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Bildung

22.07.2020

Warum Bayerns Schulen jetzt auf Quereinsteiger setzen sollen

Nicht nur ausgebildete Lehrer sollen künftig unterrichten, sondern auch Quereinsteiger.
Bild: Philipp von Ditfurth, dpa

Plus Bayern setzt in den Schulen nun auch auf Quereinsteiger. Lehrer-Lücken sieht der Kultusminister behoben – im Gegensatz zu Opposition und Verbänden.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo ( Freie Wähler) will in der Folge der Corona-Krise auch nicht pädagogisch ausgebildete Quereinsteiger als sogenannte „Team-Lehrkräfte“ in den Klassenzimmern einsetzen. Ziel sei, mit diesem auf ein Jahr beschäftigten Zusatz-Personal diejenigen Stamm-Lehrer zu unterstützen, die als Corona-Risikogruppe nicht im Präsenz-Unterricht arbeiten können, erklärte der Minister in München. „Wir wenden uns an alle, die Lust darauf haben, pädagogisches Geschick und die Fähigkeit im Team zu arbeiten“, warb Piazolo. Infrage kämen neben ausgebildeten Pädagogen auch andere Hochschulabsolventen „zum Beispiel mit einschlägigem Magister-Studium etwa in Germanistik“.

Etwa fünf Prozent der Lehrer können nicht im Klassenzimmer unterrichten

„Wir versuchen, ab September möglichst alle Lehrer wieder in den Einsatz zu bringen“, sagte Piazolo. Für Schwangere oder besondere Risikogruppen habe der Freistaat als Dienstherr jedoch „ganz klar eine Fürsorgepflicht“, findet er. „Diese Lehrkräfte müssen dann Online-Angebote im Distanz-Unterricht übernehmen sowie Korrektur- und Verwaltungsaufgaben.“ Die neuen Team-Lehrkräfte könnten zudem in enger Abstimmung mit diesen Lehrern in den Klassenzimmern mit den Schülern arbeiten.

Piazolo geht davon aus, dass rund fünf Prozent der etwa 150000 Lehrer in Bayern coronabedingt nicht in den Klassenzimmern unterrichten können. Zur Bestätigung des erhöhten Corona-Risikos ist allerdings ab September ein ärztliches Attest notwendig. „Die Lehrer bleiben auch im Dienst, nur eben nicht im Präsenz-Unterricht“, erklärte der Minister. Bayerns Lehrer seien jedoch bereits in den vergangenen Wochen sehr verantwortungsvoll mit Corona-Befreiungen umgegangen. Deshalb erwarte er auch bei der angestrebten Rückkehr zum Regelunterricht nach den Sommerferien hier „keine übermäßigen Zahlen“.

Massive Proteste zu Beginn des Jahres

Insgesamt sieht Piazolo die Lehrerversorgung an Bayerns Schulen auf einem guten Weg. So sei es gelungen, durch dienstrechtliche Maßnahmen wie der Einschränkung von Teilzeit oder verpflichtende Mehrarbeit eine drohende Lehrer-Lücke an Grund-, Mittel- und Förderschulen zu schließen. Gegen dieses Paket hatte es zu Beginn des Jahres massive Lehrer-Proteste gegeben. Insgesamt will der Freistaat ab September 4600 Lehrer neu einstellen, davon allein 2500 an Grund- und Mittelschulen. Rund Tausend dieser Lehrerstellen werden zusätzlich geschaffen, unter anderem für Inklusion, Ganztagsangebote oder für Informatik.

Lehrer-Verbände und die Landtags-Opposition warnen dennoch vor weiteren Lehrer-Engpässen: 800 Team-Lehrer für 4400 staatliche Schulen seien angesichts der Corona-Herausforderungen nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“, findet etwa Michael Schwägerl von Lehrerverband bpv. Vor allem Gymnasien und Beruflichen Oberschulen drohe akuter Lehrermangel: „Mit der momentanen Planung wird im Herbst voraussichtlich kein normaler Regelunterricht möglich sein.“

Kritik an „Hokus-Pokus-Maßnahmen“

„Hokus-Pokus-Maßnahmen“ wie die neuen Team-Lehrer könnten das Grundübel des Lehrermangels in Bayern nicht verdecken, kritisieren auch SPD und Grüne: Notwendig seien vielmehr Anreize wie die gleiche Bezahlung in allen Schularten, eine flexiblere Lehrer-Ausbildung und attraktive Angebote für Quereinsteiger in den Lehrerberuf. Es reiche jedenfalls nicht, wie Piazolo „nur allzu eifrig offensichtliche Löcher zu stopfen“.

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