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Kommunalwahl kurios

21.02.2014

Wegen Grenze: Nur die halbe Gemeinde darf wählen

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Die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg verläuft mitten durch Mönchsroth. Deswegen dürfen nur die Einwohner den Gemeinderat wählen, die auf der bayerischen Seite leben.
Bild: Symbolbild Lina Schuttenberg

Die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg verläuft mitten durch Mönchsroth. Deswegen dürfen nur die Einwohner den Gemeinderat wählen, die auf der bayerischen Seite leben.

Im Mönchsroth in Mittelfranken dürfen nicht alle Mitglieder des Gemeindelebens mitbestimmen, wer in den Gemeinderat kommt. Denn die Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg verläuft mitten durch den 1600-Seelen-Ort, und das nicht einmal geradlinig. Sie stammt noch aus Zeiten Napoleons. Die Menschen auf der einen Seite wohnen in Mönchsroth in Bayern, die auf der anderen Seite wohnen in Regelsweiler, einem Ortsteil von Stödtlen in Baden-Württemberg.

Grundschule, Apotheke, Frisör und Kirche liegen im bayerischen Teil. Wer offiziell in Stödtlen wohnt, sich aber Bayern zugehöriger fühlt, hat letztendlich Pech gehabt. So wie Gerd Krämer, der Mitte der 1970er Jahre nach Regelsweiler zog. Der heute 85-Jährige hatte damals angenommen, dass sein neues Haus in Mönchsroth stehen würde. Als er den Bauantrag stellt, wird er aufgeklärt. Sein Haus gehört zu Baden-Württemberg, der Bürgersteig davor zu Bayern.

Umgemeindung? Nicht möglich

Der Freistaat versorgt ihn mit Wasser und Strom. Auch seine Adresse gibt an, dass er in Mönchsroth wohnt. Trotzdem darf Krämer den Gemeinderat nicht mitwählen. "In Stödtlen würde ich nur mitwählen, wenn ich die ärgern könnte", sagt Krämer über die Kommunalwahlen. Er hat versucht, sich umgemeinden zu lassen - vergeblich. Bayerischer Behörden zufolge soll das Nachbarland Schuld daran sein.

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Der frühere Polizist Hans König war lange im Gemeinderat vom fünf Kilometer entfernten Stödtlen aktiv, politisch fühlt er sich Baden-Württemberg nah. Arzt und Geschäfte besucht er in Mönchsroth. Seine Frau beklagt vor allem, dass sie keine bayerische Zeitung bekommt - und so nie erfährt, was sich in Mönchroth oder Dinkelsbühl abspielt.

Königs Nachbar ist Karl Engelhardt. Der 72-Jährige geht am 16. März wählen. Er kann über den Grenzverlauf nur lachen, das Schild mit der Aufschrift "Freistaat Bayern" steht seiner Ansicht nach sowieso falsch: "Es müsste drei Häuser weiter stehen, wir gehören hier noch dazu."

Das Zusammengehörigkeitsgefühl siegt

Mesnerin Elli Walter wohnt in Regelsweiler, "ihre" Kirche steht in Mönchroth. Die 61-Jährige betont, dass sie sich mehr Bayern zugehörig fühlt. "Auch unsere Kinder sind in Bayern zur Schule gegangen. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich schon lieber in Mönchsroth wählen." Doch auch sie darf nur den Gemeinderat von Stödtlen wählen.

Während Bürgermeister in Mönchsroth in den 1970er Jahren noch versuchten, die Regelsweiler nach Bayern zu holen, ist das für die amtierende Bürgermeisterin Edith Stumpf kein Thema mehr. "Das wird von uns nicht betrieben, wir wollen das gar nicht", sagt die 55-Jährige. Schließlich wäre im Alltag keine Trennung des Orts zu spüren. "Wir haben hier ein sehr gutes Zusammengehörigkeitsgefühl", betont sie. dpa/lbyAZ

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