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Allgäu

01.09.2015

Warum deutsche Kinder in Österreich zur Schule gehen

Die Internationale Grundschule in Jungholz (Tirol). Seit dem vergangenen Schuljahr gehen dorthin auch Schüler aus der Allgäuer Gemeinde Unterjoch.
Bild: Stefan Puchner dpa

In Unterjoch gab es die letzte Zwergschule Bayerns. Trotz Protesten wurde sie geschlossen. Seither gehen die Allgäuer Kinder nach Tirol zum Unterricht. Das klappt erstaunlich gut.

Nach gut sechs Wochen Sommerferien beginnt in Bayern Mitte September wieder die Schule. Jakob Hillmeier aus Bad Hindelang im Allgäu muss seinen Schulranzen aber schon eine Woche früher schultern.

In dem Bergdorf, in dem der Siebenjährige lebt, wurde vor einem Jahr die Schule geschlossen. Rechnen, lesen und schreiben lernt er seitdem im angrenzenden Österreich. Am 8. September beginnt dort wieder der Unterricht.

„Jakob kommt jetzt in die dritte Klasse. Er geht wahnsinnig gerne in die Schule“, sagt sein Vater Max Hillmeier. Dass die im benachbarten Tirol liegt, ist für den Bad Hindelanger Kurdirektor kein Problem. Im Gegenteil: „Das ist gelebtes Europa.“

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Eine Schulschließung verursacht Probleme

Lange und vehement haben die Menschen aus dem über 1000 Meter hoch gelegenen Ortsteil Unterjoch darum gekämpft, dass ihre Dorfschule erhalten bleibt. Doch weil in der sogenannten Zwergschule, in der Erst- bis Viertklässler gemeinsam unterrichtet wurden, die Schülerzahl immer weiter zurückging, wurde sie vom Freistaat Bayern aus Kostengründen geschlossen.

„Diese Entscheidung aus München haben wir sehr bedauert. Unterjoch ist geografisch so abgelegen, dass wir zuerst nicht wussten, wie wir uns helfen sollen“, sagt Bad Hindelangs Bürgermeister Adalbert Martin.

Die etwa zwölf Kilometer entfernte Grundschule in Bad Hindelang sei von Unterjoch aus nur über den Jochpass mit mehr als 100 engen Bergkurven erreichbar. „Für die Kleinen wäre das eine Tortur gewesen, zumal wir hier oben sehr strenge Winter haben.“

Die Lösung liegt in Österreich

Die Lösung für das Problem liegt nur vier Kilometer von Unterjoch in der Tiroler Gemeinde Jungholz. Die dortige Volksschule, auch eine Einklassenschule für vier Jahrgänge, hat die Kinder aus dem Allgäu aufgenommen. Fünf Mädchen und Buben waren es im vergangenen Schuljahr, im kommenden sind es zwei. „Das hat super funktioniert und wird so weitergeführt. Die Schüler fühlen sich wohl, die Eltern sind zufrieden – wir sind sehr glücklich über diese Lösung“, sagt Martin.

Schwierigkeiten wegen abweichenden Unterrichtsstoffs gibt es nicht, sagt der Bürgermeister. Weil viele ältere Kinder aus Jungholz nach der Grundschule weiterführende Schulen im Allgäu besuchen, sei der Lehrplan bereits an den bayerischen angelehnt. Dadurch funktioniere der Übertritt reibungslos.

„Aber natürlich werden die Kinder aus Unterjoch jetzt auch Tiroltypisches mitbekommen und lernen, wer Andreas Hofer war. Das ist doch nur gut, Tirol ist so nah.“

Auch Max Hillmeier freut sich über die Lösung: „Dass man so kooperiert im Grenzgebiet, ist einfach toll.“ Am besten gefällt ihm, dass Jakob in Jungholz eine Einklassenschule mit jüngeren und älteren Kindern zusammen besuchen kann.

„Dieses Modell finde ich hervorragend, weil es die sozialen Fähigkeiten der Schüler ungemein fördert. Sie lernen Teamarbeit, Rücksichtnahme und Verantwortung.“ Jakob habe in Jungholz einen tollen Lehrer und neue Freunde gefunden.

Die Kooperation ist ein Gewinn für beide Seiten

Auch in Tirol ist die Begeisterung nach dem ersten gemeinsamen Schuljahr groß. „Es ist hervorragend gelaufen und ein Gewinn für beide Seiten“, sagt Bernhard Eggel, Bürgermeister von Jungholz. Durch die zusätzlichen Schüler aus Unterjoch konnte die Klassenstärke erhöht werden. „Nicht nur dem Lehrer macht der Unterricht dadurch mehr Spaß, auch die Schüler profitieren. Das Gruppenverhalten ist ganz anders, wenn mehr Kinder in einer Klasse sind.“

Nach Angaben der Bürgermeister soll die Zusammenarbeit ausgebaut werden. Geplant ist, Kinder aus Jungholz ab dem neuen Kindergartenjahr zur Betreuung nach Unterjoch zu bringen. „Wir haben nur noch zwei Kinder, die derzeit den Kindergarten besuchen. Wir mussten ihn daher vor den Ferien schließen“, sagt Eggel. Dass die Kleinen jetzt jeden Morgen vier Kilometer nach Bayern gebracht werden müssen, sei kein Problem. „Da müssen manche Eltern in einer Großstadt weiter fahren.“

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