsteinhorn (Salzburger Land) und am Vernagtferner oberhalb des Schnalstals nahe der Grenze zwischen Südtirol und Österreich. Für Naturgefahren- Hotspots wolle man ein Frühwarnsystem entwickeln, das auf andere Alpenberge und Gebirge übertragbar ist, sagt Krautblatter. Anders als an der Zugspitze spielen die durch den Klimawandel zunehmend auftauenden Permafrost-Böden am Hochvogel keine Rolle. Dauerfrost-Böden gibt es dort nicht.

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22.11.2020

Das wird wohl so sein, weil sich ein Teil mehr nach Deutschland und der andere mehr nach Österreich hingezogen fühlt. Folglich möchte man sich "trennen"!

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