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Interview

26.07.2020

Wetter-Experte Wolz: „Dieses Wechselspiel ist der normale Sommer“

Noch liegt der Forggensee in der Sonne, doch schon türmen sich Wolken. Dieses Sommer-Auf-und-Ab nervt heuer viele Menschen.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Plus Viele Menschen sind von den Temperaturschwankungen genervt. Ist das für den Körper belastend? Und warum gab es bisher kaum laue Sommerabende?

30 Grad, dann wieder nur 15 – viele Menschen nervt dieser Zick-Zack-Sommer. Ist dieses Auf und Ab denn noch normal?

Guido Wolz: Das lässt sich schnell und einfach erklären: Aktuell befinden wir uns in einem relativ normalen Sommer – doch solche normalen Sommer kennen wir eigentlich kaum mehr, weil es in den vergangenen Jahren so heiß war. Wenn wir uns die Zahlen für den Raum Augsburg anschauen, dann zeigt sich, dass der Juni sogar etwas zu warm war. Er lag ein halbes Grad über dem langjährigen Mittel von 1961 bis 1990. Und auch der Juli zeigt eine ähnliche Abweichung nach oben.

Das heißt: Wir haben vergessen, wie sich ein normaler Sommer eigentlich anfühlt?

Wetter-Experte Wolz: „Dieses Wechselspiel ist der normale Sommer“

Wolz: Im Prinzip ist das so. Zieht man einen Vergleich zu den vorangegangenen Sommern, die uns in Erinnerung geblieben sind, dann muss man sagen: die waren teilweise viel zu warm, die Abweichungen waren erheblich. Und solche Abweichungen beobachten wir heuer nicht. Der mitteleuropäische Sommer ist normalerweise geprägt durch eine Westwetterlage und auch den häufigen Wechsel von recht warmen Episoden, wenn subtropische Luft aus dem Mittelmeerraum zu uns geführt wird, und kühleren Tagen durch die Luft von der Nordsee und dem Atlantik. Dieses Wechselspiel ist der normale Sommer.

Ist so ein Wetter eigentlich belastend? Etwa für den Kreislauf?

Wolz: Damit beschäftigen sich bei uns die Kolleginnen und Kollegen der Medizinmeteorologie. Man sagt, dass sich ein gesunder Kreislauf auf dieses Wechselspiel einstellt. Teilweise ist dann so ein Wechsel zwischen Kälte und Wärme sogar anregend.

Es gab bisher kaum schöne, warme Sommerabende, wo man bis in die Nacht draußen sitzen kann. Warum ist das denn so? Tagsüber ist es ja durchaus heiß.

Wolz: Zum einen muss man sagen, dass wir bislang (Anm.d.Red: bis einschließlich vergangener Donnerstag) im Raum Augsburg nur einen heißen Tag registriert haben – das heißt, dass an diesem Tag die Höchsttemperatur über 30 Grad lag. In den vorangegangenen Jahren lag die Zahl der heißen Tage beträchtlich darüber. Und wenn es schon tagsüber nicht so heiß ist, dann ist es klar, dass auch diese sehr warmen, lauen Nächte bislang ausgeblieben sind. Das ist der aktuellen Wetterlage geschuldet. Sobald sie mehr auf Südwest drehen würde, dann würden auch die Abende und Nächte wärmer werden.

Wodurch wird das Wetter in Bayern denn eigentlich besonders beeinflusst? Durch Wetterlagen am Mittelmeer, am Atlantik oder durch etwas ganz anderes?

Wolz: Mitteleuropa, und somit auch Bayern, ist geprägt durch eine Westwindzone – also ein Auf und Ab von Tief- und Hochdruckgebieten. Und somit ist das Wetter eben wechselhaft. Wir sind fernab von den Subtropen, wo man es, wie etwa im Mittelmeerraum, gewohnt ist, dass in den Sommermonaten Trockenzeit mit viel Sonnenschein und Hitze herrscht.

Guido Wolz leitet beim Deutschen Wetterdienst das Referat Regionale Wetterberatung (RWB) in München.
Bild: Guido Wolz

Gefühlt haben wir hier eher eine Regenzeit. Täuscht dieser Eindruck?

Wolz: Der Juni war zwar relativ nass, wir lagen in Augsburg um 20 Prozent über dem langjährigen Mittel. Im Juli haben wir allerdings noch nicht mal die Hälfte des Niederschlags erreicht (Anm.d.Red: bis einschließlich vergangener Donnerstag) – aber es sind ja noch ein paar Tage. Im bisherigen Sommer sind knapp 160 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen. Normalerweise sind es über 280 Liter. Das heißt: Wir sind etwas über der Mitte des Sommers, der meteorologisch betrachtet bis zum 31. August geht, und liegen geringfügig über der Hälfte der Niederschläge – also alles im normalen Bereich.

Welcher Sommer ist Ihnen denn besonders im Gedächtnis geblieben?

Wolz: Das war etwa der letzte Sommer und viele Sommer in den 2000er Jahren, weil man gemerkt hat, dass die Temperaturen doch häufig über den normalen Werten lagen.

Es heißt, dass wegen der Corona-Krise die Wettervorhersagen nicht mehr so präzise sind, weil es wegen der wenigen Flugzeuge am Himmel weniger Daten gibt. Ist das so?

Wolz: Na ja, insgesamt ist das nicht so gravierend. Die Vorhersage ist im Sommer immer etwas schwierig. Die Menschen interessiert in der warmen Jahreszeit ja vor allem, wann es regnet oder gewittert – und das ist schon immer sehr schwer gewesen vorherzusagen. Aber natürlich fehlen durch den Wegfall der Flugzeugmessungen einige Daten. Aber so dramatisch drückt sich das nicht aus.

Wie sind denn die Vorhersagen für die nächsten zwei Wochen? Dürfen wir uns in den Sommerferien auf eine längere Wärmeperiode freuen oder bleibt es so wechselhaft?

Wolz: Für zwei Wochen kann man gar nichts vorhersagen. Ich bin da immer sehr kritisch, viele lehnen sich sehr weit aus dem Fenster und sprachen schon im Frühjahr vom Jahrhundertsommer. Wir beschränken uns auf Vorhersagen, die sieben bis zehn Tage abbilden. Darüber hinaus wird das Ganze relativ schwierig. Was die Prognosen angeht: Insgesamt bleibt uns dieser wechselhafte Charakter erhalten. Anfang der Woche liegen die Temperaturen um die 25 Grad, am Dienstag könnten sie auch über 30 Grad steigen.

Zur Person Guido Wolz leitet beim Deutschen Wetterdienst das Referat Regionale Wetterberatung (RWB) in München.

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