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Landtag

10.11.2018

Wie sich der Frauenanteil im bayerischen Parlament entwickelt hat

Nachdem der Frauenanteil im Bayerischen Landtag lange kontinuierlich stieg, ist die Zahl der weiblichen Abgeordneten nach den vergangenen beiden Wahlen jeweils gesunken.
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Nachdem der Frauenanteil im Bayerischen Landtag lange kontinuierlich stieg, ist die Zahl der weiblichen Abgeordneten nach den vergangenen beiden Wahlen jeweils gesunken.
Bild: Ralf Lienert

Von einem Gleichgewicht zwischen Frauen und Männern ist das bayerische Landesparlament weit entfernt. Dabei ging die Frauenquote jahrzehntelang stetig nach oben.

Mit dem ersten Weltkrieg 1918 standen jahrhundertealte Standards in Deutschland vor dem Umbruch: Die deutsche Monarchie wurde abgeschafft, die parlamentarische Demokratie ausgerufen.

Es war die Zeit der Pioniere, die neue Ideen in das öffentliche Leben brachten und eine Gezeitenwende herbeiführten. Nicht nur was politische Inhalte, sondern auch die Gestalt der politischen Landschaft an sich betraf: 1918 zogen zum ersten Mal Frauen in den Bayerischen Landtag ein.

Wie sich Frauen in der Weimarer Zeit in der Politik engagierten

Eine von ihnen war die Münchnerin Ellen Ammann, Gründerin des Katholischen Bayerischen Frauenbundes, die sich als Abgeordnete der Bayerischen Volkspartei im Landesparlament für Jugendfürsorge und das Gesundheitswesen stark machte. Nicht nur geschlechtlich war sie Teil einer Minderheit – sie gehörte zu den Wenigen, die schon früh das gefährliche Potenzial der Nationalsozialisten erkannten und vor deren Zielen warnten.

 Bereits im Frühjahr des Jahres 1923, in dessen Verlauf Hitler erstmals nach der Macht griff, setzte sie sich für dessen Ausweisung ein. Am Scheitern des Hitlerputschs 1923 hatte die schwedische Einwanderin einen nicht unbedeutenden Anteil: Sie brachte viele derer, die von den Putschisten bedroht wurden, in Sicherheit oder verhalf ihnen zur Flucht.

Außerdem informierte sie die Reichswehr über die Umtriebe in der Münchner Innenstadt, wo die Nationalsozialisten auf die Feldherrnhalle zumarschierten. Einige ihrer Kollegen, wie der damalige Kultusminister Franz Matt, würdigten Ammanns Courage – sie habe gegenüber den Rechtsextremisten mehr Mut bewiesen „als manche Herren“.

Die Nationalsozialisten sahen andere Aufgaben für Frauen vor

Die aufkeimende weibliche Beteiligung an der Politik kam mit dem Aufstieg Hitlers vorerst wieder zum Erliegen. Das Gesellschaftsbild der Nationalsozialisten sah Frauen in der Rolle von Müttern und Hausfrauen, bis auf wenige Ausnahmen spielten sie auf politischer Ebene keine Rolle. Erst nach Kriegsende gelangten wieder die ersten Frauen in die Parlamente. In dem nach Kriegsende gegründeten Parlamentarischen Rat saßen unter den 65 Abgeordneten vier Frauen, die als „Mütter des Grundgesetzes“ gelten.

 

Im Bayerischen Landtag agierten 1946 drei Frauen, die einen Anteil von nur 1,7 Prozent ausmachten. Die Zahl erhöhte sich nur langsam, dafür kontinuierlich. 1970 gab es 16 Abgeordnete, der Anteil betrug 7,8 Prozent.

Die erste Frau in einer Staatsregierung war Mathilde Berghofer-Weichner, die als Teil des Kabinetts von Ministerpräsident Alfons Goppel zur Kultusministerin ernannt wurde. Unter Franz-Josef Strauß war sie danach noch Justizministerin.

Wie der Frauenanteil sich im Bayerischen Landtag entwickelt

Einen sprunghaften Anstieg der Frauenquote brachte das Jahr 1986, als die „Grünen“ erstmals ins Parlament einzogen. Ihre 15 Sitze wurden von neun weiblichen Abgeordneten in Anspruch genommen. Die Quote kletterte um über fünf Prozentpunkte auf 13,2 Prozent. In den Folgejahren wuchs auch der Anteil weiblicher Politikerinnen bei CSU und SPD. 2008 waren 31 Prozent der Landtagsabgeordneten in Bayern weiblich, im selben Jahr wurde mit Barbara Stamm auch erstmals in der Geschichte des Bayerischen Landtags eine Präsidentin gewählt.

Nach der Wahl zum 18. Landtag ist der Frauenanteil zum zweiten Mal in Folge gesunken und liegt mit 26,8 Prozent auf demselben Niveau wie vor 20 Jahren. Besonders die überwiegend männlichen Fraktionen von FDP und AfD drücken den Frauenanteil: Unter den elf FDP-Abgeordneten befindet sich nur eine Frau, unter den 22 Abgeordneten der AfD nur zwei.

In Gesellschaft und Politik zeigen sich viele Menschen beider Geschlechter frustriert über den erneuten Rückgang des Frauenanteils im bayerischen Landesparlament. Immer wieder keimt die Diskussion über eine gesetzliche Quotenregelung auf.

Die ehemalige Familienministerin Emilia Müller und Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes, in dem sich einst schon Ellen Ammann engagierte, bezeichnete die Zusammensetzung des neuen Parlaments als „desillusionierend“. Das Wahlergebnis führe ihrer Ansicht nach „leider wieder nicht dazu, dass das Parlament ein Spiegelbild der Gesellschaft“ ist.

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