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Interview

28.01.2021

Warum Alexander Hold auf einem Friedhof dreht

Alexander Hold dreht seine neue Serie "Grave Secrets" auf dem Friedhof.
Foto: Raffael Böer/discovery

Plus Fernseh-Richter Alexander Hold kommt mit einer neuen Fernsehserie zurück. Worum es dabei geht und wie der Politiker das mit seinen Ämtern vereinbart.

Seit 2008 sitzt er im Kemptener Stadtrat, führt dort seit 2014 die Fraktion der Freien Wähler/ÜP, steht an der Spitze des FW-Bezirksverbands, ist Mitglied des schwäbischen Bezirkstags und seit 2018 Vizepräsident des Bayerischen Landtags. Jetzt kehrt der Politiker, der als "Richter Alexander Hold" TV-Bekanntheit erlangt hat, ins Fernsehen zurück. Ab 3. Februar wird beim Spartensender TLC seine neue True-Crime-Serie "Grave Secrets – Tote Zeugen lügen nicht" ausgestrahlt. Warum der 58-Jährige nicht nur Politiker sein will:

Herr Hold, 2019 haben Sie erklärt, nicht wieder Fernsehen machen zu wollen. Was hat Sie dazu bewegt, doch wieder im TV aufzutreten?

Alexander Hold: Es hat mich einfach gereizt, neue Erfahrungen zu machen. Ich bekomme nach wie vor Anfragen von Fernsehsendern und Produktionsfirmen – nicht zuletzt Angebote, eine Sendung wie "Richter Alexander Hold", die immer noch super läuft, neu aufzulegen.

Sind Sie denn nicht ausgelastet mit Ihren Positionen?

Hold: Ich habe bisher alle Anfragen abgesagt, denn natürlich bin ich mit meinen politischen Ämtern voll ausgelastet. Aber man gibt ja seine beruflichen Erfahrungen nicht an der Landtagsgarderobe ab.

Was hat Sie denn an "Grave Secrets" so gereizt?

Hold: Das ist ein Format, das in den USA sehr erfolgreich war, und ich kann für die deutschen Zuschauer meine Erfahrungen als Staatsanwalt und Strafrichter einfließen lassen, wenn ich die Fälle erläutere.

Und wie vereinbaren Sie das mit der politischen Arbeit?

Hold: Voraussetzung für meine Zusage war, dass die Sendungen in den Parlamentsferien gedreht werden. Wir haben dann alle 20 Folgen im letzten August abgedreht. Mein politisches Engagement war also in keinster Weise beeinträchtig.

In der neuen Serie "Grave Secrets" geht es um echte Mordfälle

Also eher ein "Ferienjob"?

Hold (lacht): Das kann man so sagen. Auf keinen Fall ist es eine "Nebenbeschäftigung" zu meiner politischen Arbeit. Das ginge nicht, das will ich nicht und das würde auch meine Familie nicht wollen. Aber an eine Urlaubsreise war coronabedingt eh nicht zu denken.

Welche Rolle spielen Sie in "Grave Secrets"?

Hold: Es geht dabei um echte, spektakuläre Mordfälle. Ich begleite moderierend die Ermittlungen, erkläre die Schwierigkeiten der Ermittler, ihre Irrtümer und Gedankenblitze auf dem Weg zur Lösung des Falles.

Sie sind also so etwas wie Professor Börne (der Gerichtsmediziner, gespielt von Jan-Josef Liefers im "Tatort" aus Münster)?

Hold: Nein. Ich bin ja kein Schauspieler. Ich bin der "Host" (der Gastgeber), also derjenige, der durch den Fall führt.

Wo wurde denn gedreht?

Hold: Auch das fand ich reizvoll. Denn gedreht wurde im August auf einem Friedhof in Wiesbaden.

Warum auf dem Friedhof?

Hold: In der Sendung geht es darum, die Geheimnisse aufzuspüren, die die Opfer mit ins Grab genommen haben und die letztendlich zur Lösung des Mordfalls beitragen. Deshalb stehe ich quasi zwischen Gräbern auf einem nächtlichen Friedhof. Das war eine starke, spannende Stimmung und hoch konzentriertes Arbeiten von 21 bis zum Sonnenaufgang. Zudem ist ein Dreh unter Corona-Regeln nochmals mühsamer.

"Mir gibt die berufliche Vergangenheit im Strafrecht Glaubwürdigkeit"

Gibt es ähnliche solche "Hosts" in Fernsehsendungen?

Hold: Ja. Heino Ferch, Andrea Sawatzki, Hannes Jaennicke haben schon ähnliche Rollen - ebenfalls bei Discovery - eingenommen.

War Ihre strafrechtliche Expertise ausschlaggebend für die Sender-Anfrage? Wirken Sie damit in der Rolle glaubwürdiger?

Hold: Vermutlich. Die Schauspieler prädestiniert ihre Krimi-Erfahrung. Mir gibt dagegen die berufliche Vergangenheit im Strafrecht Glaubwürdigkeit. Und doch ist das etwas völlig anderes als "Richter Alexander Hold". Dort war ich so etwas wie die letzte Instanz und hatte die Chance, das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit darzustellen. Jetzt begleite ich den Zuschauer bei den Ermittlungen.

Was ist dann der Kick an dieser Sendung? Bei "Richter Alexander Hold" haben Sie sich eher selbst gespielt?

Hold: Stimmt. Aber bei all meinen Sendungen habe ich mich immer entlang meiner beruflichen Rolle bewegt. Ein Schauspieler kann in Rollen schlüpfen, ich muss authentisch bleiben.

"Tatsächlich meide ich rote Teppiche und Promi-Getue eher"

Wie sind die Reaktionen auf ihre neuerlichen TV-Ambitionen?

Hold: Es wird wahrgenommen und viele finden es cool. Einige fragen natürlich, wie ich das zeitlich unterbringe...

.......und wieder andere sagen, jetzt will er doch wieder auf die TV-Star-Promi-Schiene einschwenken? Ärgert Sie das? Zumal viele Sie ja eher als jemanden erlebt haben, der lieber einen Bogen um den roten Teppich macht?

Hold: Schön, dass das so wahrgenommen wird. Tatsächlich meide ich rote Teppiche und Promi-Getue eher, auch wenn mancher aus einer gewissen Präsenz andere Schlüsse zieht. Ich mache auch nichts um der Aufmerksamkeit willen – weder im TV noch in der Politik. Aber ich bleibe neugierig und vielseitig. Vergleichen Sie es mit einem Biathleten: Wenn der seine Karriere beendet hat und dann wieder bei einem Skirennen mitfährt, wirft ihm auch niemand Profilsucht vor. Weil klar ist: Der hat einfach Spaß an dem, was er gelernt hat

Dann werden Sie also weiter drehen?

HoldDas Fernsehen wird die Politik nicht verdrängen. Beides mit voller Kraft geht nicht. Deshalb werde ich höchstens punktuell Fernsehjobs annehmen – wenn es nicht mit dem Familienurlaub kollidiert

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