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Prozess in München

21.07.2010

Zeugin bestätigt: Angeklagter drohte Brunner mit dem Tod

Am Münchner S-Bahnhof Solln starb Dominik Brunner.
Bild: DPA

Eine 16-jährige Zeugin bestätigt im Brunner-Prozess, dass einer der Angeklagten dem Opfer mit dem Tod drohte. Für den Lokführer der S-Bahn war Dominik Brunner in Solln der Angreifer.

München Stück für Stück, wie bei einem Puzzle, versucht die 1. Jugendkammer des Landgerichts München im Prozess um den gewaltsamen Tod von Dominik Brunner (50) sich ein Bild von den schrecklichen Ereignissen auf dem Bahnsteig in Solln zu machen. Doch so recht zusammenpassen wollen die Zeugenaussagen noch nicht. Eine 16-jährige französische Schülerin, die die Schlägerei vom Bahnsteig gegenüber beobachtete, belastete gestern die Angeklagten Markus S. (19) und Sebastian L. (18) schwer. Der 46-jährige Lokführer der S-Bahn dagegen berichtete, aus seiner Sicht sei Brunner der Angreifer gewesen.

Zwischen den Beobachtungen der beiden lagen aber offenbar einige entscheidende Sekunden. Der Lokführer, der gestern Nachmittag mit einer Anwältin als Rechtsbeistand vor Gericht erschien, schilderte den Beginn der Auseinandersetzung so: Die S-Bahn sei in Solln eingefahren. Ein älterer Herr (Brunner), einige Jugendliche und weitere Fahrgäste seien ausgestiegen. Als Letzte sah er die beiden Angeklagten aus dem Zug kommen. Sie seien "ganz normal ausgestiegen, wie jeder andere Fahrgast auch". Brunner habe ihm von hinten aus etwa 35 Meter Entfernung zugerufen: "Jetzt gibt's hier hinten Ärger." Dann habe er seine Jacke ausgezogen und seine Tasche abgestellt. Warum Brunner am Bahnsteig blieb, hat der Lokführer offenkundig nicht verstanden, weil er die Vorgeschichte nicht kannte. Doch er sagt - im Nachhinein - über Brunner auch: "Es war von meiner Sicht her genug Zeit, einfach zu gehen."

Weiter schilderte der Lokführer: Als dann sich die beiden jungen Burschen Brunner und den Jugendlichen näherten, sei Brunner "zügig mit zwei Schritten" zu ihnen hin und habe einen der beiden mit der Faust ins Gesicht geschlagen. "Die zwei Angeklagten waren äußerst überrascht - so wie ich", sagte der Lokführer. Dann hätte die Gruppe angefangen, laut zu diskutieren. "Herr Brunner, für mich als Angreifer, hat gesagt: das klären wir jetzt mit der Polizei." Er habe noch, so der Lokführer, per Funk die Zentrale alarmiert. Damit sei für ihn der Vorfall auch schon wieder erledigt gewesen, und er sei weiter gefahren.

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Weitaus dramatischer erlebte die 16-jährige Französin die Ereignisse, die sich wohl nur einige Sekunden später zutrugen, als die beiden jungen Burschen Brunner brutal attackierten. Die Jugendliche, die nur leidlich deutsch spricht und vor Gericht einen sehr verschüchterten Eindruck machte, war mit ihrem kleinen Bruder ins Kino unterwegs. Am Bahnsteig in Solln, so berichtete sie, sei sie durch Schreie auf die Schlägerei am Bahnsteig gegenüber aufmerksam geworden. Sie habe ihrem Bruder die Augen zugehalten, damit er das nicht mit ansehen müsse. Sie habe Schläge und Fußtritte beobachtet und dass "der Junge mit der Mütze" (Markus S.) angefangen habe. Irgendwann sei Brunner zu Boden gegangen. Dass Markus S. Brunner als "Motherfucker" beschimpfte und ihm drohte "Ich bring dich um, ich bring dich um", bestätigte die Schülerin vor Gericht erst, als es ihr aus ihrer polizeilichen Vernehmung vorgehalten wurde: "Ich glaube schon."

Die Brutalität des Geschehens bestätigten allerdings auch weitere Zeugen. Ein 17-Jähriger etwa, der die Endphase der Schlägerei beobachtet hatte, lief zu dem am Boden liegenden Brunner, "um zu schauen, ob er noch lebt". Ein 59 Jahre alter Zeuge berichtete, wie Markus S. auf Brunner eintrat. Er habe ein "sehr hasserfülltes Gesicht" gesehen, sagte der Zeuge über Markus S.

Der Prozess wird heute in München fortgesetzt.

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